Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Article
- Herzl der Führer
- Date
- 1914-07-03
- Page
- 670 (sequence 3)
- Language
- German
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670 Nr. 27 DIE^ELT leisten, uns zu helfen. Denn Amerika ist selbstverständlich das Hauptziel der Emigration, wenn es uns nicht gelingt, sie anderswohin abzulenken. Was aber werden die Ver. St. thun? Werden sie die Bejammemswerthesten der Erde zurück in die Mißhandlungen, in die Todesangst stoßen? Oder werden sic die Lasten einer solchen Immigration erdulden? Es gibt nur einen Ausweg: helfet dem Zionismus! Sie sehen, ich wende mich nicht an die weichmüthigen Gefühle, sondern an die politische Vernunft. Mit bestem Gruß Ihr ergebener Ich muß mir nun doch untreu werden und persönliche Erinnerungen hervorholen. Wenn ich mich nicht täusche, war es unmittelbar nach dem III. Kongreß, daß Herzl daranging, Amerika für unsere Idee zu gewinnen. Ich meine nicht die amerikanischen Juden, unter denen bereits verläßliche Zionisten agitierten. Die Werbearbeit unter den Juden war ja nur eines seiner Mittel. "Er wollte damals das politische und ökonomische Amerika für die zionistische Lösung der Judenfrage interessieren und hatte auch die Absicht, eine Zweiganstalt der Jüdischen Kolonialbank in New York zu eröffnen. Es war auch alles Nötige vorbereitet worden, aber das Projekt scheiterte an Personalien. Und als dann Herzl wieder Zeit gewann, sich mit diesen persönlichen Fragen abzugeben, raffte ihn der Tod hinweg. Dieser Brief an eine maßgebende politische Persönlichkeit Amerikas ist nun viele Jahre vor der beabsichtigten amerikanischen Bankgründung abgefaßt, ein Beweis, wie Herzl seine scheinbar impulsiven Pläne allmählich durch zweckentsprechende Arbeit vorbereitete. Die Partei ahnte niemals, wie vielfache und mühselige Maßnahmen der Führer bereits getroffen hatte, wenn er ein Projekt auf den Tisch legte. Nun noch einige Reminiszenzen: Sie entsinnen sich noch der sogenannten „F r a k - t i o n". Es war eine Zeit der Mißstimmung darüber, daß die zionistische Arbeit nur in einer Person konzentriert war. Speziell unsere jüngere Generation wurde immer unzufriedener und gerade die Treuesten und Besten (Buber, Feiwel, Weizmann und andere) übten scharfe Kritik. Ich, der ich täglich mit Herzl alle Detailfragen zu besprechen Gelegenheit hatte, wußte nur zu gut, daß es vor allem Herzl selbst war, der die mangelhafte Beteiligung unserer jungen Kräfte empfand und eifrig neue Arbeitsmöglichkeiten für sie suchte. Allerdings: Seine eigenste wesentliche Arbeit führte er immer allein, und ich wüßte außer David Wolffsohn niemand, der vollen Einblick in diese Arbeit gewann. Für die Werbearbeit aber suchte er mit allen Kräfte neue Männer heranzuziehen. Ich legte ihm nun eines Tages das Projekt vor, in aller Herren Länder einen Weltzionistentag einzuberufen. Mein Zweck war, allen strebsamen zionistischen Kräften überall Gelegenheit zu geben, Unzufriedenheit, aber auch brachliegende Tatkraft in produktive Arbeit umzusetzen. Ich meinte, daß an einem bestimmten Tage die gesamte Kulturwelt einheitlich und großzügig über den Zionismus informiert werden solle. Nicht bloß durch Versammlungen, sondern durch Publikationen und Informationen der Staatsmänner, Politiker, Künstler, Schriftsteller usw., so daß speziell unseren jungen Freunden Anlaß geboten würde, Verbindungen zum Nutzen der Bewegung anzuknüpfen, aber auch über die Agitation im engsten jüdischen Kreise hinauszuwachsen und zu lernen, aus der speziellen Judenfrage eine Kulturfrage zu schaffen. Hier Herzls Antwort: T" 6L^ ctcL^Crl^ oOlt. Meinem Projekte stellten sich unerwartete Hindernisse entgegen, Herzl hielt aber an dem Plane fest, wie aus folgendem Briefe zu ersehen ist: Alt-Aussee, am 4. Sept. 1901. Lieber Freund! Ich sehe nicht ein, warum Sie von Ihrem ursprünglichen Plane, den ich für sehr gut fand, abkommen wollen. Wenn Sie das, was Sie als Cirkular ausschicken wollten, einfach in einem Briefe an de Haas schreiben, so wird die Sache in der nächsten Nummer der beiden englischen Blätter erscheinen und Sie können dann weiter arbeiten. Ich sehe also absolut keine Schwierigkeit und bitte Sie, die Sache ohne Verzug auszuführen. Mit besten Grüßen Ihr ganz ergebener Benjamin. Wohlgeboren Herrn Dr. Isidor Schallt, Wien. Vielleicht findet unsere gegenwärtige Leitung die ernstliche Durchführung eines solchen, periodischwiederkehren den Weltzionistentages für praktisch. Ich bin nun, ohne es zu wollen, doch bei Fragen der Parteitaktik gelandet. Es ist zwar ein sehr geringes Material, das ich Ihnen augenblicklich zur Verfügung stellen kann, aber mir genügt es, um mir die machtvolle Persönlichkeit Herzls und sein großes Lebenswerk vor Augen zu rufen. Sentimentalitäten liegen mir ferne. Und wenn ich Herzls gedenke, will ich es tun, wie ich es bei allen Arbeiten unter Herzl gelernt habe: zweckdienlich. Die Aufgaben, die sich unsere Organisation in den letzten Zeiten gestellt hat, erscheinen mir zu vielseitig und auch zugroßartig. Vieles ist gegründet worden und viel wird neu zu schaffen versucht. Und wenn ich aller Schöpfungen gedenke, die schon kreiert wurden und von