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Die Welt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. 656

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Article
Politischer Zionismus und zionistische Politik
Date
1914-07-03
Page
656 (sequence 5)
Language
German
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656 DIE&ELT Nr. 27 Es ist bekannt, wie sehr sich Herzi in dieser Richtung bemüht hat. Freilich ordnete er diese Bemühungen seinem Chartergedanken unter. Er wollte die Sicherheit haben, daß die Mächte von dem Abschluß des Chartervertrages in wohlwollender Weise Kenntnis nähmen. Aber für uns, die den 'Charterplan für unausführbar halten, ist damit jene Art politischer Tätigkeit keineswegs entwertet. Sie hat an sich eine sehr große Bedeutung und zwar gerade deshalb, weil wir heute mit einem langsamen, allmählichen Fortschreiten unserer Sache rechnen. Wäre der Erfolg des Zionismus durch formale Abmachungen sicher zu stellen, so bedürfte es allenfalls des Wohlwollens einer beschränkter Anzahl von Staatsmännern, welche unseren Vertrag mit der Türkei zu begutachten hätten. Heute haben wir aus der Erkenntnis, daß unserer Arbeit keine endgültige Sicherung beschieden sein kann, daß wir im wesentlichen auf uns selbst angewiesen sind. daß wir uns langsam durchsetzen müssen — heute haben wir aus solcher Erkenntnis die Folgerung zu ziehen, daß wir uns sehr bedeutende Sympathien in allen Kulturstaaten schaffen müssen, wenn wir bei dem ständig wachsenden . Interesse aller Mächte für die Entwicklung des nahen Orients nicht auf Schritt und Tritt gefährlichen Mißverständnissen und Böswilligkeiten ausgesetzt sein wollen. Aus diesem Grunde ist für uns jene politische Arbeit von großer Bedeutung, die nach Herzls Wort eine Atmosphäre des Wohlwollens für unsere Bewegung schaffen soll. In dem kulturfördemden Charakter des Zionismus, in seinen friedlichen und zugleich für die Weltwirtschaft nützlichen Leistungefa scheint uns eine ausreichende Basis für solche politischen Annäherungsversuche gegeben. Wir halten uns dabei von allen übertriebenen Erwartungen fern, wir fordern nicht die Zustimmung zu einem Charterprojekt, und wir geben dem Interesse der Umwelt einen Anhaltspunkt in unserer kolonisatorischen Arbeit. Nur diese kann das Wohlwollen für uns wachhalten, und nur diese gibt die Möglichkeit, in gewissen Fällen, die sich aus der politischen Situation und den besonderen Interessen der in Frage kommenden Mächte ergeben, die platonische Sympathie in konkrete Förderung umzuwandeln. Diese Art politischer Tätigkeit läßt sich freilich nicht schematisieren. Nicht jeder Appell an politische . Machtfaktoren ist ein Akt politischer Klugheit, und zuweilen ist völlige Zurückhaltung besser als ein diplomatischer Schritt, der zu einem halben oder ganzen Mißerfolg führt. Diese Einzelheiten entziehen sich naturgemäß der öffentlichen Erörterung, welche ja immer nur das Prinzipielle behandeln kann. Hier liegt jedenfalls eine ernste und große Aufgabe, die sich in gelegentlichen Besuchen bei Ministem und Botschaftern nicht erschöpft, sondern die Beeinflussung der gesamten öffentlichen Meinung, der politisch und kulturell führenden Männer aller Nationen verlangt. — Endlich haben wir uns gegenwärtig mit einer politischen Frage zu befassen, die den bisher behandelten an Bedeutung gleichkommt: das ist unser Verhältnis zu den Arabern. Die Leitung unserer Bewegung hat erkannt, daß die arabische Frage von höchster Wichtigkeit für uns ist und daß wir ihr durch wohlüberlegte Politik begegnen müssen. Das bisher befolgte System des „laissez faire, laissez aller" ist auf die Dauer nicht haltbar. Freilich ist gerade auf dem Gebiete unserer arabischen Politik vieles noch unklar, doch kann man jedenfalls sagen, daß wir uns darum bemühen müssen, die führenden arabischen Kreise und die Bevölkerung davon zu überzeugen, daß ihr durch uns kein Nachteil droht. Auch die türkische Regierung legt aus begreiflichen Gründen hohen Wert darauf, daß wir uns mit der arabischen Bevölkerung verständigen, und so ist diese politische Arbeit wiederum mit der erstgenannten, der Gewinnung der maßgebenden türkischen Kreise, eng verbunden. Die Aufgaben der zionistischen Politik konnten hier nur kurz skizziert werden. Doch will es uns scheinen, als seien sie groß genug, um allen politisch interessierten Zionisten Stoff zum Nachdenken und reiche Arbeitsmöglichkeit zu geben. In der Praxis sind ja alle diese Aufgaben viel schwieriger als ihre bloße Aufzählung erkennen läßt. Die eigentliche Schwierigkeit liegt immer im Detail, in der Benutzung des richtigen Augenblicks, in der Kombination verschiedener Möglichkeiten. Die Durchführung politischer Aktionen ist zum guten Teil Von dem politischen Instinkt des Unterhändlers, von seinem Taktgefühl, von der persönlichen Wirkung, die er ausübt, abhängig. In der Politik gibt es, genau wie in der Aesthetik, Fragen des Stils, die sich nicht in Formeln fassen lassen. Herzls bezwingende Persönlichkeit hat sicher hervorragendsten Anteil an dem ernsten Interesse gehabt, das die Mächtigsten der Erde seinerzeit unserer Bewegung zuwandten. Wir haben heute mit vollem Bewußtsein die Bahn der Herzischen Politik verlassen, die in der Charteridee ihren Ausdruck fand. Der Stil aber, in dem er unsere Forderungen vertrat, die Würde, von der seine politischen Bemühungen getragen waren, wird immer vorbildlich bleiben. Unsere Politik kann nur dann Der Wein auf acm Wege nach Jaffa

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