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Die Welt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. 655

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Article
Politischer Zionismus und zionistische Politik
Date
1914-07-03
Page
655 (sequence 4)
Language
German
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655 Nr. 27 : DIE] KE LT : lassen, die späteren Ergebnisse unserer Tätigkeit in Paeine politische Angelegenheit erster Ordnung bewerten, lastina durch den vorausgehenden Abschluß eines Vertrages zu sichern, und mußten uns dieser Tätigkeit unmittelbar zuwenden. Ist damit die Zeit der Politik vorbei? Einigen schien es so, und vielleicht gab es wirklich unter den Vorkämpfern der Palästinaarbeit den einen oder anderen, der — noch von dem Streit um den Chartergedanken erhitzt — von Diplomatie und Politik nichts hören wollte. In Wahrheit ist zionistische Politik heute mehr als je die Forderung des Tages. Wir sagten schon, was wir unter Politik zu verstehen haben: die planvolle Anwendung aller Mittel, die unserem Zwecke dienen. Gegenstand unserer inneren Politik ist die Förderung der Propaganda und der Jugenderziehung sowie der Aufbau der Heimstätte in Palästina; auf allen diesen Gebieten gilt es, zielbewußt unter zweckmäßiger Verwendung und systematischer Stärkung unserer Kräfte zu wirken. Mit dieser inneren Politik des Zionismus ist die äußere Politik eng verbunden. Ihre Aufgabe ist es, die von der inneren Politik geleitete Entwicklung vor Störungen zu bewahren, äußere Hindernisse zu beseitigen und nach Möglichkeit die Mithilfe der in und an Palästina interessierten Faktoren zu gewinnen. Daß solche politischen Bemühungen notwendig sind, kann nicht ernstlich bezweifelt werden. Die Zukunft Palästinas ist so sehr mit weltpolitischen Interessen verknüpft, daß eine Nichtbeachtung der Kräfte, welche im Dienst jener Interessen tätig sind, für uns verhängnisvoll werden könnte. Unsere äußere Politik knüpft unmittelbar an unsere Palästinaarbeit an, und hierin liegt ihr deutlich unterscheidendes Merkmal gegenüber der Charterpolitik. In der Begründung, welche wir der Abkehr vom Chartergedanken gaben, wurden ja bereits die Elemente unserer heutigen Politik angedeutet.' Wir haben erkannt, daß alle Mächte, mit denen wir zu rechnen haben, die Verwirklichung des Zionismus unseren eigenen Anstrengungen überlassen und nicht vorzeitig seine Entwicklung garantieren werden. Daraus folgt einerseits, daß wir für die Palästinnaarbeit keine Stunde zu Verlieren, sondern dieselbe sofort und in möglichst großem Umfang zu betreiben haben. Es folgt daraus aber auch, daß unsere politischen Annäherungsversuche nur dann von Erfolg begleitet sein können, wenn sie an unsere Tätigkeit in Palästina unmittelbar anknüpfen. Solange unsere Sache als ein totes Projekt erschien, dem erst nach Abschluß des Chartervertrages Leben eingeblasen werden sollte, solange hörte man uns höflich an, ermutigte uns wohl auch durch anerkennende Worte, rührte aber in Wahrheit keinen Finger für uns. Wenn unsere Sache jedoch als eine lebendige Kraft erscheint, welche durch sich selbst wirkt und schafft, so können manche politischen Machtfaktoren positives Interesse an uns gewinnen. Sie werden uns das Resultat unserer Arbeit nicht garantieren, sie werden, solange die Siedlung in Palästina einen kleinen Umfang hat, aber sie können durch geschickte Diplomatie zu einer wohlwollenden Haltung und allmählich zur wirksamen Unterstützung unserer Sache geführt werden. Wir denken hierbei natürlich in erster Linie an die Türkei. Wir müssen uns ständig bemühen, die türkische Regierung unter nachdrücklichem Hinweis auf unsere Erfolge in Palästina davon zu überzeugen, welchen Nutzen wir Palästina und dem ganzen türkischen Reiche bringen. Daß eine solche Politik nicht aussichtslos ist, sondern zu prinzipiell freundlicher Haltung und zur Beseitigung bestehender Schwierigkeiten führen kann, das haben die letzten Monate bewiesen, welche die Abschaffung des roten Zettels und die Erleichterung der Naturalisation brachten. Man hat die Frage aufgeworfen, ob solche politischen Bemühungen nicht auch eine Art von „Charterismus“ darstellen, da sie ja schließlich ebenfalls auf das „do ut des“-Prinzip (Leistung und Gegenleistung) hinauslaufen. Der wesentliche Unterschied gegenüber dem Charterplan liegt jedoch darin, daß wir aus den erwähnten Gründen keine formelle Bindung für spätere Zeiträume anstreben, sondern nur eine freundliche Stimmung für unsere schon geleistete und in der nächsten Zukunft zu leistende Arbeit zu erzeugen und von Fall zu Fall die jeweils für den Fortschritt unserer Sache nötigen Erleichterungen zu erreichen suchen. ' In der Tat also bieten wir der Türket etwas — nämlich unsere Arbeit in Palästina und suchen als Gegenleistung die Sympathie der türkischen Regierung zu gewinnen. v Um diese allgemeine Form des „do ut des“ der Politik für die Wirklichkeit nutzbar zu machen, müssen wir versuchen, schrittweise Erleichterungen unserer Arbeit zu erlangen. Von besonderem Wert hierfür wären spezielle Abmachungen, bei denen von beiden Seiten bestimmte Angebote erfolgen, die sich, unmittelbar verwirklichen Von gleicher Wichtigkeit wie unsere Bemühungen in der Türkei sind jene diplomatischen Versuche, welche darauf hinzielen, die Sympathie der Mächte zu gewinnen. unsere Bewegung nicht als Rischon le-Zion. Verladen der Weinfässer

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