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Die Welt · 1914-06-19 · 25 (19.6.1914) · p. 605

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
25 (19.6.1914)
Article
Der XIV. Delegiertentag der zionistischen Vereinigung für Deutschland
Date
1914-06-19
Page
605 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 blES^ELT ■■■■■■-= ■■ . ■. -= 605 Die große Mehrheit des Delegiertentages nahm die Ausführungen Blumenfelds mit stürmischem Beifall auf. Herr Dr. Franz Oppenheimer wendet sich in längerer Rede gegen die Ausführungen Blumenfelds. Er hält die radikalnationale Propaganda in Deutschland, wenn sie von offizieller Seite erfolgt, für schädlich. Nach seiner Auffassung genüge das Baseler Programm, wie es Herzl interpretiert habe, vollständig. Auch die Posener Resolution hält er für unausführbar und in der Propaganda für gefährlich. Der zionistischen Presse müsse man es zur Pflicht machen, alle Richtungen im Zionismus zu vertreten, denn es gehe nicht an. daß die Presse und die zionistischen Beamten eine einseitige radikalnationale Richtung vertreten. Herr Dr. Isaak Straus ist der Ansicht, daß wir eine Methodik unserer Propaganda schaffen müssen, die es ermöglicht. auch mit anderen Richtungen und Personen im Zionismus gemeinsam zu arbeiten. Dr. Pelz (Königsberg) spricht über das nationaljüdische Erziehungsproblem. Justizrat Dr. Bodenheimer ist der Ansicht, daß die Posener Resolution verschiedentlich interpretiert werden könne. Unsere Auffassung des jüdischen Nationalismus könne keine abgeschlossene sein. Dies ist nur möglich, wenn wir in Palästina leben. Er wendet sich gegen die Art, wie der Austritt der Zionisten aus dem Zentralverein erfolgt sei. Die deutsche Achusah-Bewegung, die er warm begrüße, solle möglichst mit den Interessen des Jüdischen Nationalfonds verbunden werden. Dr. S. Hirsch (Berlin) hält die Posener Resolution für äußerst wichtig; denn in den letzten zwei Jahren seit Posen sind unsere Anschauungen über Palästina ganz andere geworden. Redner ist für die Fortsetzung der bisherigen nationalen Propaganda. Er wünscht, daß die Leitung den Wander-, Tum- und Sportvereinen eine größere Unterstützung angedeihen läßt als bisher. Bankier Jacob W o 1 f f (Frankfurt a. M.) befürwortet den Standpunkt Dr. Oppenheimers und hält die radikale Propaganda Blumenfelds besonders in Süddeutschland für schädlich. Rechtsanwalt Qreifenhagen (Berlin) bespricht das Verhältnis der zionistischen Organisation zur Jüdischen Turner- Hermann Struck (Berlin) und Rechtsanwalt Dr. Möller (Hamburg) bekämpfen die radikal-nationale Propaganda und wünschen, daß das offizielle Organ der Bewegung, die „Jüdische Rundschau“, sich größere Mäßigung auferlegt. Das Schlußwort hat Dr. H a n t k e. Er führt etwa folgendes aus: Er konstatiert, daß die Begründung, die Herr Blumenfeld für die Propagierung des nationalen Gedankens gegeben hat, von der Mehrheit der Delegierten geteilt wird. Der Gedanke der jüdisch-nationalen Erziehung, wie er in Deutschland zum Ausdruck kommt, hat auch außerhalb Deutschlands alle Kreise der zionistischen Organisation erobert. Ein Beweis dafür sind die Verhandlungen der letzten Delegiertentage des Verbandes zionistischer Studentenvereine „Hechawer“ und des westösterreichischen Parteitages. Er spricht die Bitte aus, daß auch die Herren, die heute in der Opposition stehen, mit uns zusammen arbeiten sollen, um sich von der Wichtigkeit unseres Gedankens zu überzeugen. Er bedauert, daß im Gegensatz zu der Geschlossenheit, mit welcher die Organisation in den Kämpfen der letzten Monate aufgetreten ist, einzelne Gesinnungsgenossen es für nötig gefunden haben, gegen die Beschlüsse der Organisation zu handeln und in anderen jüdischen Organisationen zu verbleiben, mit denen ein Zusammenarbeiten unmöglich geworden ist. — Die von Herrn Dr. Oppenheimer angegriffene zionistische Jugend hat den Zionismus in der ganzen Welt geschaffen. Der Zionismus, der Protest gegen alles Unjüdische im Judentum, ist so stark, daß die Nuancen innerhalb des Zionismus dagegen ganz unerheblich sind. Er fordert nochmals ein Zusammenwirken der Alten und Jungen im Zionismus zur Erreichung unseres Zieles: Die Zukunft unseres Volkes in Palästina zu sichern. Dr. Hermann teilt mit, daß durch eine persönliche Propaganda unter den Delegierten 700 £ für die P. L. D. C. gezeichnet worden sind. Dr. H a n t k e bringt nunmehr die Anträge zur Abstimmung. Es liegen zwei Anträge vor. Der erste Antrag, gezeichnet von den Herren Landau und Dr. Hirsch, lautet: Der Delegiertentag spricht seine volle Uebereinstimmung mit der Politik des Geschäftsführenden Ausschusses des Zentralkomitees aus. Der Delegiertentag billigt insbesondere das Verhalten der Organisation gegen das Antizionistische Komitee und gegen den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, sowie das energische Auftreten im Kampfe für die hebräische Sprache in Palästina. . Der Delegiertentag fordert den Geschäftsführenden Ausschuß auf, mehr als bisher das Schwergewicht auf die Jugendarbeit zu legen. Der zweite Antrag, der von den Herren Dr. Friedemann, Dr. Franz Oppenheimer und Dr. Hans Mühsam unterzeichnet ist, lautet: > Der Delegiertentag beschließt: Beamte und offizielle Presse werden angewiesen, sich mit keiner einseitigen Richtung innerhalb des deutschen Zionismus zu identifizieren. Nachdem der Vorsitzende Dr. Hantke erklärt hat, daß sich der Geschäftsführende Ausschuß nur für den Antrag der Herren Landau und Dr. Hirsch aussprechen kann, wird zur Abstimmung geschritten. Die einzelnen Sätze des Antrages Landau und Hirsch werden bei wenigen Stimmenthaltungen einstimmig angenommen. Rechtsanwalt Erich Cohn beantragt für den Antrag Friedemann Uebergang zur Tagesordnung. Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte wird dieser Antrag mit 61 gegen 22 Stimmen angenommen. Hierauf wird' die Sitzung um 8i;i> Uhr abends geschlossen. ln der für i/^lO Uhr abends anberaumten Nachtsitzung erstattet Herr Leo Motzkin den ersten Teil seines Palästina-Referates, auf das wir noch zurückkommen werden. Am Montag erstattet Dr. Theodor Z 1 o c i s t i sein Referat über .-die Begründung einer Achusah. Wir behalten uns vor, dieses interessante Referat in einer der nächsten Nummern der „Welt“ abzudrucken. Sodann beendigt Herr Motzkin sein Palästina-Referat. Der Deutsche Kaiser und der König von Sachsen haben dem Delegiertentag für die Huldigungsgrüße telegraphisch danken lassen. Der Vorsitzende verliest die Telegramme. Die Nachmittagssitzung wird ausgefüllt durch eine prinzipielle Debatte über die Frage der zionistischen Jugenderziehung. Hierzu äußern sich hauptsächlich die Vertreter der verschiedenen jüdisdh-national-akademischen und nichtakademischen Jugendorganisationen, die vorher eine besondere Konferenz unter sich abgehalten hatten. Es handelt sich hauptsächlich um eine Stellungnahme des Delegiertentages zur Tätigkeit einzelner Zionisten in den in Deutschland bestehenden jüdisch-neutralen Jugendverbänden. Ein großer Teil der Delegierten steht auf dem Standpunkt, daß die Tätigkeit in solchen Verbänden durch eine Austrittsparole untersagt werden soll. Von anderen Delegierten wird hervorgehoben, daß eine vom Delegiertentag gegebene Austrittsparole ohne praktischen Wert wäre und die Stellng mancher Zionisten in solchen Verbänden unnützerweise erschweren könnte. Es wird folgender Vermitllungsantrag Goslar angenommen: Der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland macht es allen jungen Zionisten zur Pflicht, in den bestehenden und noch zu gründenden zionistischen und nationaljüdischen Jugendvereinen aktiv mitzuarbeiten. Darüber hinaus steht die Mitgliedschaft und Mitarbeit in anderen Jugendorganisationen dem einzelnen mit der Maßgabe frei, daß im Streitfälle die Regelung für die einzelnen Orte einheitlich geschieht, wobei die letzte Entscheidung beim Geschäftsführenden Ausschuß des Zentralkomitees liegt.

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