Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 21 (22.5.1914)
- Article
- Probleme der Landwirtschaft in Palästina
- Date
- 1914-05-22
- Page
- 500 (sequence 2)
- Language
- German
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500 Nr. 21 blE2£KELT Die Einrichtung dieser Molkereien ist dadurch ermöglicht worden, daß der einzige, oben erwähnte Tierarzt sich in Judäa (Pethach Tikwah) ansässig gemacht hat; ferner dadurch, daß es mit vieler Mühe gelungenist, die Kolonisten davon zu überzeugen, daß bei Futterbau und Stallfütterung die Viehseuchen außerordentlich an Heftigkeit und Gefährlichkeit verlieren, ln Wirklichkeit hat die Pest den Kolonien im allgemeinen nur geringen Schaden verursacht. Von mehr als 200 Stück Vieh in Rischon sind nur vier, von den großen Herden in Pethach Tikwah nur acht Stück durch die Pest weggerafft worden. Etwas schlimmer war es in Benschemen, wo eine gefährliche Seuche, die Geryza gangrenex, 17 Kühe und 20 Kälber als Opfer gefordert hat. Es ist klar, daß bei Hinzuziehung noch einiger Tierärzte und bei sachgemäßer Stallhaltung des Viehes mit genügendem Futterbau die Seuchen nur geringen Schaden verursachen dürften. Um aber sicher vorzugehen, müssen wir Viehversicherungsgesellschaften einführen. Einige kleinere Gesellschaften dieser Art sind in Palästina schon vorhanden. Sie sind aber nur für kleinere Unfälle leistungsfähig. Die Kolonie zahlt 3 o/o des Wertes der Herden als Prämie, kann aber dadurch nur einen Schaden decken, der auch nicht mehr als 3 o/o des Wertes ausmacht. Bei einer Seuche, die etwa 10 o/o des Bestandes vernichten würde, sind diese Gesellschaften hilflos. Diesem Uebelstande müßte man dadurch ein wenig abhelfen, daß man alle kleineren Gesellschaften zu einer einzigen größeren vereinigt. Wie in Europa die Regierungen eingreifen mußten und aus ihren Finanzmitteln Fonds für Viehversicherung schufen, so muß auch in Palästina ein solcher Fonds geschaffen werden, und ebenso, wie in den europäischen Staaten diese Fonds niemals erschöpft werden, sondern im Gegenteil die Reservefonds vergrößern helfen, so wird es auch in Palästina sein. Wenn man annimmt, daß der Viehbestand der jüdischen Kolonisten einen Wert von ca. 400 000 Frcs. repräsentiert, so würde sich, wenn entsprechend den bisherigen Erfahrungen eine größere Seuche einmal in sechs bis sieben Jahren Palästina heimsucht und ca. 10 o/o des Viehbestandes vernichtete, der Schaden einmal in sieben Jahren 40000 Frcs., also ca. 6000 Frcs. jährlich betragen. Nehmen wir dagegen extreme Fälle an: eine Seuche einmal in sechs Jahren und ein Verlust von 25 o/o des ganzen Viehbestandes (ein Fall, der sich bisher allerdings in den jüdischen Kolonien noch nicht ereignet hat), so würde sich in diesem Falle der jährliche Schaden auf ca. 17 000 Frcs. stellen. Zu dieser Summe könnten die Kolonisten selbst 12000 Frcs. beisteuern, als dreiprozentige Prämie des Viehwertes, die übrigen 5000 Frcs. müßten durch irgend eine Organisation gesichert werden. Eine kapitalkräftige, in Palästina arbeitende Organisation, die 100 000 Frcs. für diese Zwecke bei der A. P. C. oder einer anderen Institution deponieren würde, könnte zur Hebung der Landwirtschaft außerordentlich viel bei- Die Zinsen würden als Fonds für die Viehversicherung dienen; das Kapital selbst müßte einen Leihfonds für Viehzucht und Milchwirtschaft darstellen. Die Nachfrage nach Milch und ihre Produktionen wird in Palästina immer größer. Die jüdische Bevölkerung von Jaffa allein kann mindestens 3000 Liter Milch täglich konsumieren. Von Ekron, Ben Schemen, Ein- Ganim werden heute ca. 800 Liter auf den Markt gebracht. Für die fehlenden 2200 Liter könnten noch viele kleinere Molkereien eingerichtet werden; eine Molkerei in Nachlath-Jehuda bei Rischon würde der industriellen Kolonie Rischon Milch verschaffen; eine Molkerei in Be’er-Jakob würde ihre Produkte nach Rechoboth verkaufen. Der Hauptmarkt für Milch und ihre Produkte wird aber immer Jerusalem sein. Die 60000 Juden in Jerusalem könnten täglich ca. 15 000 Liter Milch verbrauchen, während heute Jerusalem noch nicht 1000 Liter pro Tag verbraucht, weil der Preis für den größten Teil der Bevölkerung unerschwinglich ist: im Hochsommer kostet ein Liter meist stark verwässerter Milch ca. 60 bis 80 Centimes. Es ist daher notwendig, eine große Molkerei in der Kolonie Artuf zu gründen, eine zweite in Kafr-Urie, eine dritte in Hulda. Ferner könnte die Molkerei, in Ekron noch stark vergrößert werden. Am allemötigsten aber wäre es, sofort eine Molkerei in Moza, ganz in der Nähe von Jerusalem, zu gründen. Diese Kolonie liegt sehr darnieder, und es gibt kein anderes Mittel, sie wieder in die Höhe zu bringen. Doch auch andere Kolonien in der Umgebung von Jerusalem werden nicht lebensfähig sein, wenn sie sich nur mit Pflanzungen beschäftigen: nur Molkereien, verbunden mit Geflügelzucht und Gemüsebau sind in der Umgebung dieser Großstadt existenzfähig. Von den Städten entfernter liegende Kolonien werden Milchvieh für die Molkereien züchten, ferner Fleischvieh Erneuern Sie sofort Ihr Abonnement, da Sie sonst keine Garantie für die p unktlieh e Zustellung der Nummern haben. Es haben nur jene Abonnenten unseres Blattes Anspruch auf eine kostenlose Zustellung der HerzI-Geden kn ummer die mit der Einzahlung des Abonnementsbetrages nicht im Rückstände sind. — Die Herzl-Gedenknummer erscheint am 8. Juli d. J. Der Preis beträgt' für Nichtabonnenten: in Deutschland in allen übrigen u.Oesterr.-Ung. Ländern in einfacher Ausführung . . 0,60 M. 0,70 M. auf holzfreiem Papier, gebd. . 1,— „ 1,20 „ Den zionistischen Gruppen, Vertrauensmännern und Kolporteuren berechnen wir die Nummer in einfacher Ausführung bei Abnahme von 10 Exemplaren mit 25 50 100 in Deutschland in allen übrigen u.Oesterr-Ung. Ländern 5,50 M. 6,50 M. 13,50 „ 15,50 „ 25,— „ 28,— „ 45,— „ 50,- „ Der heutigen Nummer liegen Bestellkarten bei» die wir zu benutzen bitten. 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