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Die Welt · 1914-05-22 · 21 (22.5.1914) · p. 499

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
21 (22.5.1914)
Article
Probleme der Landwirtschaft in Palästina
Date
1914-05-22
Page
499 (sequence 1)
Language
German
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BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG Nr. 21 BERLIN, 22. Mal 1914 vrrbib “"Drin x 1"X V'J XVIII. JAHRG. Probleme der Landwirtschaft in Palästina Von Dr. M. Zagorodsky, Jaffa Die jüdische Kolonisation in Palästina ist bis jetzt nur langsam vorwärtsgegangen, nicht, weil die Juden schlechte Kolonisten wären, oder weil Palästina sich zur Kolonisation nicht eignete, sondern weil die Organisation der Kolonisationsarbeit noch keine gute ist. Früher bevorzugte man in Palästina bei der Anlegung von landwirtschaftlichen Betrieben den Getreidebau. Heute legt man das Schwergewicht auf die Anlage von Baumpflanzungen, und die Folge ist, daß fast alle Wirtschaften einseitig geworden sind. In einigen Kolonien, besonders in Samarien und Galiläa, wird fast nur Weizen angebaut, in anderen Kolonien findet man nur Pflanzungen. Die Erträge in den Getreidebau-Kolonien sind niedrig, da der Boden sehr erschöpft ist, und dieser Erschöpfung nur durch Stalldünger abgeholfen werden könnte, da chemischer Dünger die Beschaffenheit des schweren Bodens (und die meisten Getreideböden sind schwer) nur verschlimmert. Man müßte also in diesen Kolonien Viehzucht einführeh, um eine wesentliche Steigerung der Erträge zu erzielen. Aber auch die Erträge der Obstbaumplantagen sind schwankend, so daß die erfahrenen Kolonisten heute zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß, um die auf Pflanzungen basierenden Wirtschaften rentabel zu machen, auch bei ihnen die Einführung der Viehzucht Vorbedingung ist. Der Mangel an Nutzvieh hat sich auch sonst verderblich erwiesen: von einem rentablen Gemüsebau kann ohne Stalldünger nicht die Rede sein; die Ernährung der Kolonistenfamilien ist sehr mangelhaft, weil Milch, Butter und Käse nur selten in einer Kolonie anzutreffen sind. Das schlimmste ist aber, daß der Kolonist verhungern muß, wenn bei einer Mißernte die Felder und die Pflanzungen einmal versagen, weil er von all den anderen landwirtschaftlichen Nebenbetrieben keinen Nutzen ziehen kann. Es gibt keine Viehzucht, keine Molkereien, keinen Gemüsebau, keine Geflügelzucht und keine industriellen Betriebe. Nun sind aber alle landwirtschaftlichen Nebenbetriebe einzig und allein von der Viehzucht abhängig. Garten- und Gemüsebau kann gepflegt werden, sobald Stalldünger vorhanden ist. Wo eine größere Viehzucht vorhanden ist, ist ohne weiteres eine rentable Geflügelzucht möglich, weil sich das Geflügel von den Abfällen der Wirtschaft ernährt. Ehe übrigen landwirtschaftlichen Nebenbetriebe sind organisch mit der Viehzucht verbunden, — Molkereien, Brennereien, Oelpressen usw. Die Produkte der Viehzucht werden in diesen Betrieben verarbeitet, die Abfälle der Betriebe werden in der Viehzucht verwertet. Viele von unseren Kolonisten sind schon lange zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Viehzucht der Lebensnerv der Landwirtschaft ist. Sie sahen, daß die deutschen Kolonien Sarona und Wilhelma immer reicher werden und daß die einzige Quelle ihres Reichtums die Milch ist, die an die Juden in Jaffa und Jerusalem verkauft wird. Sarona baut aber gar keinen Weizen an, sondern Futter und Gemüse, und fast ebenso ist es in Wilhelma. Man sah die unglaublich hohen Preise, die für Molkereierzeugnisse in Palästina bezahlt werden (Milch kostet bis 40 Centimes pro Liter, Käse bis 1,50 Francs pro Kilogramm, Butter bis 6 Frcs. pro Kilogramm und ist einige Monate im Jahr überhaupt nicht zu haben); man verstand auch die Bedeutung der Milch für die Volksernährung, und doch machte man bis vor kurzem fast gar keine Versuche, die Viehzucht int Lande einzuführen. Verschiedene Ursachen wirkten hemmend, — zunächst der Mangel an Erfahrung, denn die Viehzucht war den meisten Kolonisten, die aus Städten stammten, unbekannt, und unsere ersten Kolonisten waren für neue Einführungen schwer zu haben. Dann schreckten — und das war das wichtige Hemmnis — die endemisch auftretenden Viehseuchen vor jedem neuen Versuche zurück. Nach jedem Vortrage in irgendeiner Kolonie über die Notwendigkeit der Einführung der Viehzucht wurde an den Redner die fatale Frage gestellt, welches Mittel er gegen die Pest habe. Es kam dazu, daß veterinär-medizinische Hilfe in ganz Palästina vollständig fehlte. Erst seit vier Jahren gibt es einen Tierarzt im Lande, der eine europäische Fachausbildung genossen hat. Infolgedessen ist auch von einer Viehversicherung keine Rede, denn welche Versicherungsgesellschaft wird in einem Lande arbeiten, wo die sanitären und veterinären Verhältnisse noch so primitiv sind. Diese traurige Lage hat sich erst in den letzten zwei Jahren, 1912 und 1913, gebessert, ln den Kolonien Judäas wurden vier Molkereien gegründet, eine vom Jüdischen Nationalfonds in Benschemen, eine auf Privatrechnung von Herrn J. L. Goldberg aus Wilna in Artuf, eine mit Hilfe einer Anleihe der A. P. C. in Ekron, und die vierte endlich ist ebenfalls unter Mithilfe der A. P. C. in Ein-Ganim im Entstehen begriffen.

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