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Die Welt · 1914-05-22 · 21 (22.5.1914) · p. 501

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
21 (22.5.1914)
Article
Probleme der Landwirtschaft in Palästina
Date
1914-05-22
Page
501 (sequence 3)
Language
German
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Mr. 2l and Arbeitsvieh. Solche Kolonien können auch Trockenkäse bereiten. Es wird jährlich in die asiatische Türkei mindestens für 1/4 Million Eres. Käse importiert und, wenigstens in Palästina, zu außerordentlich hohem Preise verkauft. Ich resümiere: Die Zukunft der jüdischen Kolonisation in Palästina ist von einer rationellen Viehzucht abhängig. Eine solche ist nur bei Schaffung eines Versicherungsfonds und eines Betriebskapitals für Molkereien möglich. Die Bereitstellung eines solchen Kapitals ist 501 für eine in Palästina arbeitende, kapitalkräftige Persönlichkeit oder Organisation von Vorteil, denn das Kapital wird sich verzinsen nud sich vergrößern, weil die Seuchen in Palästina im allgemeinen nur geringen Schaden anrichten. Durch ein Kapital von 100 000 Eres, wäre es möglich, unter Mithilfe der A. P. C. in vielen Kolonien Viehzucht zu treiben bzw. Molkereien einzurichten. Milchwirtschaft und Viehzucht wird die Kolonisation rentabel machen und eine Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse der Juden Palästinas mit sich bringen. UBER RADIKALISMUS UND OPPORTUNISMUS Von Dr. Oswald Es wurde in letzter Zeit vieles über diese Begriffe geschrieben und manches gute, wahre und tüchtige Wort hierbei gesagt. Wenn ich heute mit meinen Betrachtungen über das Thema nachgehumpelt komme, so geschieht es in dem Bewußtsein, daß die folgenden Auseinandersetzungen nur sehr wenig mit der Tendenz zu tun haben, die die bisherigen Darlegungen kennzeichnete. Dort hat es sich um eine Frage der Taktik, des Taktes, wenn man will, um moralische Prinzipien gehandelt. Vielleicht, daß auch ich hierauf zu sprechen kommen werde, doch vorerst gilt es, eine Klarlegung der Begriffe zu erzielen, gilt es, diese Begriffe als Erscheinungen, als Seinsarten zu erfassen, nicht als Prinzipien, als Tendenzen. Meine Fragestellung lautet also nicht: Sollen wir radikal oder sollen wir opportunistisch sein? Sie geht vielmehr dahin: Was ist das Wesen und die Bedeutung des Radikalismus einerseits, was andererseits die des Opportunismus? Welches sind die innerlichen Erscheinungsformen des einen und des anderen, was läßt radikal sein und was bewegt zum Opportunismus, welches sind die notwendigen Wirkungen des einen oder anderen Seins? Radikal sein, heißt nun dem Ursprung des Wortes nach: mit einer Sache verwurzelt sein, oder nach der Aktivität hin betrachtet: aus der Verwurzelung mit einer Idee oder Sache heraus handeln. Ist die Idee auf die Umgestaltung irgendwelcher Zustände gerichtet, so heißt sie dann radikal, wenn sie diese Zustände bei der Wurzel, bei ihrem Kernpunkt anfaßt, wenn sie das Mark der Dinge trifft. Das scheint mir das Wort Radikalismus in seiner Reinheit zu bedeuten, also subjektiv einen Verwurzelten, einen mit seiner Idee Einigen, in ihr sicher Ruhenden; objektiv eine Bewegung mit einem bestimmten, klaren, unabweisbaren Zielpunkt. So aufgefaßt, ist es unmöglich, Radikalismus mit dem zu identifizieren, was auf Parteimärkten als Dutzendware feilgeboten wird. Wer Seelenkenner ist, weiß sofort, daß es sich da um etwas Seltenes, Großes, weil Elementares handelt. In diesem Sinne kann jede Idee im Radikalismus gipfeln. Sie mag uns an und für sich noch so widerstreben, iuns ihrem Grunde oder Ziele nach feindlich sein; kommt sie wahrhaft radikal in einem Menschen oder in einer Bewegung zum Ausdruck, so wird uns ihre Grandiosität vielleicht um so mehr erschauern lassen, aber ihre Grandiosität wird sie für unseren Geist über ihren Zweck hinauswachsen lassen und ganz zu innerst unsere Anerkennung erringen, auch entgegen unseren Prinzipien, unseren eigensten Instinkten. Der Radikalismus trägt die Suggestion in sich, als subjektive wie als objektive Erscheinung. Von einer radikalen Natur geht eine Atmosphäre aus, die in alle Poren zu dringen scheint, alles in sich eintaucht, bannt, bezwingt: das große Rätsel der Persönlichkeit. Eine ähnliche Suggestivität liegt in der Bestimmtheit, die der radikalen Bewegung wesenhaft ist. Der weiß es, der Gelegenheit hatte, zu fühlen oder zu beobachten, wie jemand durch eine ganz einfache'Begleitbewegung seiner Hand, mit der er einen Gedanken verdeutlichen will und in die er die ganze Idee zu legen scheint, Löbl, Karlsbad wie er die Aufmerksamkeit, die Augen aller, ja ich möchte fast sagen, alle Sinne auf diese Handbewegung gebannt hält, bis die Linie beendet ist und er die Hand sinken läßt. Momentan ist sich dessen vielleicht niemand bewußt geworden, daß er im Banne einer Linie gestanden hat, die an sich durch nichts sich von anderen unterschied, sondern ihr Wesen durch ihre Bestimmtheit, durch das Ziel, dem sie unverrückbar zustrebte, erst erhielt. Aber es war hierzu auch die ganze Konzentration des Erklärenden notwendig, um der objektiven Erscheinung und Vereinheitlichung seiner Idee diese Gewalt zu verleihen (Radikalismus ist Vereinheitlichung, Einung). Was läßt uns radikal sein? Die Antwort auf diese Frageliegt eigentlich schon in der Definition des Begriffes als der Verwurzelung einer Idee, eines bestimmten Willens in einem Menschen. Eine Verwurzelung ist aber nur möglich durch Erlebnis. Die Idee muß zum Erlebnis werden, sie muß von uns Besitz ergreifen, wir müssen in sie untertauchen zu jener inneren Verwandlung, die jede wahrhaft große und neue, d. h. neu in uns eingegangene Idee an uns vollzieht. Das ist das klarste und erhebendste Zeugnis, daß die Verwurzelung der Idee in uns sich vollzogen hat, wenn sie uns gewandelt hat, wenn wir als neue Menschen aus ihr auferstehen, wenn wir uns durch sie, in ihr wie neugeboren fühlen. Die Welt, die Menschen um uns erhalten ein anderes Gesicht, weil wir sie mit neuen Augen betrachten. In Worten, wie „neue Welt-, neue Lebensanschauung*' sucht der Gewissenhafte dieses Unermeßbare, Neue zusammenzufassen, zu rubrizieren. Es wird denen, die dieses Wort „neue Weltanschauung“ als Ausdruck ihrer Neuwerdung stammeln, vielleicht schwer werden, es vor philosophischen Pedanten logisch zu rechtfertigen, in jedem einzelnen Fall den Nachweis für die Richtigkeit des Ausdrucks zu erbringen: nichts desto weniger ist das, was dieses „Schlagwort“ bezeichnet, so wahr und zu Recht bestehend wie nur etwas. Wer Augen hat zu sehen und Mensch ist, den Menschen zu erfühlen, der wird an der Festigkeit, an der Bestimmtheit, mit der der andere nun seinen Weg geht, im Leben dasteht, an der intuitiven Art, mit der sich ihm das Wesen der Dinge und Probleme zu enthüllen scheint, an der Unerschütterlichkeit seines Weges die Wandlung erkennen, die sich in ihm vollzogen hat Das ist etwas ganz anderes, als das Aufnehmen der schlagwortartigen Ideen, die heute fast täglich und hundertfach wie Raketen losgelassen werden, aber ebenso unproduktiv sind, ein bloßes vorüberhuschendes Augenspiel. Diese Eintagsfliegen von Ideen und ihre zeitweiligen Träger vermag man am Schillern, am Unbestand, an der Hast zu erkennen, mit der sie leben. Nicht die Verwurzelten, sondern die Entwurzelten sind ihre Träger, die von ihnen, mit ihnen Getragenen. Denn da ist nichts Aktives, alles ist vielmehr ein bloßes Geschehen, ein Mitsichgeschehenlassen. Und da ist nichts, was dieses Fließende, Zerfließende zusammenschließen

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