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Die Welt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Article
Mitteilungen des Hauptbureaus des jüdischen Nationalfonds in Köln
Date
1914-03-06
Page
248 (sequence 2)
Language
German
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nen läßt. Die Genossenschaft erzieht den städtischen jüdischen Arbeiter zur Landwirtschaft und, indem1 sie den ganzen Betrieb auf der Eigenarbeit der Genossen aufbaut, schafft sie den Gegensatz zwischen jüdischem Besitz und nichtjüdischer Arbeit aus der Welt. Die Genossenschaft vereinigt die technischen Vorteile des Großbetriebes mit "der Intensität der kleinbäuerlichen Bewirtschaftung und des Eigeninteresses. Die Genossenschaft, auf der Grundlage der Erbpacht beruhend, sichert dem Arbeiter den vollen Fruchtgenuß seiner Arbeit, ohne ihn, wie die philanthropische Methode, durch den Besitz zum Nutznießer fremder Arbeit werden zu lassen. Schließlich wird durch den genossenschaftlichen Zusammenschluß und die durch alle erwähnten Faktoren bewirkte höhere Ertragsfähigkeit der Wirtschaften die Rentabilität der palästinensischen landwirtschaftlichen Betriebe mit jüdischer Arbeit dargetan, und somit eine Kreditbasis für die Massensiedlung geschaffen. Diesen Zielen streben die nach den Vorschlägen des Vorkämpfers der genossenschaftlichen Siedlungen^ Dr. Franz Oppenheimer, begründete genossenschaftliche Kolonie in Merchawjah, sowie die auf anderem Wege entstandene Genossenschaft Dagania zu. Wie rasch sie sich diesen Zielen nähern werden, hängt von Faktoren ab, die der palästinensischen Landwirtschaft, sowie der Betriebsart der Genossenschaften eigentümlich sind. Es -wird vielfach übersehen, daß nicht nur unser Menschenmaterial einer mehrjährigen Vorbereitung und Ausbildung bedarf, ehe aus Städtern erfahrene Bauern werden können, sondern daß auch der palästinensische Boden eine mehrjährige Vorbereitungsperiode unbedingt nötig hat, um für europäische Siedler bewirtschaftungs- und ertragsfähig zu werden. Eine Erde, die durch Jahrtausende nach primitiver arabischer Art gepflügt wurde und jeder Düngung und Kraftzufuhr ermangelte, kann Arbeiter mit europäischen Bedürfnissen erst dann ernähren und europäische Erträge liefern, nachdem diese Erde durch längere Zeit eine europäische Pflege erfahren hat. Auch unsere Genossenschaften müssen durch dieses Okkupationsstadium hindurch gehen, das Investitionen erfordert, deren Rentabilität erst nach Jahren in die Erscheinung treten kann. Dazu kommt, daß die Genossenschaften in den ersten Jahren auf reinem Ackerbau basieren und zu intensiveren Anbau- und Pflanzungsarten nur allmählich übergehen können. Während sonst bei derartigen Unternehmungen der Boden in einem „bewirtschaftungsfähigen Zustande" zur Verfügung gestellt wird, war die Genossenschaft genötigt, einen noch nicht okkupierten und vorbereiteten Boden in dem freilich fruchtbaren Emek Isreel zu übernehmen und auf eigene Gefahr und Kosten in anbaufähigen Zustand zu bringen. Dies erklärt zur Genüge, daß die Genossenschaft größere Kapitalien erfordert, als ursprünglich angenommen worden war — eine Erscheinung, die überall in Palästina zu bemerken ist. wo Neuland, sei es durch private Gesellschaften, sei es 'durch nationale Institutionen in Besitz genommen wird. Bekanntlich hat die erste Agitationskampagne für den Genossenschaftsfonds die Summe von nahezu 150 000 Francs ergeben. Die bisherigen Erfahrungen haben jedoch gezeigt, daß dieser Betrag infolge der unvorhergesehenen Okkupationskosten nicht ausreicht, um eine Wirtschaft von dem Umfange und der modernen Betriebsanlage wie Merchawjah bis zur Ertragsfähigkeit auszugestalten. Der Nationalfonds war ferner genötigt, die ursprünglich von der Palestine Land Development Company auf Dagania gegründete Genossenschaft provisorisch zu übernehmen, um sie der Siedlungsgesellschaft, sobald diese über die nötigen Mittel verfügt, zu übergeben. Aus diesen Gründen haben die Nationalfondsverwaltung und die Siedlungsgesellschaft Erez-Israel beschlossen, die Propaganda für die Vermehrung des Genossenschaftskapitals wieder aufzunehmen. Zu diesem Zwecke wird eine Werbeaktion zunächst in den Ländern eingeleitet, die von der seinerzeitigen Agitation fast unberührt blieben. Es sind dies gerade Zentren, wo zwei Drittel unseres Volkes siedeln: Amerika und Rußland, und wo wir volles Verständnis für die Tragweite des Genossenschaftsgedankens zu finden hoffen. Für die Aktion in Amerika hat sich in entgegenkommender Weise der Initiator der genossenschaftlichen Kolonisation, Herr Dr. Franz Oppenheimer zur Verfügung gestellt, der am 26. Februar die Reise nach New York angetreten hat. Dr. Oppenheimer wird in den Vereinigten Staaten und wahrscheinlich auch in Canada bis Ende April bleiben. Die Kunde von der Hinkunft Oppenheimers hat bereits namhafte Fakultäten und wissenschaftliche Körperschaften veranlaßt, den bekannten Gelehrten aufzufordern, an diesen Instituten Vorträge über seine national-ökonomischen und soziologischen Anschauungen zu halten. Die amerikanische Presse hat auch schon dem berühmten Gast Begrüßungsartikel gewidmet, die einen herzlichen Empfang erwarten lassen. Es ist dies natürlich in einem Lande, wo ein Henry George gewirkt, und wo trotz unerhörter Reichtüm'er die Bödensperre alle verderblichen Auswüchse des Monopols gezeitigt hat. Wir selbst fühlen uns Herrn Dr. Oppenheimer zu ganz besonderem Danke dafür verpflichtet, daß er seine karg bemessene Zeit der Aktion für den Genossenschaftsfonds widmet, seinen wissenschaftlichen Ruf und seine glänzende Dialektik in den Dienst unserer Sache stellt. Es sei an dieser Stelle hervorgehoben, daß Herr Dr. Oppenheimer seinen bevorstehenden 50. Geburtstag fern von seinen Nächsten in Amerika feiern wird. Wir beglückwünschen ihn schon jetzt zu diesem Tage, der für alle Verehrer seiner Persönlichkeit einen freudigen Gedenktag bilden wird, und hoffen, daß es ihm vergönnt sein wird, die Früchte seiner mühevollen Lebensarbeit in Erez-Israel geerntet zu sehen. Soeben ist seine ausgezeichnete Schrift „Merhaviah“ in englischer und jiddischer Sprache in New- York erschienen. Diese Schrift vereinigt die klare Darstellung der wissenschaftlichen Voraussetzungen der genossenschaftlichen Siedlungsmethode mit einer hinreißenden Schilderung der Natur und des neuen Lebens in Palästina. Während die englische Ausgabe die Erneuerung der Propaganda in den Ländern englischer Zunge einleiten soll, ist die jiddische Ausgabe auch für Rußland bestimmt, wo die nötigen organisatorischen Maßnahmen für die Genossenschaftspropaganda in Vorbereitung sind. Wir hoffen zuversichtlich, daß in Rußland und Amerika, den Hauptländern der jüdischen Massensiedlung, die Erfolge der Agitation für den Genossenschaftsfonds es uns ermöglichen werden, die beiden auf verschiedener Basis aufgebauten, jedoch dem gleichen Ziele zustrebenden Genossenschaften in Merchawja und Dagania auszugestalten und zu sichern. Doch handelt es sich bei der Wiederaufnahme der Propaganda für den Genossenschaftsfonds nicht mehr um eine einmalige Aktion, sondern um eine dauernde Werbetätigkeit für einen der wichtigsten Zweige des Nationalfonds in allen Ländern. Dazu verpflichtet uns der Beschluß der Palästina-Kommission des letzten Kongresses in Wien. Nach diesem Beschluß soll der Genossenschaftsfonds nunmehr seine Tätigkeit auf die Förderung von Arbeitsgenossenschaften anderer Art, insbesondere der Okkupationsgenossenschaften ausdehnen. Die Okkupationsgenossenschaften in Palästina sind zwar nicht unbeeinflußt von der Propaganda für die Siedlungsgenossenschaft, aber doch aus der palästinensischen Praxis selbst hervorgegangen. . Es ist dies dieselbe Erscheinung wie in Italien, wo gleichfalls aus der Mitte der Arbeiterschaft Genossenschaften entstanden sind, die Okkupations- und Ameliorationsarbeiten großen Stils für Staat und Gemeinden und sodann auch' für den Großgrundbesitz um Hunderte von Millionen mit größtem Erfolge durchgeführt haben. Zehntausende von Hektaren Landes sind der "Kultur erschlossen worden, und es ist darum begreiflich, daß heute Staat und Privatgesellschaften darin Wetteifern, diese Genossenschaften mit dem erforderlichen Kapital für Inventar usw. zu versehen und ihnen immer größere Ländereien in Pacht geben. In Palästina haben bereits private Landgesellschaften erkannt, daß die Besitzergreifung und Sicherung neu erworbenen Landes am besten durch "Okkupationsgenossenschaften von jüdischen Arbeitern erfolgen kann. So wurden Dagania, Merchaviah, Hulda, Kfar-Uriah, Karkur usw. von Gruppen genossenschaftlich organisierter Arbeiter in Besitz genommen. Diese Form' der Okkupation ist die unerläßliche Voraussetzung für den Erwerb neuen Bodens in Palästina, da derselbe infolge der bekannten Verhältnisse nach dem Ankauf sofort unter den jüdischen Pflug genommen werden muß. Die volle Ausnützung dieser Okkupationsmethode wird jedoch durch Schwierigkeiten zweierlei Art gehemmt: Einerseits muß die Landerwerbsgesellschaft nicht nur die Mittel für den Bodenerwerb besitzen und der Genossenschaft die Löhne sichern, sowie das Risiko für die in der Vorbereitungsperiode unvermeidlichen Betriebsverluste tragen, sondern sie ist auch gezwungen, die Genossenschaften mit allem erforderlichen: toten und lebenden Inventar auszurüsten. Dazu reichen gewöhnlich die Mittel der Bodenkäufer in Palästina nicht aus. Anderseits hat diese Methode auch den Nachteil, daß sie die Genossenschaften in zu große Abhängigkeit von den Rodeneigentümem bringt. Während die Arbeiter in Italien zumeist eigenes Inventar, ja mitunter beträchtliches genossenschaftliches Vermögen besitzen, wodurch das Verantwortlichkeitsgefühl und die Verwaltungsfähigkeiten der Genossenschaftsmitglieder ungemein gesteigert werden, sind die palästinensischen Arbeiter in Ermangelung dieser Vorteile mehr Lohnarbeiter mit größerer oder geringerer Gewinnbeteiligung. Es würde sich nun darum handeln, den landwirtschaftlich ausgebildeten Arbeitern Palästinas durch Ausrüstung mit Inventar die Möglichkeit zu geben, jederzeit neu erworbenes

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