Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Article
- Mitteilungen des Hauptbureaus des jüdischen Nationalfonds in Köln
- Date
- 1914-03-06
- Page
- 247 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316625-3316635-3352539--59600-3352613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Jüdische Nationalfonds ist daxu bestimmt, in Palästina* Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen "Volkes ku enterben. Vom V. Zionistenkongreß im Jakre^l901 ^gestiftet, hoi er 'bereits jiie Sähe von circa 4 Millionen Mark erreicht. Zur gefl. Beachtung! Ab 12. März d. Js. befindet sich das Hauptbureau des J. N. F. Cöln, Hansahaus. Alle Sendungen sind zu adressieren: Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds, z. Hd. des Herrn Justizrat Dr. M J. Boden heim er, Cöln, Hansahaus, Friesenplatz. Die gesinnungsgenössischen Blätter werden um frdl. Abdruck dieser Notiz ersucht. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Das Ergebnis des Jahres 1913 II. Sammelmittel und Sammelzwecke des Jüdischen Nationalfonds Nach Sammelzwecken gruppiert, ergibt der Eingang für den Nationalfonds im Jahre 1913 für Landerwerb 482 000 Mark, für Arbeiterheimstätten 234000 M. und für die Baumspende 95000 M. Gesamt- Gesamtj Gesamt¬ Sammelmittel ei9?3 ei9?2 i ertrag? 1911 ~ M M M Allgemeine Spenden. 160 319 162 960 195 042 Selbstbesteuerung. 10 579 10 447 9 329 Sammelbogen. 9 677 13 273 13 051 Sammelbüchsen. 133 418 104 545 87 415 Goldenes Buch. 100 018 83 700 84 570 N.-f- Marken. 30 954 28195 Telegrammformulare. 5130 5 876 5 377 Baumspende. 95 131 93 189 80 919 Landspenden . 27 673 38 395 26 559 Arbeiterheimstätten. 225 210 36 471 David u. Fanny Wolffsohn-Stiftg 9 010 10 940 2 990 Von einer Besprechung der einzelnen Sammelmittel wollen wir diesmal absehen, da wir es in diesem Augenblick für wichtgier halten, die Spenden zwecke des Nationalfonds einmal ausführlich in den Vordergrund unserer Betrachtungen zu rücken. In der Kundgebung des Hauptbureaus an die Vertrauensmänner und Freunde des Nationalfonds in Nr. 7 der „Welt“ haben wir -darauf hingewiesen, daß die Arbeit des Nationalfonds in Palästina vier Gebiete umfaßt: 1. Erwerb von Grund und Boden, 2. Bepflanzung der Nationalfondsländereien aus den Mitteln der Baümspende, 3. Schaffung von Arbeiterheimstätten und 4. Gründung und Förderung von Siedlungs- und Okkupationsgenossenschaften. Heute erscheint es uns von besonderer Aktualität, das letzterwähnte Gebiet einer eingehenderen Besprechung zu unterziehen, obwohl, oder richtiger, weil dieser Spendenzweig in den letzten Jahren in unseren Rubriken nicht mehr figuriert hat. Es ist dies: Der Genossenschaftsfonds. Im Jahrbuch der deutschen Bodenreform berichtet Adolf Damaschke, daß die deutsche Ansiedlungs-Kommission es so weit gebracht hat, daß ungefähr in jede»- Woche ein neuedeutsches Dorf in den Ostmarken entsteht. Dieses Resultat konnte die deutsche Ansiedlungs-Kommission erreichen, weil sie über Hunderte von Millionen verfügt, die der Staat vom reichen deutschen Volke im Wege der Zwangssteuer erhebt, und weil sie überdies über ein Kolonisationsmaterial verfügt, das sich aus Landarbeitern und Bauern zusammensetzt, die durch Generationen in der Landwirtschaft tätig sind. Wenn wir mit Hilfe des jüdischen Volksschatzes es gleichfalls dahin bringen, daß im Laufe eines Jahres in Palästina 50 neue Dörfer ins Leben gerufen werden, dann würden wir kaum die landwirtschaftliche Grundlage für den Bevölkerungszuwachs der osteuropäischen Judenheit geschaffen haben. Vergegenwärtigt man sich diese Tatsache, dann begreift man, vor welche gewaltige Aufgabe der jüdische Nationalfonds gestellt ist, und daß er dieser Aufgabe nur dann gewachsen sein wird, wenn die bisherigen „Spenden“ für den Jüdischen Nationalfonds den Charakter einer freiwilligen, aber umfassenden Volksbesteuerung in weitestem Sinne dieses Wortes erhalten werden. Man könnte einwenden, daß Land-Erwerbung und -Besiedelung ja nicht allein Aufgabe des Nationalfonds seien, daß Vielmehr der privatwirtschaftlichen Initiative der weiteste Spielraum bleibt. Man hört sogar mitunter die Meinung, daß der Privatinitiative die Hauptrolle auf dem Gebiete des Bodenkaufes zufalle. Wir verkennen nicht die Bedeutung des privatwirtschaftlichen Erwerbsdranges, der große Kapitalien in kurzer Zeit ins Land bringen kann. Der Nationalfonds hat selbst viel dazu beigetragen, die Privatinitiative in Stadt und Land zu wecken und zu fördern: Häuser-Baukredite für Tel-Awiw usw., langfristige Darlehen an die Palestine Land Development Company und an private Pflanzer in den Kolonien ergeben die stattliche Summe von nahezu einer Million Francs, also etwa ein Viertel seiner im Lande .investierten Mittel. Was aber bei Beurteilung der Privatinitiative vielfach übersehen wird, ist die Tatsache, daß das Privatinteresse nicht immer mit dem volkswirtschaftlichen und nationalen Interessen identisch ist. Die Privatinitiative und die Philanthropie haben wohl den jüdischen Besitz in Palästina vermehrt, bisher es aber nicht vermocht, eine Basis für Heranbildung und Heranziehung der besitzlosen Juden zu schaffen, die in erster Linie für eine .Massensiedlung in Betracht kommen. Dieser Begleiterscheinung des Besitzes ist nicht durch Appelle an die ethischen und nationalen Pflichten der Privatunternehmer abzuhelfen, sondern durch positives Eingreifen eines Kolonisationsfaktors, der von wirtschaftlichen und nationalen Gesichtspunkten geleitet ist. Bei Völkern, die in normalen Verhältnissen leben, obliegt diese Aufgabe dem Staate; beim jüdischen Volke kann sie nur von dem Nationalfonds und den ihm angegliederten Fonds erfüllt werden. Von dieser Erkenntnis geleitet, hat die höchste zionistische Körperschaft. der Kongreß, in Hamburg beschlossen, die genossenschaftliche Kolonisation in seinen Tätigkeitsbereich aufzunehmen, um hierdurch eine Lösung des schwierigsten Problems anzubahnen. Es würde zu weit führen, hier alle Gründe aufzuzählen, die die genossenschaftliche Kolonisationsmethode allen anderen Versuchen, Besitzlose anzusiedlen, überlegen ersehe!-