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Die Welt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. 232

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Article
Die Sitzung des großen Actions-Comités
Date
1914-03-06
Page
232 (sequence 4)
Language
German
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232 Nr. 10 DIE^ELT und Entwicklung unseres nationalen Schulwerks in Palästina und fordert die Zionistische Organisation zu weiterer energischer Förderung dieser Tätigkeit auf. Die Sitzung des Actions-Comites wurde Sonnabend, um 7 Uhr, fortgesetzt. Auf der Tagesordnung stand die Frage des Bodenerwerbs und Agrarkredits in Palästina. Die Grundlage der Debatte bildete ein ausführliches Expose, welches die verschiedenen vorhandenen Möglichkeiten behandelte, ln den letzten Jahren sind bekanntlich einige Konzessionen für die Gründung von Agrarbankinstituten erteilt worden, und es war möglich, eine dieser Konzessionen zu realisieren. Vorläufig genügen aber die gesetzlichen Unterlagen für eine solche Gründung noch immer nicht, um eine ersprießliche Arbeit zu garantieren. Das provisorische Gesetz vom vorigen Jahre hat zwar Erleichterungen geschaffen, die sich aber hauptsächlich auf städtischen Immobiliarbesitz beziehen. Ferner wurde die Notwendigkeit und Möglichkeit eines gesteigerten Verkaufs von Shares der A. P. C. erwogen, um auf diese Weise die Schaffung einer Abteilung für langfristige Kreditgeschäfte bei der A. P. C. zu ermöglichen. Obwohl von verschiedenen Rednern die Möglichkeit eines erhöhten Aktienverkaufs anerkannt wurde, drang die Ansicht durch, daß die Verquickung von langfristiger Bodenkreditgewährung mit den bisherigen geschäftlichen Unternehmungen der Bank sich nur schwer vereinigen lasse, und daß die Bank überdies das durch den Verkauf neuer Shares gewonnene Kapital für ihre kommerziellen Transaktionen notwendig brauche. Die Organisation werde in jedem Falle eine Kapitalwerbung für die A. P. C. einleiten müssen, allerdings nicht in diesem Augenblicke. Nachdrücklich wurde von mehreren Rednern die Notwendigkeit der Ergänzung des Kapitals der P. L. D. C. bis zur vorausgesehenen Höhe von 50 000 £ betont. Die P. L. D. C. hat, nachdem sie in der ersten Zeit durch einige Versuche kolonisatorischer Natur Verluste gehabt hat, sich seither auf das Gebiet ihrer eigentlichen Tätigkeit, Kauf und Verkauf von Boden, beschränkt, und hat nach Ansicht aller Kenner unseres Kolonisationswerkes auf diesem Gebiet mit gutem Erfolg gearbeitet. Die P. L. D. C. hätte im vollen Besitze ihres autorisierten Kapitals viel ausgedehntere Operationen unternehmen können und hätte überdies den Käufern günstigere Zahlungsbedingungen gewähren können. Die Erörterung der Frage, ob durch die große Inanspruchnahme unserer Freunde für das Schulwerk die Werbungsmöglichkeiten für andere Zwecke verringert worden seien, hatte das Ergebnis, daß ausnahmslos anerkannt wurde, daß durch die Aktion für unser Schulwerk neue Kreise gewonnen seien und die Leistungsfähigkeit dementsprechend bedeutend gestiegen sei. Es könne höchstens die Rede davon sein, daß die übrigen Sammlungen einen kurzen Aufschub erleiden, bis die Aktion für das Schulwerk in regelmäßige Bahnen geleitet sein wird. In der Debatte sprachen die Herren Dr. Heymann, Ingenieur Kaplansky, Idelsohn, Fischer, Dr. Levin, Ussischkin, Sokolow, Dr. Jacobson, Chasanowitsch, Justizrat Bodenheimer, Podlischewski, Oberingenieur Stricker, Prof. Warburg, Motzkin, Simon, Rosoff. Zum Schluß wurde nahezu einstimmig folgender Beschluß gefaßt: „Das Große Actions-Comite beauftragt das Engere Actions-Comite, eine großzügige und planmäßige Aktion zur Ergänzung des Kapitals der Palestine Land Development Company einzuleiten und den geeigneten Zeitpunkt für diese Aktion zu bestimmen.“ Am Sonntag, den 1. März, tagte das Actions-Comite von morgens 10 Uhr bis 1 Uhr nachts mit zwei kurzen Pausen. Zuerst tagte das Actions-Comite als vorbereitendes Komitee der Universität. Die Herren Dr. Schmarja Levin und Prof. Ch. Weizmann erstatteten Berichte über die Anträge und die bisherige Tätigkeit des Arbeitsausschusses. Einzelne Punkte der Anträge wurden einer sehr eingehenden Beratung unterzogen. Es Wurden die Richtlinien für die weitere Tätigkeit festgestellt. U. a. wurde beschlossen, mit den Sammlungen von Mitteln für die Universität zu beginnen, wobei, wenigstens für die erste Zeit, nicht kleine Spenden in Form von Volkssammlungen anzustreben sind, sondern wohlhabende Kreise, Gemeinden und dergt. herangezogen werden sollen. Es wurde ferner beschlossen, mit der Sammlung von Büchern für die zukünftige Universitätsbibliothek zu beginnen. Um die Arbeit in einzelnen Ländern, besonders mit größerer jüdischer Bevölkerung, zweckmäßig leiten zu können, wurde die Gründung von Landeskomitees mit kleinen Arbeitsausschüssen beschlossen. Der erste Versuch wird in Rußland gemacht. Herr W. Jabotinsky ist in das vorbereitende Komitee und von demselben in den Arbeitsausschuß kooptiert worden. Den zweiten Teil der Beratungen dieses Tages bildete die Frage der Organisation unseres neuen Schulwerks in Palästina. Die am Freitag eingesetzte Schulkommission hat nach langen Beratungen, in denen die Frage der zweckentsprechenden Vereinigung unseres Schulwerks mit dem des Odessaer Komitees einen wesentlichen Teil bildete, eine Reihe von Anträgen formuliert, die dem Großen A. C. im Namen der Kommission von Dr. Hantke vorgetragen wurden. An der Debatte beteiligten sich viele Mitglieder des Actions- Comites. Als Grundlagen für die Schaffung des neuen Schulwesens in Palästina wurden folgende Prinzipien angenommen: 1. Selbständigkeit des palästinensischen Jischub in Schulangelegenheiten unter Beteiligung derjenigen Organisationen, die für das Schulwesen arbeiten. 2. Zusammenarbeiten der Zionistischen Organisation auf diesem Gebiete mit denjenigen, die Hebräisch als alleinige Unterrichtssprache akzeptieren. Für die neuen, von der Zionistischen Organisation gegründeten Schulen werden folgende provisorische Bestimmungen, die bis zum nächsten Kongreß Geltung haben, angenommen : 1. ln Palästina wird zur Leitung und Verwaltung der Schulen ein Schulkomitee eingesetzt. Die näheren Details der Zusammensetzung dieses Komitees werden nächstens auf Grund der vom Großen Actions-Comite angenommenen zwei Modalitäten vom E. A. C., nach Meinungsaustausch mit dem Odessaer Komitee, sowie unseren Vertretern in Palästina endgültig festgestellt werden. Das Schulkomitee setzt für einzelne Gebiete seiner Tätigkeit Ausschüsse ein, in denen auch der Merkas Hamorim und die Bevölkerung vertreten sind. 3. ln Palästina wird ein Schulverein gegründet, der Zweigvereine in Palästina und der übrigen Türkei gründen darf. Er nimmt Jahresbeiträge und Spenden entgegen, soll aber keine Sammlungen in der Diaspora veranstalten. 4. In den Schulen wird obligatorisches Schulgeld eingeführt, doch ist eine gewisse Zahl von Freiplätzen zu schaffen. 5. Die Sammlungen für das Schulwerk werden bis auf weiteres von der Zionistischen Organisation in der jetzigen Form fortgeführt. 6. Das E. A. C. wird die Frage der endgültigen Form und Sicherung des Schulwerks einer neueren Prüfung unterziehen und dem Actions-Comite Bericht erstatten. Im Anschluß an diese Debatte wurde vom Actions-Comite mit Befriedigung die Mitteilung des Direktoriums des Kedem entgegengenommen, wonach dieses beschlossen hat, die Frage der Sicherung und der Erweiterung der Nationalbibliothek in Jerusalem in sein Tätigkeitsgebiet einzuschließen. Die am vorigen Tage eingesetzte Budgetkommission, bestehend aus den Herren Fischer, Rosoff, Simon und Stricker, hat inzwischen das Budget des E. A. C. einer näheren Prüfung unterzogen. Herr Simon erstattete dem Großen A. C. darüber Bericht. Zum Schluß wurden noch die Teilnehmer der verschiedenen Teile der Zweckrevision vom Actions-Comite festgestellt. Die Zweckrevision soll im Frühling stattfinden. In seiner Schlußrede weist Dr. Tschlenow darauf hin, daß die Sitzung zu den bedeutendsten Actions-Comite-Sitzungen überhaupt gehöre. Er betont, daß diese Tagung und die vorangegangenen Ereignisse unsere Organisation viel enger mit Palästina verbunden haben, und wendet sich „in der Sprache, für die wir gekämpft haben“, an die Vertreter Palästinas. „Weder Sie noch wir haben den Kampf angestrebt, doch als er uns aufgezwungen wurde, haben wir ihn mit Mut und Freude aufgenommen, weil wir uns dessen bewußt waren, daß wir für ein großes Volksideal kämpfen. Daß Sie, ohne viel nachzudenken und zu rechnen, sich wie e! n Mann erhoben haben, als Sie die Gef ah r^ die unserer nationalen Sprache drohte, erblickt hatten, hat uns mit Stolz Und Freude für

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