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Die Welt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. 233

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Article
Die Sitzung des großen Actions-Comités
Date
1914-03-06
Page
233 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 233 das neue Palästina erfüllt und unsere Aufgabe hier erleichtert. Der Kampf ist mit Erfolg ausgefochten. Wir kehren nun zur friedlichen, schaffenden Arbeit zurück, und wir werden auch sie mit Ihnen Schulter an Schulter dort wie hier leisten. In Schmerz 'und Liebe hat. unsere Organisation ein Kind geboren, das neue hebräische Schulwerk. Sein Schicksal liegt jetzt in unseren und hauptsächlich in Ihren Händen. Wir werden unsere Pflicht bis zu Ende treu erfüllen, bis Palästina imstande ist, die Schulen für seine Kinder frei und selbständig verwalten und unterhalten zu können. Das wird nicht lange dauern, denn, wo Palästina und die Diaspora sich so eng in Arbeit und Liebe für die Ideale des Volkes vereinigen, gibt es keine unüberwindlichen Schwierigkeiten.“ Dr. Bodenheimer dankt im Namen der Teilnehmer dem E. A. C. und hebt hervor, daß der Kampf die Leistungsfähigkeit der Organisation nicht geschwächt, sondern gesteigert habe. Als letzter ergreift David Je 11 in das Wort. Er lehnt den Dank ab, den man ihm und den Palästinensern gezollt hat. Aus innerer Notwendigkeit haben sie alles getan, sie haben gehandelt, weil sie nicht anders konnten, und solches Tun bedarf nicht des Dankes. Er erklärt, daß die Organisation in Palästina die Herzen erobert habe und daß sie in Erez Israel auch zahlreiche neue Anhänger gefunden habe. Jellins Worte werden mit starkem Beifall aufgenommen. Darauf schließt der Vorsitzende die Sitzung. Vom Wesen der Nation J e 11 i n e k, Allgemeine Staatslehre, S. 110 ff. (G e k ü r z t.) Das Wesen einer Nation festzustellen, gehört, wie alles Fixieren von Erscheinungen, die in den ununterbrochenen Fluß des geschichtlichen Geschehens gestellt sind, zu den schwierigsten wissenschaftlichen Aufgaben. Es läßt sich nämlich kein feststehendes, für alle Nationen passendes Merkmal angeben. Nicht die natürliche Stammesgemeinschaft, da alle modernen Nationen aus verschiedenen Stämmen zusammengesetzt sind. Auch die Sprache bietet kein sicheres Unterscheidungsmerkmal der Nationen. Die Religion ist heute nicht mehr Nationalreligion. Der Staat ist ebenfalls kein notwendiges Element der Nation. Ist es demnach unmöglich, ein einziges sicheres, objektives Kriterium der Nation anzugeben, so kann ein solches auch nicht durch eine feststehende Kombination mehrerer Elemente gefunden werden. Daraus ergibt sich, daß die Nation nichts Objektives im Sinne des äußerlich Existierenden ist. Nation ist vielmehr etwas wesentlich Subjektives, d. h. das Merkmal eines bestimmten Bewußtseinsinhalts. Eine Vielheit von Menschen, die durch eine Vielheit gemeinsamer, eigentümlicher Kulturelemente und eine gemeinsame geschichtliche Vergangenheit sich geeinigt und dadurch von anderen unterschieden weiß, bildet eine Nation. Die objektive, durch gemeinsame Abstammung begründete Gemeinsamkeit einer Vielheit, die Rassen- oder Stammeseinheit ist so alt, wie die historische Erinnerung zurückreicht, und weit darüber hinaus. Die subjektive Einheit der Nation hingegen ist ihrer Natur nach ein Produkt höherer Kultur und tritt daher, obwohl schon längst im Keime vorhanden, in voller Stärke erst in neuester Das Wesen der Nation ist dynamischer Natur. Ein Volk kann in größerem oder geringerem Grade Nation sein, d. h. je geringer das Gefühl der kulturellen Zusammengehörigkeit ist, desto weniger ist die Nation ausgeprägt; je größer die Zahl und je bedeutungsvoller die Art der einigenden Kulturelemente, desto stärker und inniger wird das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit in einer nationalen Gruppe. Daher kann auch der einzelne in höherem oder minderem Grade sich als Glied einer Nation betrachten gemäß dem Umfang und der Intensität der nationalen Kulturelemente, die auf ihn eingewirkt haben. Je höher die eigenartige Kultur eines Volkes steigt, je reicher die seine Glieder verbindenden geschichtlichen Vorgänge sind, desto entwickelter auch die Nation, die deshalb auf niederer Kulturstufe keinen Platz findet. AUSBUCKE Von Schmarja Levin Der Sturm ist vorbei, die Wogen haben sich gelegt. Noch wäre es verfrüht, Rückschau zu halten und das Resultat genau zu erwägen. Doch eines steht fest: Wie manchmal nach dem Sturm die See uns mit köstlichen Perlen beschenkt, so haben wir jetzt in Palästina ein neues Netz von Schulen, die der weiteren Entwickelung der palästinensischen Jugend ein bestimmtes, unseren Wünschen entsprechendes Gepräge verleihen werden. Wie die Perlen nicht vom Sturm gebildet, sondern nur durch ihn aus der Tiefe zum Licht gehoben werden, so können auch die neu geschaffenen Schulen nicht etwa als das Produkt des Sturmes angesprochen werden. Sie sind das natürliche Erzeugnis der ganzen palästinensischen Entwickelung der letzten Jahrzehnte. Ein gesundes Leben muß von einem einheitlichen Gedanken getragen werden. Die Schule kann nur das Haus ergänzen. Die Pflüger und die Schüler müssen sich in den Zukunftsidealen eins fühlen, sonst sind hemmende Konflikte unvermeidlich, und die normale Entwickelung des Ganzen muß darunter leiden. Das Feld und der Weinberg sollen auf ihre Weise dasselbe erzählen wie der Lehrer und das Buch. Der Knabe, der zum Jüngling reift, muß sich als Glied des Ganzen fühlen, als der, der berufen ist, mitzuarbeiten und mitzuhelfen, damit die Wünsche der Gesamtheit Erfüllung finden. Die Ideen sind abstrakt, die Symbole sind konkret. Deswegen treten diese in den Vordergrund, wenn es sich um einen Kampf handelt. Das Regiment ist geschlagen, wenn seine Fahne ihm entrissen wird. Auch in diesem palästinensischen Konflikt drehte sich alles um die Frage der Unterrichtssprache. In Wahrheit aber handelt es sich um ein noch viel Größeres, Tieferes, Wertvolleres: um den inneren Charakter der Schulen. Die Einheit der Sprache soll nur symbolisch die Einheit der Bildung und Erziehung dartun. Nicht nur eine Erziehung in der hebräischen Sprache, sondern eine hebräische Erziehung überhaupt verlangt das neue Palästina, eine hebräische Erziehung im Einklang mit der hebräischen Vergangenheit des Volkes und mit einer hebräischen Zukunft. Der Begriff hebräisch hat in der Diaspora eine ausschließlich sprachliche Bedeutung angenommen. Gegen diese Verengung des Begriffes und für die Herstellung seines ursprünglichen Sinnes ringt das neue Palästina. „Gott der Hebräer", „Volk der Hebräer", „Land der Hebräer". Nicht die Sprache allein verleiht Kraft und Inhalt. Hier handelt es sich um eine ganze Welt, tief und weit, ohne Anfang und ohne Ende. Die historische Heiligkeit allein ist unzulänglich, denn sie ist nur aufgespeicherte, konservierte Heiligkeit. Sie erhält erst ihre Kraft, wenn sie wieder das Fundament heiliger Zukunft wird. Erinnerungen, die nicht die Gegenwart befruchten, ruhen auf dem Friedhof der Geschichte und wecken in uns nur Gefühle der Pietät. Die Pietät allein liefert aber nicht die Steine für den Bau der Zukunft. Dazu gehört der innere Drang nach neuem Schaffen, nicht die Anbetung, sondern die Wiederherstellung und Neubelebung des Großen und Schönen, der ganzen Eigenart unserer Vergangenheit. Unsere Organisation hat sich im Kampf glänzend bewährt. Sie hat einen Opfermut offenbart, der der Erhabenheit des Zieles würdig ist. Von verschiedenen Seiten zur Zielscheibe unberechtigter Angriffe gemacht, reagierte sie durch die intensivere Betonung ihres Willens und die gesteigerte Bereitwilligkeit, der hebräischen Sprache den ihr gebührenden Platz in Palästina einzuräumen. Jetzt handelt es sich um ruhige, besonnene Arbeit für den weiteren Ausbau der neu geschaffenen

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