Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Article
- Die Sitzung des großen Actions-Comités
- Date
- 1914-03-06
- Page
- 231 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10 DIE 231 Erfolgen zu führen. Man hat zionistischerseits bei den letzten Unterhandlungen die Personenfrage überhaupt ausgeschieden und sich vollständig auf die sachlichen Forderungen konzentriert. Nicht alles konnte durchgesetzt werden, dennoch darf behauptet werden, daß die neuen Beschlüsse, zusammen mit dem festen Willen Palästinas und der beständigen Kontrolle der zionistischen Vertreter, die jetzt zum ersten Male offiziell als solche ins Kuratorium eintreten, die Hebraisierung des Technikums sichern werden. Die neue Zusammensetzung des geschäftsführenden Ausschusses wird auch gewiß das ihrige dazu beitragen. Damit dürfte dieser wichtige und komplizierte Streitpunkt glücklich beseitigt sein. Hl. Palästina-Arbeit. Dr. Ruppin hat nach der letzten Sitzung des Großen Actions-Comites noch einige Städte Rußlands besucht, wo es ihm gelungen ist, weitere Pflanzungsgesellschaften zu gründen. Diese Idee findet immer mehr Anhänger in Rußland und Amerika. Das Palästina-Amt ist daher ersucht worden, eine spezielle Broschüre hierfür auszuarbeiten. Allmählich verwirklicht sich die schon voriges Mal betonte Notwendigkeit, den Beamtenstab des Palästina-Amtes zu vergrößern. Außer zwei jüngeren Kräften aus Deutschland ist insbesondere Herr Agronom Oettinger neu gewonnen worden, eine in kolonisatorischen Dingen erfahrene Kraft. Er wird die Aufgaben eines landwirtschaftlichen Inspektors der Siedlungen und Besitzungen, wie auch eines Beraters bei Käufen und Unternehmungen zu erfüllen haben. Ueber die Fortschritte des jüdischen Kolonisationswerkes hat sich Baron Rothschild, wie das Palästina-Amt mitteilt, wiederholt sehr befriedigend ausgesprochen. An die Reise des Baron Rothschild knüpft die Bewegung freudige Erwartungen für die weitere Entwicklung des palästinensischen Siedlungswerkes. Von den Erscheinungen des inneren jüdischen Lebens in Palästina sei hier besonders die Organisierung der judäischen und südgaliläischen Kolonien erwähnt. Den Anlaß gaben verschiedene in der letzten Zeit vorgekommene Zwischenfälle, bei denen es klar wurde, daß, angesichts des schwachen Schutzes seitens der örtlichen Behörden, eine Organisation der Kolonien unaufschiebbar ist. Wenn die jetzigen Versuche, die auf realen Interessen der Kolonien basieren, gelingen, wird vielleicht auf diese Weise der Anfang zu einer allgemeinen Organisation unserer Kräfte im Lande geschaffen werden können. Die beiden schon gebildeten Gruppen, in Südgaliläa und Judäa, haben nicht genug Mittel, um allein die notwendigen Ausgaben tragen zu können. Wir werden im Verein mit unseren Institutionen diesen jungen Vereinigungen unsere Unterstützung leihen müssen. Dr. Tschlenow geht dann auf die Fragen der zionistischen Politik ein und behandelt einige schwebende Angelegenheiten. IV. Universität. Gemäß den Wünschen und Ansichten, die in der letzten Sitzung des Actions-Comites entwickelt wurden, haben inzwischen in erster Linie Sondierungsversuche bei einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten stattgefunden, die auf ein lebhaftes Interesse gestoßen sind, und überdies den Erfolg hatten, bisher abseits stehende Persönlichkeiten für das Universitätsprojekt günstig zu stimmen. Nach der jetzigen Sitzung des vorbereitenden Komitees werden die Geldsammlungen nunmehr mit der nötigen Energie aufgenommen werden können. — Es wird ferner beabsichtigt, in nächster Zeit auch mit der Sammlung von Büchern für die zukünftige Universitätsbibliothek zu beginnen. Hierbei ist die Organisation in der günstigen Lage, diese schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe einem Fachmann wie Dr. Heinrich Loewe, Berlin, anvertrauen zu können. — Bei der Technikumsfrage hat sich gezeigt, wie notwendig es ist, rechtzeitig an die Schaffung des nötigen Unterrichtsmaterials zu denken. Die „Welt" hat bereits über die Gründung des Verlages „Mado“ in Moskau, der sich mit der Herstellung von hebräischen Lehrbüchern befassen wird, eine Notiz gebracht. V. Derjüdische Kulturfonds „Kede m". Die Eingänge des „Kedem" erreichten in den wenigen Monaten seiner Tätigkeit die Höhe von ca. 15 000 Frcs. Der „Kedem" entwickelt sich allmählich. Er hat für das laufende Jahr bereits einige Subventionen für kulturelle Zwecke in Palästina bewilligt, darunter 3000 Frcs. für den Waad Halaschon und 2600 Frcs. für die Haifaer Schule. Der Vorsitzende des Direktoriums, Herr Feldstein, hat, besonders in Warschau, eine energische Tätigkeit zugunsten unseres neuen Schulwerks entwickelt. Für die Zukunft hat der „Kedem" verschiedene Pläne, unter denen wir das Projekt der Sicherung unserer Nationalbibliothek in Jerusalem hier erwähnen VI. Organisation und Propaganda. Seit der Sitzung des Actions-Comites haben eine Reihe von Delegiertentagen stattgefunden. Auf den meisten von ihnen war das E. A. C. persönlich vertreten, auf einigen durch Mitglieder des Großen A. C. Die Herren Sokolow und Dr. Levin haben ausgedehnte Propagandareisen durch Oesterreich-Ungarn und Deutschland gemacht, Herr Sokolow besuchte auch Warschau. Hervorzuheben ist ferner die agitatorische Leistung der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“, die gegen den bekannten Annoncenangriff des „Antizionistischen Komitees" in einem Zeitraum von 14 Tagen über SO Protestversammlungen in fast ebenso vielen Städten veranstalten konnte! Die Sonderverbände „Misrachi" und „P o a 1 e - Z i o n“ machen Anstrengungen, ihre Propagandatätigkeit auszudehnen. Mit Vertretern der „Poale-Zion" fand vor kurzem in Berlin eine Besprechung in dieser Sache statt; der „Misrachi" hat seinen Sekretär, Herrn Berlin, nach Amerika geschickt, der über gute Ergebnisse seiner dortigen Tätigkeit berichtet. Befriedigende Nachrichten sind auch von Herrn Kretschmar, der in Südafrika für den Zentralfonds und die P. L. D. C. arbeitet, eingetroffen. Der Sekretär des E. A. C., Herr Dr. M. Geyer, der in den letzten Wochen in Galizien tätig war, hat sich jetzt für eine längere Tournee nach Rumänien begeben; Dr. Bernstein besuchte einige Städte Russisch-Polens. Sodann sprach der Referent über die Frage des Bodenkredits und Bodenerwerbs und über das Budget des E. A. C. Im Anschluß an das mit großem Beifall aufgenommene Referat berichteten die palästinensischen Vertreter, Dr. Lurie, Jaffa, David Jellin, Jerusalem, und Pewsner, Haifa, über den Schulkampf in Palästina. Sie berichteten nicht nur über den Verlauf des Kampfes in diesen drei wichtigsten Städten des Landes, sondern legten den Schwerpunkt ihrer Darstellung auf die inneren Gründe, die mit Notwendigkeit die Ereignisse der letzten Monate herbeigeführt haben. Die Referenten konnten überzeugend nachvveisen, daß schon seit einigen Jahren eine wachsende Mißstimmung gegen die Schulpolitik des Hilfsvereins bestanden hat, weil die verantwortlichen Stellen des Hilfsvereins in Palästina sich im Laufe der Jahre als ein Hemmnis für die Entwicklung der hebräischen Sprache und des hebräischen Geistes erwiesen haben. Was den Verlauf des Kampfes der letzten Monate angeht, so bestätigten alle Referenten, daß er bei aller Entschiedenheit in der Sache maßvoll in der Form gewesen ist. Gelegentlich hat die leidenschaftliche Begeisterung einzelne zu Handlungen verleitet, die über das erlaubte Maß hinausgegangen sind. Es hat sich jedoch immer nur um bedeutungslose Einzelvorgänge gehandelt. Die Reden klangen darin aus, daß das ganze nationale Judentum Palästinas mit voller Einheitlichkeit und Entschlossenheit zusammenstehe und alles daran setzen wolle, um den Sieg der hebräischen Sprache zu erkämpfen. In der sich an die Berichte anschließenden Diskussion sprachen fast sämtliche Mitglieder des Actions-Comites. Alle Redner erklärten sich mit der Politik des E. A. C. einverstanden. Es wurde ein Schulausschuß, bestehend aus einem Mitglied des E. A. C., den drei palästinensischen Vertretern und den Herren Ussischkin, Rosow, J. Goldberg, Podlischewski und Motzkin, gewählt, der seine Arbeiten schon aufgenommen hat. Die Diskussion schloß mit der Annahme folgender einstimmig angenommenen Resolution: Nach Anhörung der Berichte des E. A. C. und der Vertreter der palästinensischen Lehrer- und Bürgerschaft, gibt das Große A. C. seiner lebhaften Genugtuung und Freude Ausdruck über die würdige und erfolgreiche Verteidigung der hebräischen Sprache in Palästina. Das Große A. C. beglückwünscht die palästinensische Judenheit zu ihrer begeisterten und zielbewußten Haltung; es billigt alle vom E. A. C. bisher getroffenen Maßnahmen zur Sicherstellung