Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Article
- Die Sitzung des großen Actions-Comités
- Date
- 1914-03-06
- Page
- 230 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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230 DIE22ELT Sonntag, den 1. März 1914: Vormittagssitzung (Beginn 10 Uhr): Sitzung des vorbereitenden Komitees der Universität. Bericht der Schulkommission. Nachmittagssitzung (Beginn 4 Uhr): Budget des E. A. C. Eventualia. Um 10 Uhr eröffnet Professor Warburg die Sitzung mit einer kurzen Begrüßung der Anwesenden. Dr. T s c h 1 e - n o w erstattet den Bericht im Namen des E. A. C. Aus dem sehr eingehenden Bericht sei folgendes hervorgehoben: I. Hebräisches Schul werk. Die Arbeit des E. A. C. stand in den letzten drei Monaten im Zeichen des Kampfes für die hebräische Sprache. Nachdem das Große A. C. in seiner letzten Sitzung die allgemeine Taktik des E. A. C. gebilligt hatte und sich für eine finanzielle Beteiligung an der Gründung einer Mittelschule in Haifa ausgesprochen hatte, hat das E. A. C. die Höhe dieser Beteiligung auf 8000 Eres, festgesetzt. Dazu kamen 2000 Eres., die der „Kedem" bewilligte. Das E. A. C. sah sich bald darauf veranlaßt, weitere Schritte zu tun, da die Ereignisse in Palästina sich mit elementarer Wucht entwickelten. In allen Städten und Kolonien fanden Protestmeetings statt. Das Memorandum der Seminaristen in Jerusalem und der Lehrer in Jaffa mit der Forderung des ausschließlich hebräischen Unterrichts wurde von Ephraim Cohn abgelehnt, wodurch viel Erbitterung entstand. Die Seminaristen haben den Streik begonnen. In Jaffa wurde Ende November eine Schule eröffnet, in die sämtliche Lehrer und zwei Drittel der Schüler übergingen. Ende November kam Dr. Nathan nach Palästina, und da erreichte die allgemeine Erregung ihren Höhepunkt. Seine schroffe Ablehnung aller an ihn gerichteten Forderungen, die Art und Weise, wie er die Lehrer und Vertreter des neuen Jischub behandelte, haben dazu beigetragen, daß die Erbitterung von Tag zu Tag sich steigerte. Die Einmischung der Polizei verschärfte die Situation. Achtundzwanzig der besten Lehrer des Hilfsvereins in Jerusalem, hauptsächlich des Seminars und der Mädchenschule, traten aus. Dem Austritt der Seminaristen folgten die Schüler der Mädchen- und Knabenschule, dann die ganze Schule in Haifa. Für diese Schüler und ausgetretenen Lehrer mußte sofort die Möglichkeit geschaffen werden, den Unterricht fortzusetzen. Auch in der Diaspora begann man heftig auf den Kuratoriumsbeschluß zu reagieren. Die gesamte Presse aller Länder druckte leidenschaftliche Proteste und Artikel; die Erregung wuchs von Tag zu Tag. Am stärksten natürlich reagierte unsere Organisation. Wir wurden von allen Seiten mit Anfragen bestürmt, wie man sich verhalten solle, langes Zögern war unmöglich. Die Zionistische Organisation sah sich vor eine große historische Aufgabe gestellt, deren Lösung zwar schwer, aber von höchster Bedeutung für das jüdische Kolonisationswerk sein mußte, und die tatkräftige Anteilnahme an diesem Werk mußte die Beziehungen zwischen der Organisation und Palästina inniger und fester gestalten. Passives Verhalten und ein Eindämmen der Begeisterung der Kämpfer in Palästina, wie es von einigen Mitgliedern des Großen A. C. gefordert wurde, wäre ein Verbrechen und auch praktisch nicht durchführbar gewesen, denn Palästina hätte einem solchen Ruf keine Folge geleistet. So beschloß das E. A. C., sich mit der hebräischen Bewegung in Palästina solidarisch zu erklären, die Organisation zur Beteiligung am neuen Schulwerke aufzufordern, die jüdische Öffentlichkeit über die Bedeutung des Kampfes aufzuklären und Sammlungen zu eröffnen. Am 7. Dezember konnten weitere 2D 000 Frcs. für das neue Seminar in Jerusalem und 5000 Frcs. für die Knabenschule in Jaffa bewilligt werden; am 19. Dezember wurde ein Aufruf veröffentlicht, der zur Sammlung für das hebräische Schulwerk aufforderte, und man setzte sich mit dem Odessaer Komitee wegen gemeinsamer Arbeit in Verbindung. Gleichzeitig forderte das E. A. C. die palästinensische Judenheit telegraphisch auf, den reinen Ideenkampf unter Vermeidung aller Gewalttätigkeiten durchzuführen. Diese Warnung schien geboten im Hinblick auf die Erscheinungen, die solche Kämpfe bei allen Nationen zu begleiten pflegen und angesichts der provozierenden Haltung, welche die Gegenseite in Jerusalem einnahm. Nf.^10 Das nationale Judentum Palästinas hatte aber schon vorher aus eigener Initiative alles aufgeboten, um den Kampf frei von Ausschreitungen zu halten. Einzelne Kleinigkeiten sind trotzdem vorgefallen, doch sind sie unbedeutend und nicht der Rede wert, wenn man die provozierende Haltung betrachtet, welche die Gegner hier wie dort einnahmen. Alle Angriffe des Hilfsvereins blieben ohne Erfolg. Die Begeisterung und die Opferfreudigkeit des nationalen Judentums aber wuchs von Tag zu Tag. Das E. A. C. war so in der Lage, weitere Schritte zu unternehmen. Es beschränkte sich nicht auf die früher festgesetzten 35 000 Frcs., sondern beschloß am 16. Januar danach zu streben, das Schulwerk nach Möglichkeit zu sichern und dem Großen A. C. bei der nächsten Sitzung Anträge zur Beschlußfässung über die Organisierung und Finanzierung des Schulwerkes zu unterbreiten. Seit dem Erscheinen des Aufrufes in der „Welt" am 19. Dezember hat das E. A. C. eine vielseitige und energische Agitation für das Schulwerk entwickelt. Gedruckte Informationen wurden in 75 000 Exemplaren Hebräisch, Deutsch und Englisch verbreitet. Ferner 20 000 Separatdrucke von Nr. 5 der „Welt", 44 000 Zeichnungslisten und Karten, 10 Zirkulare an 9000 Adressen und schließlich die neue Erwiderungsbroschüre in einer Auflage von 25 000 Exemplaren. In unserer Agitation herrschte das stetige Bemühen, auf sachlichem Boden zu bleiben. Jetzt kann das Actions-Comite mit Genugtuung auf die geleistete Arbeit und ihre Erfolge zurücksehen. Der moralische Erfolg ist ganz außerordentlich. In wenigen Momenten der Bewegung herrschte eine solche Begeisterung in unseren Reihen, mit einem solchen Widerklang im Volke, wie in dieser Zeit. Die drohende Gefahr hat die schlummernde Liebe des Volkes zu seinen nationalen Gütern geweckt und uns als Kämpfer und Schützer der Volksheiligtümer in den Augen der jüdischen Massen gehoben. Auch mit den materiellen Ergebnissen können wir zufrieden sein. Die Eingänge steigen von Woche zu Woche. Ein Teil der Zeichnungen sind jährliche Beiträge oder Beiträge für eine Reihe von Jahren. Wir erwarten zuversichtlich, daß uns die finanzielle Sicherung gelingen wird. Das wichtigste Resultat aber ist die prinzipielle Entscheidung der Sprachenfrage an den Schulen Palästinas für immer, die Befreiung der Schulen von dem Einfluß der europäischen Bevormundung und die Schaffung eines selbständigen hebräischen Schulwerks. Dr. Tschlenow fährt dann wörtlich fort: „Uns schwebt eine Zukunft vor, wo das jetzt gebildete Netz sämtliche jüdischen Schulen Palästinas umfassen wird, die alle auf hebräischer Grundlage selbständig, ohne Druck und Vormundschaft, ohne äußere Tendenzen, von dem Geiste und den Bedürfnissen des auflebenden Volkes allein beeinflußt, sich frei entwickeln werden. Und dann wird jeder erkennen müssen, daß die Grundsteine zu diesem großen Volksbau in diesen Monaten gelegt wurden.“ Selbstverständlich wird viel davon abhängen, wie die Schulen organisiert werden. Es müssen nicht nur hebräische, sondern auch gut organisierte und gut geleitete Schulen sein. Eine große und schwere Arbeit ist noch zu leisten. Die Leitung hofft hierzu imstande zu sein. Diese Fragen werden einen wesentlichen Teil der Actions-Comite-Sitzungen ausfüllen. Darüber werden dem Actions-Comite spezielle Vorschläge unterbreitet werden. II. Technikum. Dieser Teil des Kampfes ist gerade in den letzten Tagen beigelegt worden. Die günstige Stellungnahme der russischen Kuratoren wurde schon im Dezember, während der Anwesenheit Dr. Tschlenows in Moskau, festgestellt und dem Kuratorium mitgeteilt; die der Amerikaner im Januar. Mit Genugtuung konstatiert das E. A. C., daß beide Gruppen sich seinen sachlichen Forderungen angeschlossen und die Bedeutung der Mitwirkung der Zionistischen Organisation öffentlich anerkannt haben. Mit besonderem Dank erwähnt die Parteileitung ferner hier die Festigkeit und Treue, mit der die Vertreter des Hauses Wissotzky uns in unserer schweren Position, besonders in diesen Tagen unterstützt haben. Die Kampfesmethode der Gegenpartei blieb auch hier die im Schulkampf befolgte und vermochte ebensowenig zu