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Die Welt · 1912-12-25 · 52 (25.12.1912) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
52 (25.12.1912)
Date
1912-12-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1632 DIESEL? Nr. 52 jüdische Schriftsteller es immer wieder für nötig erachten, ihre „mutige Kunst" an solch schwülem und lüstern-mattem Beiwerk zu erproben. Der letzte Rest von Saft und Kraft wird dem Buche durch die Vergleiche geraubt, die Ernst Sommer in beängstigender Zahl zur Hand hat. Sie schießen unter seiner Feder empor wie Pilze nach Regenwetter und überwuchern das bißchen Geschehen und Psychologie, das überhaupt vorhanden ist. ich glaube, sie füllen drei Viertel des Buches aus. Vielleicht tritt gerade hierbei Ernst Sommers dichterische Begabung zutage. Wenigstens hat man niemals, selbst nicht wenn diese Vergleiche ans Komische streifen, den Eindruck, daß sie mühsam ausgeklügelt sind. Nur kann man auf solcher Begabung keinen Roman aufbauen. Dazu gehört unter anderem doch auch ein klein wenig Erzählungskunst. Wie charakteristisch für die Art mancher jüdischen „Erzähler" der neueren deutschen Literatur ist nicht allein die folgende, aufs Geratewohl herausgegriffene Stelle: „Da tastete ein Geräusch an der Mauer hin. Ein Tappen zweier schwerer Hände, die den Ansturm dieses unfaßbaren Schweigens nicht länger ertrugen und sich wütend aufmachten, um etwas zu tun. Sie stießen mehrmals verwundert aufeinander, mit einer fremden Empfindung in den Fingergliedern, als erkennten sie ihr Ebenbild nicht mehr und trügen Angst davor. Einmal schlugen sie sich am Türpfosten wund und krumpften sich einen Augenblick voll Schmerz zusammen. Und einmal war da ein Nagel, der sich kalt und voll Hohn in dem rechten Daumenballen verfing. Doch endlich hatten sie das Ziel erreicht, eine kleine schwarze Kurbel, legten sich voll Inbrunst um ihren Griff, und da war das Zimmer helleuchtend und voll Ueberwindung." . . . Wenn der Held des Buches in diesem Tempo das elektrische Licht im Zimmer andreht, dann kann sich der Leser ungefähr vorstellen, in welcher Manier uns Gideons Lebensgeschichte im ganzen „erzählt" wird. Ich fasse zusammen: Ernst Sommers Buch ist nicht ohne dichterische Schönheiten im einzelnen, aber trotz seiner Bilder¬ und Vergleichswut unklar, verschwommen und leer. Als Roman ist es unmöglich. — Vielleicht versucht sich der Verfasser zunächst einmal an Stimmungsbildern und Skizzen oder auch kürzeren Erzählungen. Mir scheint, daß insbesondere das Ghettoleben des Mittelalters für ihn ein dankbarer Stoff sein könnte. Berlin. * C, Kaiser. SPRECHSAAL 2. er selber hat „einen Teil der Debatten nach bestem Gewissen und Können stenographisch aufgenommen". Bei dieser Kategorie, bei denen es sich meist um wichtigere Ausführungen handelte, w ä r e eine weitere Rücksprache mit den einzelnen Rednern nicht nötig gewesen, die Reden wurden, wie sie Vorlagen, d e m Berichte e i n v e r 1 e i b t (!). Das war auch bei der Rede des Herrn Dr. Franck der Fall. Ferner behauptet er, sein Versuch, eine Richtigstellung der gegen die „Agudas J'isroel" gerichteten Angriffe herbeizuführen, sei erfolglos geblieben. Ich habe darauf folgendes zu erwidern: 1. In der Voraussetzung von der Richtigkeit der Darstellung betr. der Rede des Herrn Dr. Kaatz wäre demnach die nunmehr veröffentlichte Fassung im Einverständnis mit dem Redner formuliert. Die Gründe, die Herrn Dr. Kaatz veranlaßt haben, seine Rede nicht in der Ausführlichkeit zu bringen, wie er sie gehalten hat, entziehen sich meiner Beurteilung. Ob ein solch abgekürztes Verfahren, auch wenn es im Einverständnis mit dem betreffenden Redner geübt wird, die Billigung einer objektiv handelnden Behörde finden dürfte, lasse ich dahingestellt. Ein offizielles Protokoll muß ausführlich sein. Es ist nicht verständlich, daß man hier ein summarisches Verfahren beliebt, zumal die diese Polemik veranlassende Rede wörtlich gebracht wurde. Ich bemerke nebenbei, daß gerade die Deftigkeit des Tones, den Herr Dr. Kaatz anschlug, für mich bestimmend war, mir selber eine gewisse Mäßigung aufzuerlegen. Hätte ich damals diese Polemik vorausgesehen, so wäre ich nicht so zartfühlend gewesen. 2. Es ist nicht verständlich, daß der Redakteur der „Berichte und Materialien" nicht für nötig g e f u n d e n h a t, die Reden, die er selber stenographisch aufgenommen hat, den Rednern zur Prüfung vor/, ul egen, zumal es sich, wie er selbst sagt, meist um vv i c h t ig e re Ausführungen handelte. Umsomehr hätte er die Pflicht dazu gehabt. Das erinnert an das Wort Bräsigs von der Fixigkeit und Richtigkeit. Herr Stern gibt für die unterschiedliche Behandlung keineswegs eine plausible Erklärung. Es ist mir heute nach 4 5 Monaten selbstverständlich nicht mehr möglich, den Wortlaut meiner Ausführungen zu rekonstruieren. Was dem Sinne nach die Wiedergabe des Stenogramms nicht enthält, versteht jeder Kundige ohne weiteres. Herr Baruch Stern ist ein umgekehrter Bismarck, er macht aus einer Fanfare eine Ohamade. Richtig hätte die Sachlage nur gestellt werden können, wenn auch mir das Konzept zur Prüfung vorgelegt worden wäre. 3. Herr Baruch Stern hat weder an die Adresse des Zentralbureaus noch an die der „Misrachi-Korrespondenz" eine Anfrage in dieser Angelegenheit gerichtet. Die von Herrn Baruch Stern beliebte Charakterisierung des Artikels in der Misrachi-Korrespondenz gebe ich ihm vollinhaltlich zurück. Ich würde jederzeit vor den Schranken des Gerichts für die Wahrheit meiner Ausführungen eintreten. Altona, den 1h. Dezember 1912/6. Teweth 5673. Dr. L. Franck. □□□□□□□□□□□□□□□□□□□El Entgegnung zur „Erklärung" in Nr. 50 des „Israelit**. Zur ge fl. Beachtung! Im Sprechsaal der Nr. 50 des „Israelit" findet sich eine Erklärung des Herrn Baruch Stern. Diese Erklärung richtet sich gegen einen in der „Misrachi-Korrespondenz" erschienenen Artikel, der sich mit dem vom provisorischen Komitee der A.j. herausgegebenen Bericht über die Kattowitzer Versammlung beschäftigt. — Da ich die Ehre habe, zurzeit Vorsitzender des Misrachi-Zentralbureaus zu sein, bin ich auch verantwortlich für die von ihm herausgegebene „Misrachi-Korrespondenz". Herr Baruch Stern, der nach seiner Angabe die Redigierung des genannten Berichtes besorgt hat, führt aus, daß bei der Wiedergabe der auf der Kattowitzer Konferenz gehaltenen Reden ein zwiefaches Verfahren geübt wurde, 1. es ist von einem der Schriftführer ein Protokoll geführt worden. Die von ihm hergestellten Niederschriften sind den betreffenden Rednern zur Prüfung ihrer Richtigkeit vorgelegt und nach deren Verbesserungen in den Bericht aufgenommen. So sei bei der Rede des Herrn Dr. Kaatz verfahren worden; Wir machen unsere Leser auf die Ausgabe der „Welt“ auf holzfreiem Papier aufmerksam und empfehlen insbesondere allen Vereinsbibliotheken, Archiven usw. deren Bezug. — Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert werden und kostet für Deutschland und Österreich-Ungarn M. 18,— pro Jahr für alle übrigen Länder.„ 24,— „ „ Verlag „Die Welt“.

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