Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 52 (25.12.1912)
- Date
- 1912-12-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 DIESEL? 1625 [ REVUE DER PRESSE j -- .—— ------ =J) mm Paris. Mit der soeben erschienenen Dezembernummer hat das „Echo Sioniste“ den ersten Jahrgang seiner neuen Folge abgeschlossen. Im Jahre 1895 von einigen Studenten gegründet, hatte die Zeitung als Nachfolgerin der „Kadi m ah“ und des „Flambea u“ sechs Jahre hindurch wacker für die zionistische Idee gekämpft, bis sie im Jahre 1902, weil ihre Mitarbeiter zum größten Teil als fertige Akademiker sich in alle Windrichtungen zerstreuten, und vor allem mangels einer zulänglichen Administration, ihr Erscheinen einsteklen mußte. Das Fehlen eines zionistischen Organes in französischer Sprache, die bekanntlich nicht nur in Westeuropa und Nordafrika, sondern auch im ganzen Orient verbreitet ist, bedeutete für unsere Bewegung eine empfindliche Lücke. Diesem Mangel abzuhelfen, war schon längst der eifrigste Wunsch der Pariser Zionisten, aber erst in diesem Jahre konnte er durch die Initiative des Vereines ,,M ebassereth Zion“ und zweier Mitarbeiter des alten Echos, der Herren Dr. Jacobson und B. B a u mgarte n (welcher unter dem Namen Baruch H a g a ii i das mühevolle Amt des Chefredakteurs übernahm) in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Unter der sachverständigen Leitung der Genannten ist das neu erstandene Blatt seiner Aufgabe, den Juden französischer Sprache sowie auch der gesamten öffentlichen Meinung das jüdische Problem vor Augen zu führen, bestens gerecht geworden. Der Inhalt des vorliegenden ersten Bandes ist äußerst reichhaltig, und der Wert der einzelnen Artikel — sowohl hinsichtlich der ernsten Erfassung der behandelten Fragen als auch hinsichtlich des Tones — sichert dem Heft einen dauernden Platz in der Bibliothek seiner Leser. LT. a. enthält die Sammlung einige bemerkenswerte Artikel von Dr. Max Nord au, speziell eine gute Uebersetzung des Hamburger Vortrages „Juden und Judentum im 19. Jahrhundert“, der auch in der Uebertragung seine tiefe Wirkung beibehält. Zu den Mitarbeitern gehören außer den oben Genannten noch Herr Dr. Marmorek und Erl. Prof. Schach, deren Feder wir einige flottgeschriebene Artikel verdanken. Soziologische und historische Studien nehmen einen breiten Raum ein; wir finden da z. B. von Hagani einen Aufsatz „Die andere Gefahr“, worin den Entnationalisierungs- Versuchen des Sozialismus entgegengetreten wird, und eine Artikelserie über den aus der Dreyfus-Affäre bekannten Schriftsteller Bernard Lazare. Ueber „Zionismus und Sozialismus“ schrieb außerdem noch Dr. V a 1 e n s i, während eine Reihe anderer Mitarbeiter die Frage des Zionismus im Verhältnis zum Franzosentum erörtern. Es dürfte wohl eines der größten Verdienste des „Echo Sioniste“ sein, eine Reihe junger französisch-jüdischer Literaten zur Mitarbeit herangezogen zu haben, von denen hier nur der Dichter Andre S p i r e genannt sei. Den bedeutenderen Tagesfragen ist eine besondere Rubrik gewidmet, für deren geistvolle „Notizen“ D. J. zeichnet. Aus der Gruppe dieser Artikel möchten wir diejenigen hervorheben, die sich mit der brennenden Frage der Zustände im jüdischen Ghetto im IV. Arrondissement von Paris und mit der Stagnation im hiesigen Gemeindewesen befassen. Es wäre Zeit, daß die Sorglosigkeit des größten Teils der hiesigen jüdischen Bevölkerung, die sogar schon seitens der staatlichen Behörden kritisiert wurde, ein Ende nähme. Viel versprechend, aber noch nicht reichhaltig genug ist auch die Rubrik „Literarische Rundschau“, die den Versuch unternimmt, den Lesern die neue jüdische Literatur näher zu bringen. Im gleichen Sinne wirken die fachmännischen Artikel S. Roukhomovskys über Fragen der Kunst. Einen besonderen Platz nehmen neben den allgemein-zionistischen Erörterungen und Nachrichten die Palästinafragen ein. — Dieser kurze Ueberblick zeigt zur Genüge, auf welch hohem Niveau das ,,E. S.“ angelangt ist und daß es ihm sicher gelingt, in weiten Kreisen auf klärend und propagandistisch zu wirken, und den nichtjüdischen Kreisen zu zeigen, daß das moderne Judentum sich noch an andere Probleme wagt als an Fragen des Kultus und des Antisemitismus. Als ein Beweis des Erfolges darf der starke Zustrom spontaner Mitarbeit nicht nur aus Frankreich und Nordafrika, sondern auch aus den Niederlanden und speziell der Türkei lind Aegypten angesehen werden; leider müssen viele dieser Berichte wegen Platzmangels unterdrückt werden. Hoffen wir, daß dem „Echo Sioniste“ und seinen selbstlosen Mitarbeitern auch weiterhin Erfolge beschieden seien, und daß wir bald an dieser Stelle von einer Umwandlung in eine Halbmonatsschrift berichten können. Es dürfte auch gewiß viele Gesinnungsgenossen interessieren zu erfahren, daß dank der geschickten Geschäftsführung seiner Administratoren, der Herren Arons t a in und F r i e d m a n n , das „Echo Sioniste“ finanziell vollkommen auf eigenen Füßen steht. * In Nr. 31 des „Haolam“ bespricht die Redaktion in der allgemeinen Revue („Al Hamizpeh“) den wirtschaftlichen Boykott der Polen gegen die Juden in Warschau und führt aus, daß die Juden diesem ihnen aufgezwungenen gehässigen Kampf nur dann wirksam begegnen können, wenn auch sie gleich den Polen als g e s c h 1 o s s e n e n a t i o n a 1 e Ei nheit in allen Ländern ihres Aufenthalts ihren Widersachern gegenüberstehen und die Angriffe, die gegen die jüdischen Brüder in irgendeinem Lande gerichtet werden, auch in anderen Ländern solidarisch ab weinen und kräftig zurückweisen. - Das K u 1 tus wähl k o m pro in i ß der Wiener Gesinnt! n g s g e n o s s e n erfährt hier eine eingehende Würdigung, und es wird den in den Vorstand der Wiener Gemeinde berufenen Zionisten eindringlich ans Herz gelegt, für das zionistische Gegemvartsprogramm in der Gemeindestube tatkräftig zu wirken. Wenn sie diese Bedingung erfüllen, dann wird das Abkommen in der Tat einen Sieg des zionistischen Gedankens darstellen. Jakob Leszcynski beschließt seinen lehrreichen statistischen Aufsatz über „Die Juden in Deutschland“ mit einer Darstellung der Anstellungs- Verhältnisse jüdischer Lehrer in den deutschen Volks-, Mittel¬ und Hochschulen. Der Altmeister S c h o l e m - A 1 e i c li e m steuert eine humorvolle Chanukah-Skizze „Das Trenderchen“ bei. — S. L. Zitron setzt seine Notizen zur Geschichte der hebräischen Presse fort. Er behandelt diesmal die Zeitschrift „Ha-Lebanon“ von Brill. — Dr. S. J a mpcl schreibt unter dem Titel „Rätsel aus der Vorzeit“ über die sumerischen Keilschriftenfunde und ihre Beziehungen zu den arge Schichthöhen Berichten der Bibel. — Jakob K a h a n setzt seinen epischen Gedichtszyklus „Helvetia“ fort. — Die allgemeine Revue in Nr. 32 derselben Zeitschrift handelt über die Vorgänge in den ersten Sitzungen der vierten Duma, ferner über die neuesten Heldenstücklein der von den sattsam bekannten Herren N ithan s o hn und D i c k s t e i n angeführten Warschauer Assimilantenclique. — Der Redakteur des „Haolam“, A. Drujanow, beleuchtet die Aufgaben der zionistischen Politik im ottomanischen, Reiche angesichts des jüngsten Balkankrieges. — Nach einem Gedicht von Jehuda Kami und der Fortsetzung der Novelle „Ein Stummer“ von B. Schapir