Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 52 (25.12.1912)
- Date
- 1912-12-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1624 Nr. 52 die^elt Herr Schiller teilte in seinem Berichte ferner mit, daß das Budget für das nächste Jahr 22 000 Frs. betragen wird, woran Herr J. Moser aus Bradford sich wiederum mit einem namhaften Betrag beteiligen wird. Mit besonderer Wärme gedachte Herr Schiller der Arbeit des Advokaten Hr. üerson Zipper in Lemberg, der in einer bis jetzt beispiellosen Weise sich für die Aufbringung des Baufonds für das Jerusalemer Hebräische Gymnasium eingesetzt hat. Zipper hat in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr aus Palästina fast Abend für Abend in den verschiedensten galizischen Städten für den Ballfonds geworben, und wäre nicht die finanzielle Krisis in diesem Jahre über die galizische Juden heit hereingebrochen, so wäre der von Zipper geforderte Betrag von lOOOOO Kronen sicherlich schon längst beisammen. Immerhin bleibt es ein Ruhmestitel für die gali zischen Juden und zeugt von ihrem groben Idealismus, daß sie trotz Krisis und wirtschaftlicher Bedrückung in wenigen Monaten über 50 000 Frcs. für das in Jerusalem zu erbauende Hebräische Gvmnasium aufgebracht haben. Wenn die Freunde dieser Anstalt in Berlin und Wien, in Moskau und New York nur einen kleinen Teil der Zippers eben Arbeit leisten wollten, dann wäre die baldige ersprießliche Ausgestaltung der Schule außer Frage. Nach dem Bericht von I)r. Schiller faßte die Generalversammlung einige Beschlüsse zur Sicherstellung des Budgets. In den Vorstand wurde gewählt: Dr. Segall, Dr. Lev y, Dr. K r i t s c h w e s k y , Herr N u d e 1 m a n n und Herr Chefez. Ferner werden dem Vorstande noch je ein Vertreter des Lehrkörpers, des zionistischen Palästina-Amtes und der Verwaltung des Odessaer Palästina-Komitees angehören. Von den Lehrern ist bereits Herr Dr. Schiller als Vertreter gewählt worden. Es wurde auch beschlossen, von nun an die Schule offiziell mit dem hebräischen Namen „Midraschah" zu benennen. Eine neue Spende von Nathan Straus Dieser Tage hat Herr Nathan Straus in New York an Herrn Dr. Wilhelm Brünn, den Leiter des von Straus unterhaltenen Gesundheitsamtes in Jerusalem, 10 000 Frs. zur Verteilung unter den durch den Krieg geschädigten Familien überwiesen. Auf Grund der mit dem Jerusalemer Gouver-l iicur gepflogenen Beratungen wurde beschlossen, 5000 Frs. unter denjenigen palästinensischen Familien zu verteilen, die durch Einberufung der Männer zum Reservedienst in Notlage; geraten sind. Die weiteren 5000 Frs. wurden der Regierung in Konstantinopel überwiesen, um sie unter den flüchtigen Familien ohne Unterschied der Konfession und Nationalität zu verteilen. Der Gouverneur ersuchte Dr. Brünn, Herrn Nathan Straus den Dank der Regierung zu übermitteln. Cholerafälle in Tiberias ln Jerusalem sind telegraphische Nachrichten eingetroffen, wonach in Tiberias neunzehn Cholerafälle vorgekomrnen seien. Die Stadt ist jetzt durch die Behörden abgesperrt. In Jerusalem hat sich ein aschkenasischcs Komitee gebildet, um den Notleidenden in Tiberias Hilfe zu leisten. Die Amsterdamer Cliahika Verwaltung hat bereits telegraphisch aus Jerusalem 000 Frs. nach Tiberias überwiesen. Aus den Städten Jerusalem, 8. Dez. Die hiesige Gemeinde der bucharisclien Juden erhielt Briefe aus Buchara, daß die russische Regierung dort begonnen habe, die Juden auszuweisen. Es herrscht darüber unter den hiesigen bucharisclien Juden große Beunruhigung. — Hier wurde eine Kommission eingesetzt, die nach Möglichkeit der Verteuerung der Lebensmittel entgegenarbeiten soll. In erster Reihe soll versucht werden, durch Bestellung großer Quantitäten M e h 1 aus dem Auslande eine Verbilligung dieses wichtigsten Lebensmittels zu erzielen. - Nach einer Meldung der „Moriah" wird Herr Direktor A. A n t e b i vorläufig auf seinem Posten verbleiben. — Trotz des im allgemeinen reichlichen Regenniederganges leidet unsere Stadt noch Mangel an Wasser, da die Zisternen nur spärlich Wasser erhielten. —- Die hiesigen Polizeistationen wurden dieser Tage mit der Polizeizentrale durch Telephon verbunden. Die hiesigen Juden haben dem Gouverneur von neuem 1500 Frs. für die Kriegs verwundeten überwiesen. Die Bibliothek des Rabbiners Chajim Berlin s. A. wurde von ihm der Jeschiwah ,,Ez Chajim“ hinterlassen. - Im hiesigen Lehrerverein referierte Herr S. Schiller über das Thema: „Was ist Philosophie?" Jaffa, 8. I )ez. Auch hier bildete sich dieser Tage ein Fach verein der Zimmermaler und Anstreicher. Jedes Mitglied hat 200 Frs. beizutragen. Mit dem Vereinsgelde sollen die Bedarfsartikel dieser Gewerkschaft angeschafft werden. Haifa, 8. I )ez. Auf Anordnung von Konstantinopel wurde dieser Tage der Araber, der vor zwei Jahren den Deutschen Fritz Unger ermordete, verhaftet. — Die hiesigen Lehrer des „Hilfsvereins" haben sich bereit erklärt, zweimal wöchentlich populärwissenschaftliche Kurse im Arbeiterklub abzuhalten. - Hier hat sich ein Fa eh verein der jüdischen Lastträger gebildet. Sie wollen den Versuch machen, gemeinsam Arbeit zu übernehmen und den Verdienst gleichmäßig an die Mitglieder zu verteilen. Nach einem Bericht des ,,Haor" hat Herr Isak F e i n - berg aus Irkutsk zum Zwecke der Errichtung eigener Gebäude in der Kolonie Rechohoth dem Jerusalemer „Mädchenheim", das unter der sachverständigen Leitung der Frau Esther Kahn steht, 50 000 Frs. gespendet. Frau Kahn beabsichtigt, die im Mädchenheim erzogenen Mädchen auch in der Landwirtschaft, soweit weibliche Arbeit in Betracht kommt, auszubilden. Das Institut würde also eine Lücke in unserem Schulwesen ausfüllen, wofür Herrn Feinberg, der bekanntlich auch auf seine Rechnung das schöne Gebäude der Jaffaer Mädchenschule erbauen ließ, herzlicher Dank gebührt. Herr Isak G o I d h a r aus R o s c h - P i n a h , der sich seit mehr als zwanzig Jahren eingehend mit der Geographie Palästinas befaßt, läßt jetzt sein geographisches Buch „Adrnath Kodesch" in Jerusalem drucken. Die „Jüdisch-Literarische Gesellschaft" in Frankfurt a. M, hat die Herausgabe des Buches durch eine namhafte Subvention ermöglicht, ln fachmännischen Kreisen werden von diesem Buche Aufschlüsse über strittige Punkte in der historischen Geographie Palästinas erwartet. r~ Kleine Nachrichten Aus Haifa wird mitgeteilt, daß die französische Gesellschaft, die den Bau des dortigen Hafens unternimmt, bereits ein Schiff mit den erforderlichen Baumaterialien nach Haifa entsandt hat. Herr Estermann aus Hamburg weilt seit einiger Zeit in Jerusalem, wo er am „Bezalel" tätig ist. Eine offiziöse ägyptische Zeitung teilt mit, daß Sir Wilkocks einige Wochen im Jordantal weilte und einen Vorschlag für den Anbau von Baumwolle in der dortigen Gegend vorbereitet. Aus New York berichtet man, daß dort eine große Versammlung stattgefunden hat, um zu beraten, wie man die Sammelarbeit für die palästinischen Wohlfahrtsinstitutionen einheitlich organisieren und überwachen könnte. Herr Ing. M. M. Ussischkin, Vorsitzender des Odessaer Palästina-Komitees, ist in Jaffa eingetroffen,