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Die Welt · 1912-12-25 · 52 (25.12.1912) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
52 (25.12.1912)
Date
1912-12-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52 dieotelt 1623 für die es angestimirit wurde — bei seinen jüdisch sprechenden Brüdern. Ich will die poetischen Schöpfungen Rosenfelds nicht sezieren. Es sind Lyrika — wie Feiwel sagt — „eingegeben von der harten Gnade der Not", Lieder, getragen von einer glühenden Liebe für sein Volk. Auch verfügt er über eine satirische Klinge von blankem, verläßlichem Schliff. Rosenfeld ist kein freier, naiver Künstler, wie Walter von der Vogelweide, Gottfried Keller oder Liliencron. Er singt nicht, „wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnet", sondern wie der, weicher in der Gefangenschaft beim ersten Aufflattern an die Stäbe des Käfigs gestoßen ist. Auch ist er ja ein Sohn des Volkes der Bücher, das jahrhundertelang gezwungen war, nur immer die Schriften zu deuten und die Deutungen wieder zu deuten. Rosenfeld, der Lyriker, reflektiert zu viel. Mehr, als es oft die reine Stimmung seiner Lieder verträgt, die er mit nachdenklichen Erwägungen manchmal zu stark belastet. Dafür offenbart er aber im Bildhaften häufig eine ganz erlesene Meisterschaft, so, wenn er den Meeresstunn malt oder das Sausen der Maschinen. Und die Alliebe in dieser Poetenbrust ergießt sich mitunter in Akkorden von übermenschlicher Milde und Helle. So in dem Gedichte an seine Mutter (das meines Wissens noch nicht ins Deutsche übertragen ist) oder, wenn er zum Bette seines Kindes tritt, das er, der Stückarbeiter, nur des Nachts sehen kann, insbesondere aber in der linden, mitleidvoll kosenden Frage an das Arbeiterin ädeben, das des Nachts „verdienen geht". Und vor allem dies: Eine außerordentliche Kraft und Leidenschaft, wie sie sich in dem Golus-Judentume unter der Last der Erniedrigung und Verunglimpfung aufgespeichert hat, schießt in manchen Liedern auf. Wenn in dem gewaltigen Gedichte „Die Landstreicher", der harte Richter den Eltern die Kinder nehmen und ins Waisenhaus stecken will, springt ihn die Mutter wie eine Löwin an. Und ein ganzes Volk sieht man sich auf bäumen und sein Joch zerbrechen, wenn Rosenfeld die „Lieder von der Armengaß7" also schließt: „Du Lied, das in der Gaß’ erschallt, Du Lied voll Leid und Schrecken! Mich packt des Hasses wilde Gewalt, Das Auge brennt, die Faust ist geballt Das Elend niederzustrecken. Zuviel der Not, zuviel der Pein Schließt diese enge Gasse ein." * Wir feiern Morris Rosenfeld heute, an seinem fünfzigsten Geburtstage, aber wir haben auch eine Bitte an ihn: Er stellt auf der Höhe seines Lebens. Er hat einen Dornenweg zurückgelegt und seine Seele ist reich geworden. Möge er nicht karg mit seinen Schätzen werden, der Tränenmühonär! <? PALÄSTINA-RUNDSCHAU (Von unserem Berichterstatter.) Jahresbericht von Tel-Awiw Wie in früheren Jnhren, fand auch in diesem Jahre an einem Glianukahabend die Generalversammlung der Mitglieder von Tel-Awiw statt Aus diesem Anlaß hat der Vorstand des Stadtviertels sämtlichen Mitgliedern einen Rechenschaftsbericht zugehen lassen, dem wir folgendes entnehmen: Zu den wichtigsten Arbeiten des letzten Jahres gehören die Erwerbung, Parzellierung und Veräußerung eines angrenzenden Bauterrains von ca. 60 000 Quadratellen, ferner die Durchführung der neuen Wasserversorgung und die Eingemeindung des neuerbauten Viertels Nachalatli-Benjainin. Die Einnahmen setzten sich im abgelaufenen Rechnungsjahre folgendermaßen zusammen: Reingewinn von dem neuen Terrain 22 744,00 Eres., Gemeindesteuern der Mitglieder 10992,96 Eres., Zahlung von Nachalath-Benjamin bei der Aufnahme in den Gemeindeverband von Tel-Awiw 9780 Frcs., Reingewinn vom alten Terrain 3651,50 Frcs., Aufnahme neuer Mitglieder 2600 Frcs., Miete für öffentliche Gebäude 1070 Frcs., diverse Einnahmen 4193,72 Frcs. Da nun im vorigen Jahre ein Reingewinn von 21 562,74 Frcs. verblieb, so standen der Verwaltung insgesamt 76 595,01 Frcs. zur Verfügung. Nun wurden im abgelaufenen Jahre 50 785,70 Frcs. verausgabt, so daß das Jahr mit einem Ueberschuß von 25 809,31 Frcs. abschließt. In diesem Jahre wurden die kostspieligen Arbeiten der erweiterten Wasserversorgung, die mit den dort auch für sonstige Zwecke des Vorstandes befindlichen Räumen allein ca. 25 000 Frcs. gekostet haben, durchgeführt, ohne daß die Mitglieder mit besonderen Steuern belastet werden mußten. Der Voranschlag für das kommende Jahr, den der Vorstand der Generalversammlung unterbreitete, beträgt 18,090 Francs, und zwar: Wasserversorgung 7100 Frcs., Bewachung 3300 Frcs., Reinigung der Straßen und der öffentlichen Plätze 2100 Frcs., Verwaltung 2000 Frcs., diverse kleinere Ausgaben, darunter zum erstenmal Subvention für (‘inen Leses a a 1 in Höhe von 600 Frcs., 3230 Frcs. Generalversammlung des Vereins des Jerusalemer Hebräischen Gymnasiums Sonnabend, den 30. November, abends, fand in Jerusalem die dritte jährliche Generalversammlung des Vereins des Hebräischen Gymnasiums statt. Anwesend waren sämtliche Jerusalemer Mitglieder des Vereins, sowie der gesamte Lehrkörper und auch mehrere Gäste, die der jungen Schulanstalt Interesse und Sympathie entgegenbringen. Herr Dr. Salomon Schiller, der Leiter des Gymnasiums, erstattete den Bericht für das abgelaufene Schuljahr. Dem Berichte war zu entnehmen, daß die Schule sich in steter, ruhiger Entwicklung befinde und die bei der Gründung gehegten Hoffnungen vollauf rechtfertige. Die Zahl der Schüler vermehrt sich allmählich. Während bisher ausschließlich Jerusalemer Kinder die Schule besuchten, häufen sich jetzt die Anmeldungen und Anfragen auch aus dem Auslande, namentlich aus Rußland, was auf die Uefaerfüllung mancher Klassen in der Schwesteranstalt in Jaffa zurückzuführen ist. Dem Lehrerkollegium gehören jetzt 11 Lehrer an. Für den Unterricht in der Bibel ist in Dr. Cha cham eine vorzügliche fachmännische Lehrkraft gewonnen worden.

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