Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 51 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 1601 die^kelt Reichenberg. Donnerstag, den 12. Dezember 1912, sprach als Gast des Zionistischen Volksvereins „Theodor Herzl“ in Reichenberg, Herr Dr. Schemarjahu Levin über „Die Assimilation und der nationale Gedanke". Die Veranstaltung, die mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vorbereitet und von mehr als 200 Personen besucht war, bedeutet den größten Erfolg, den unser junger Verein bisher auE/uweisen hat. Ungarn Budapest. Der Verein zionistischer Bürger „Theodor llerzl" und die Vereinigung zionistischer Hochschüler „Makkabaea“ veranstalteten am 8. d. M. im Festsaale der (neologen) jüdischen Gemeinde eine gemeinsame Makkabäer-Feier, welche einen würdigen Verlauf nahm. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident des Vereins „.Theodor Herzl", Herr Rechtsanwalt Dr. Leopold Ostern. Die Festrede hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Nisson Kahan. Nachdem sich der Beifall, den die schöne Rede entfesselte, gelegt hatte, ergriff der Präsident der „Makkabaea", Gg. Dr. Viktor Jordan, zur Schlußrede das Wort, und forderte die anwesenden Nichtzionisten zur Beteiligung am Kampfe um die Errettung des Judentums auf. Vereinigte Staaten von Nordamerika Beratende Konferenz der amerikanischen Federation (Von unserem Berichterstatter.) New Vor k. Am 17. November fand in New York eine Sitzung des Exekutiv-Komitees der amerikanischen Federation statt, zu der die beratende Körperschaft sowie die Ehren- und Vizepräsidenten der Federation hinzugezogen waren. Eingeladen waren annähernd 40 Personen, von denen 23 erschienen. Den Vorsitz führte Herr Louis Lipsky vom Exekutiv-Komitee. Vor einem näheren Eingehen auf die Ergebnisse dieser Versammlung, sei erst in wenigen Worten deren Charakter und Bedeut u n g skizziert. Die amerikanische Organisation unterscheidet sich bekanntlich wesentlich von den europäischen Institutionen. Während z. B. in Deutschland jeder Verein ein Glied der Ortsgruppe bildet, die ihrerseits wieder als Teil der Zionistischen Vereinigung für Deutschland anzusehen ist, gibt es in vielen amerikanischen Städten eine Reihe großer und kleiner zionistischer Vereine, die entweder ganz unabhängig von jeglicher gemeinsamen Körperschaft sind oder, sofern sie Vertreter auf den jährlichen Delegierten tag der Federation resp. auf den Kongreß zu entsenden wünschen, sich der Federation anschließen. Die Federation selbst setzt sich zwar aus Exekutiv-, Vizepräsidenten- und Beratungs-Komitee zusammen, hat aber nur ein kleines Sekretariat, und da überdies die Mitglieder der genannten Körperschaften weit entfernt voneinander leben, verschiedene Sprachen reden und den verschiedenartigsten Kreisen angehören, so ist ihre Zusammenarbeit meistens imaginär, während in Wahrheit einige wenige Persönlichkeiten die Geschäfte der Fandesorganisation leiten. Unter diesen Verhältnissen ist es natürlich sehr schwer, eine Uebereinstimmung der Ansichten und Stimmungen in den einzelnen Orten zu erzielen, um so mehr, als die zionistische Presse keineswegs zu allen Vereinen und Vereinsmitgliedern dringt. Sehr dankenswert ist es daher, daß die Federationsleitung neben dem Jahreskonvent in diesem Jahre noch eine Zwischenversammlung in der eingangs erwähnten Zusammensetzung einberufeil hat, die in bestimmten Zeitabständen von jetzt an regelmäßig wiederholt werden soll. Den äußeren Anlaß zu dieser Konferenz bildete die gegenwärtige Lage in der Türkei sowie der Wunsch des Herrn Lewin-Epstein, über seine persönlichen Eindrücke von der Berliner Jahresversammlung zu berichten. Auf der Tagesordnung der am 17. November abgehaltenen Versammlung standen folgende Punkte: Bericht des Exekutiv- Komitees, die gegenwärtige Lage in der Türkei, die zionistische Presse, die jemenitischen Juden, Bericht des Herrn Lewin- Epstein über die Berliner Konferenz. Aus dem Bericht des Exekutiv-Komitees sei als wesentliches Moment von allgemeiner Bedeutung hervorgehoben, daß die Federation auf dem Wege ist, ein Rundschreiben an die Einzelgesellschaften zu senden (nachdem in den Tageszeitungen bereits ein Aufruf erschienen ist) und zur Aufbringung des Fonds für die Jemeniten-Häuser in Palästina, dessen Sammlung vom Jahreskonvent beschlossen wurde, aufzufordern. Gelegentlich dieser Debatte wurde beschlossen, in der nächsten Zeit die Haupttätigkeit aller Vereine auf die Arbeit für den Jemenitenfonds zu lenken, selbst wenn die anderen Fonds temporär darunter leiden sollten, da es für die Propaganda in Amerika unerläßlich ist, daß man auf irgendein von amerikanischen Zionisten geschaffenes, b e d e u t e n d e s Werk in Palästina Hinweisen kann. In einem gewissen Zusammenhang mit dem zuvor genannten Beschluß stand eine Diskussion über eventuell zu treffende oder nicht zu treffende Vorbereitungen für einige in Aussicht stehende Besuche prominenter Zionisten. Da es für die Art der Propaganda in Amerika sehr unvorteilhaft wäre, wenn binnen kurzer Zeit gelegentlich dieser Besuche für ganz verschiedenartige palästinensische Institutionen agitiert und gesammelt würde und da dies vor allem der Konzentration auf den Jemeniten-Fonds starken Abbruch tun könnte, so wurde von der Versammlung beschlossen, an das Berliner Zentralbureau die Bitte zu richten, derartige Besuche systematisch zu verteilen oder — wenn angängig in Fällen der Unopportunität zu verhindern. An diese Besprechung schloß sich eine angeregte Debatte über den Charakter der Bewegung in Amerika und die daraus folgenden Propagandamethoden an. Geschieht nämlich die Propaganda vorwiegend in jüdischer Sprache, so erhält die Bewegung' dadurch ohne weiteres den Charakter einer Proletarierbewegung, während man sich mit einem größeren englischen Propagandamaterial mehr an die amerikanischen, d. li. in der Praxis die an Bildung und Kapital höhergestellten Kreise wenden könnte. Wie Professor Friedländer betonte, sind von den 2 Millionen jüdischer Bewohner von Amerika ca. 1 500 000 Zionsfreunde und für den Zionismus zu gewinnen, allerdings nur bei einer geeigneten Organisation und Repräsentanz der Federation. Sodann berichtete Herr Lewin-Epstein ausführlich über die Berliner Jahresversammlung, indem er besonderen Nachdruck auf die Gründe legte, welche die Leitung bewogen haben, als Ort für den nächsten Kongreß Wien festzusetzen und indem er die in Berlin gemachten Einwände gegen die zionistischen Institutionen, hervorhob. Sein Bericht trug wesentlich, dazu bei, die hier vielfach unverstandenen Gegensätze in den Prinzipien der alten und der neuen Leitung sow ie deren leitenden Persönlichkeiten zu beleuchten; er schloß mit der Aufforderung an die Federation, diese Gegensätze eingehend zu studieren, um auf dein nächsten Kongreß möglichst wirksam in die Beschlüsse der Gesamtorganisation ein greifen zu können. Nach einer kurzen Mittagspause wurde zur Diskussion der zionistischen Presse der Federation übergegangen, die nach wie vor ein starkes Defizit aufweist. Es wurde beschlossen, eine stärkere Annoncen-Acquisition sowohl für den „Maccabean" wie für „Dos Jiddishe Folk" anzustreben, darauf hinzu wirken, daß jede der zionistischen Gesellschaften das auf dem Jahreskonvent beschlossene Fest zugunsten der zionistischen Presse veranstaltet und ferner einem Verein, der den „Maccabean" zu erwerben beabsichtigt, eventuell die volle Verantwortlichkeit für das Blatt zu übertragen. Den Schluß der Sitzung bildete ein Referat des Herrn Redakteur Goldberg vom „Jiddishen Folk" über die gegenwärtige Lage in der Türkei. Die Tagung, die von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr dauerte, hat wesentlich dazu beigetragen, den Geladenen ein deutliches Bild der Gesamtlage der Organisation zu geben. Wenn natürlich auch gewisse — aus den Verhältnissen des Landes erklärliche — Schwierigkeiten, die einer starken Entfaltung der Bewegung noch immer im Wege stehen, nicht beseitigt werden konnten, so werden doch zweifellos die Verhandlungen eine erhöhte und vor allem mehr systematische Wirksamkeit der Körperschaften zur Folge haben. In diesem Sinne ist die neue Einführung dieser periodischen Versammlungen sehr zu begrüßen. Der christlichen Feiertage wegen erscheint die nächste Nummer der „WELT“ bereits am Mittwoch, den 25. Dezember.