Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 51 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Herr M. Ussischkin, der Vorsitzende des Odessaer Palästina-Komitees, wird für die nächste Woche erwartet. Verschiedene praktische Fragen, insbesondere die Durchführung verschiedener Unternehmungen der Chowewe-Zion, wurden bis zu seiner Ankunft verschoben. Herr Gotz aus Moskau, der in letzter Zeit in Meran weilte, schickte verschiedene Fruchtarten aus Tirol nach der Farm Migdal (Medschdel), zu deren Bezitzern er gehört, damit man dort mit ihrer Anpflanzung Versuche anstelle. Im Beth-Am in Jerusalem sprach diese Woche Dr. A. L. Schimoni über ,,Das Gehirn und das Denken“. Die deutsche Kolonie „Wilhelma“ feierte vor kurzem ihr zehnjähriges Gründungsfest, an dem sich auch die Deutschen aus Jaffa und S a r o n a beteiligten. Wilhelma liegt zwischen Pethach-Tikwah und Ben-Schemen und hat wie Ben-Schemen einen schweren, speckigen Boden, der schwer zu bearbeiten ist und dazu noch sehr erschöpft war. Die ersten Jahre waren daher für die neuen Ansiedler sehr drückend. Glücklicherweise hatten sie niemand Rechenschaft von ihrer Arbeit abzulegen und waren daher auch nicht verpflichtet, gleich große kolonisatorische Erfolge zu zeigen. Sie konnten daher in Ruhe die besseren Jahre abwarten, die auch später kamen. Der Kolonie kam es auch zustatten, daß Agr. Keller dort arbeitete und ihr mit seinem Rat beistand. Jetzt ist Wilhelma eine stattliche Kolonie, deren Wohlstand hauptsächlich auf ihrem Viehstand beruht. Die Milchproduktion bringt eine Bareinnahme von ca. 40 000 Frs. Es gibt dort auch stattliche Pflanzungen. Den braven Kolonisten sei auch hier herzlich gratuliert. Schulwesen und Schrifttum Im Verlage des „Hapoel Hazair" erschien dieser Tage das erste Sammelbuch mtoym fl NH (Das Land und die Arbeit), von welchem bereits in der „Welt“ die Rede war. Das Buch enthält fast durchweg Arbeiten, die in den fünf Jahren des Bestehens des „Hapoel Hazair“ in dieser Zeitschrift erschienen sind. Im Vorwort sagen die Herausgeber: „Diese Sammelbücher, die wir jetzt zu publizieren anfangen, wollen sich nicht als rein literarisch präsentieren und der bloßen Theorie oder der Dichtung dienen. Vielmehr ist es unsere Absicht, in diesen Büchern . . . die Arbeit, die einfache Arbeit in Palästina darzustellen: ihren Beginn, die Schmerzen ihrer Entwicklung, die Leiden der Arbeitenden, ihre Bestrebungen, ihre Träume und ihre Irrungen. Die Arbeit ist nicht redegewandt und auch nicht redelustig. Die meisten, die hier zu Worte kommen, arbeiteten selbst und viele von ihnen arbeiten auch jetzt noch. Ihre Worte sind der Widerhall des Pfluges, der Sense und der Hacke.“ Dies sind also Bücher der jüdischen Arbeit, hauptsächlich der jüdischen Landarbeit, in Palästina. Sie wollen uns die Quintessenz des Arbeitsgedan ken s und das Bekenntnis seiner eifrigen Verfechter innerhalb der zionistischen Organisation begreiflich machen. Das erste Sammelbuch enthält Arbeiten von A. Z i o n i (Agr. Wilkansky), J. Schprinzak, R. Benjamin (J. Feldmann), J. Witk i n , A. Schochat, J. A h r o n o w i t z , M. Mamaschi, A. D. Gordon, S. Smilansky und K. L. Silmann. Die einzelnen Arbeiten verdienen eine besondere Würdigung. Hier sei nur bemerkt, daß unseres Erachtens eine Uebersetzung dieses Büchleins zu einer Vertiefung des palästinischen Gedankens beitragen würde. Vielleicht könnte der „Jüdische Verlag“ dies besorgen. In T e 1 - A w i w wird jetzt eine Abteilung der Bibliothek „Schaare Zion“ eröffnet, die sich mit dem bisherigen Beth- Hamikra von Nachalath-Benjamin vereinigen wird. Auch die Tachkemoni-Schule hat sich jetzt der literarischen Arbeit zugewandt, da sie ihren Zöglingen einen mehr der religiösen Tradition entsprechenden Lesestoff bieten möchte. Das erste Büchlein, welches sie jetzt veröffentlicht, enthält Erzählungen von Hermann Schwab, übertragen von J. Z. Rimon. Die Leitung der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethach- Tikwah teilt mit, daß auch auswärtige Schüler aufgenommen werden können. Für diejenigen Schüler, die in irgendeinem Gegenstände nicht genügend vorgebildet sind, wird eine besondere Vorbereitungsklasse eingerichtet werden. Ein jüdisches Schulmuseum für Palästina Jerusalem, den 3. Dezember 1912. Während des letzten Jahrzehnts hat das moderne jüdischpalästinensische Schulwesen einen sehr bemerkenswerten Aufschwung genommen. In diesem Zeitabschnitt haben sich nicht allein die früher hier bestehenden Volksschulen bedeutend erweitert, sondern es sind auch verschiedene neue Schultypen, vom Kindergarten bis hinauf zur höheren Schule, in Stadt und Land entstanden. Hängt ja von der Erziehung der heranwachsenden Geschlechter das Gedeihen des jüdischen Jischub in Palästina ah. Mögen auch die verschiedenen jüdischen Schulen in Methoden und Lehrplänen mehr oder weniger voneinander abweichen, was übrigens ein natürlicher Prozeß gesunder Entwicklung ist, sie steuern doch alle unentwegt demselben Ziele zu: das klassische Land der Bibel zu einem jüdischen Kulturzentrum zu machen. In einem Kulturzentrum müssen sieh aber notwendigerweise all diejenigen Faktoren vereinigen, die, sich gegenseitig unterstützend und ergänzend, kulturfördernd wirken. Ein solcher wichtiger Faktor ist unleugbar ein Schulmuseum. Die Bedeutung einer solchen Institution für Unterricht und Erziehung eines Landes weiß nicht nur die Lehrerschaft allüberall richtig ein zu schätzen, sondern sie wurde und wird auch von den staatlichen und städtischen Behörden aller Kulturländer erkannt. Eine Notwendigkeit geradezu ist ein solches Institut für das gesamte Bildungswesen im Orient, wo dem überwiegend größten Teil der Lehrer und Erzieher, fern von der großen Kulturwelt, die Erzeugnisse der modernen Lehrmittelindustrie und des Scluilbuchhandels sowie der schulliygicnischen Gebrauchsartikel fast völlig unbekannt bleiben. Anschaulichkeit ist die Grundbedingung für den Erfolg des Unterrichts, gute Lehr- und passende Anschauungsmittel vermögen allein jeden Unterricht zu befruchten, während nur günstige hygienische Bedingungen in der Schule Körper lind Geist der Kinder gesund erhalten können. Von diesen Gedanken geleitet, hat der Jerusalemer Zvveigverein des palästinensischen Lehrerverbandes ein Pädagogisches Museum in Jerusalem ins Leben gerufen. Dasselbe soll drei Abteilungen umfassen: 1. Eine historische Abteilung, die alles enthalten soll, was die geschichtliche Entwicklung des palästinensischen Schulwesens betrifft, 2. eine Abteilung für Lehr- und Lernmittel, Schulgeräte, Schulbücher und pädagogische Werke, und 3. eine Abteilung für Schulhygiene. Die palästinensische Lehrerschaft und insbesondere diejenige Jerusalems, die von der Bedeutung ihrer schweren Aufgabe durchdrungen ist, ist bereit, den Ausbau dieses Instituts mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Sie ist hierbei aber auch auf die opferwillige Unterstützung seitens der weiten jüdischen Kreise im Ausland angewiesen. Die Leitung des Instituts wendet sich an alle Schulleiter, Lehrer und pädagogischen Schriftsteller sowie an Fabrikanten und Kaufleute mit der Bitte, dieses Kulturwerk in Palästina durch Uebersendung von musterhaften Lehr- und Lernmitteln für Kindergärten, Volks-, Mittel- und höhere Schulen, von Schul-