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Die Welt · 1912-12-20 · 51 (20.12.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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bäude steckte er eigenes Kapital sowie namhafte Geldmittel seines reichen Schwiegervaters hinein. Die Ausgaben der Jeschibah beliefen sich jährlich auf mehr als 100 000 Frs. — bis vor zwei Jahren die Krise in den hiesigen Anstalten des alten Jischub ausbrach, von der die Jeschibah in hohem Maße betroffen wurde. Seit damals hatte Rabbiner Winograd harte Kämpfe mit den Gläubigern und mit seinen Gegnern, die er in den rabbinischen Kreisen stets hatte, auszufechten. Ueberhaupt gilt von ihm das Wort des Dichters: „Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.“ Er war als Mann der Tat, begabt mit einer ungewöhnlichen Energie, eben eine ungewohnte Erscheinung unter den Jerusalemer Rabbinern, die in kein dauerndes Verhältnis zu ihm gelangen konnten. Während nun die einen ihn mit glühendem Haß verfolgten, waren die anderen ebensosehr für ihn begeistert. — Dem Vernehmen nach wird die Jeschibah von seinem Bruder, der noch in Rußland weilt, weiter geleitet werden. Dieser Tage übergab der Chachambaschi der hiesigen Schulbehörde 800 Frs., die in den Schulen und Talmud- Thoras von Jerusalem für den Roten Halbmond gesammelt wurden. Weitere 1000 Frs., die in den hiesigen aschkenasischen und sephardischen Gemeinden gesammelt wurden, wird der Chachambaschi demnächst dem Gouverneur zum gleichen Zweck übergeben. Der Vorsitzende der Schulbehörde ersuchte den Chachambaschi in einem Schreiben, den Juden den Dank der Regierung auszusprechen. Die Werkstatt für Perlmutterarbeiten, die hier auf Rechnung des Herrn Nathan Straus gegründet wurde, entwickelt sich gut, und es ist zu hoffen, daß sie einer Anzahl Familien den Lebensunterhalt verschaffen wird. Die Bezalelschule geht jetzt daran, in Jerusalem selbst eine Verkaufsstelle für ihre Produkte einzurichten. Zu diesem Zwecke errichtet der Bezalel am Jaffator, wo hier der größte Verkehr ist, einen Pavillon, in dem auch andere Arbeiten, wie beispielsweise die der Perlmutterwerkstatt zum Verkaufe gelangen werden. Der Pavillon, auf dessen stattliche Ausführung besonderes Gewicht gelegt wird, dürfte in einem Monate bereits vollendet sein. Dr. Brünn, der Leiter des hiesigen Gesundheitsamtes, erhielt von Herrn Nathan Straus aus New York 10 000 Frs., die als Unterstützung für die durch den Krieg in eine Notlage geratenen Familien dienen sollen. Hebron, 1. Dezember. Herr David J e 11 i n aus Jerusalem ist hier eingetroffen, um die Streitigkeiten, die zwischen den sephardischen. Rabbinern und dem Leiter der Schule des Hilfsvereins eingetreten sind, zu schlichten. Bis jetzt konnte die Schule infolge dieser Zwistigkeiten nach den Ferien nicht wieder eröffnet werden. Die sogenannten Chabad-Chassidim (die Anhänger einer etwas philosophisch angehauchten Richtung im Chassidismus) haben in den letzten Jahren immer mehr unsere Stadt zu ihrem palästinischen Zentrum gemacht, wo sie eine eigene Jeschibah unterhalten. Da nun in diesem Jahre der 100. Todestag des Begründers dieser Richtung, des „Raw“ R. Senior Salrnan von Lady, wiederkehrt, begingen die hiesigen Chabadäer den 19. Kislew, der für sie ebenfalls einen Gedenktag bildet, mit besonderer Feierlichkeit. Jaffa, 1. Dezember. Herr Agr. Brüll, ein hiesiger Beamter der J. C. A., weilte 7 Monate in Kalifornien, um die dortigen Baumkulturen und Arbeitsmethoden kennen zu lernen. Ueber die Ergebnisse seiner Forschungen wird er in den Kolonien referieren. Auf seiner Rückreise hat er auch in Paris Herrn Baron Edmund Rothschild Bericht erstattet, der von neuem sein großes Interesse für die palästinensische Kolonisation bekundete. Der hiesige Chachambaschi wurde aufgefordert, diesen Posten in Smyrna zu übernehmen. Der Chachambaschi hat das Angebot nicht angenommen. S a f e d , 1. Dezember. Hier wurde ein Spitzenatelier eröffnet, mit dessen Leitung Frau Soffermann beauftragt wurde. Es meldeten sich gleich 120 jüdische Mädchen, von denen vorläufig nur 50 aufgenommen werden konnten. Die Judenmission, die hier viel energischer als in den anderen palästinischen Städten arbeitet, hat bereits begonnen, gegen das Atelier zu kämpfen, indem sie ebenfalls die Spitzenarbeit einführte und für jede Arbeit, ohne Unterschied der Qualität, einen über den Wert der Leistung weit hinausgehenden Lohn zahlt, da sie es ja mehr auf Seelenfängerei als auf Schaffung ehrlicher Arbeitsgelegenheit absieht. Ueberhaupt hat die Mission in den vielen Jahren ihrer hiesigen Tätigkeit sehr viel zur Schwächung des jüdischen Ehrgefühls beigetragen. Die Loge der Bhie ßrith und die der „Makkabäer“, die Schule des Hilfsvereins und das neu errichtete Spitzenatelier sind nach Möglichkeit bemüht, dem Seelenfang der Mission entgegenzuwirken, sie finden aber darin bei der hiesigen Orthodoxie leider nur geringe Unterstützung. Dr. A. Kohn, der bis jetzt Koloniearzt in Pethach- T i k w a h war, ist als Arzt des hiesigen jüdischen Hospitals engagiert worden. Aus den Kolonien Rischon le-Zion. Am 9. Dezember wird hier die Generalversammlung der jüdischen Winzer stattfinden, an der sich auch Delegierte und Mitglieder aus anderen Kolonien beteiligen werden. Rechoboth. Herr Aaron Eisenberg von hier erhielt dieser Tage ein Telegramm von seinem Sohne, Leutnant Eisenberg, in welchem mitgeteilt wird, daß er an der letzten, für die Türken günstig ausgefallenen Schlacht bei der Tschataldschalinie teilgenommen habe und wohlauf sei. — Die Parzellierung des hiesigen Bodens, der für das weitere Jemenitenviertel bestimmt ist, wird diese Tage beendet werden. Gederah. Herr Dr. agr. Zagorodsky verbrachte die letzte Woche bei uns. Da jetzt die Bestellungszeit ist, in der die Kolonisten vor vielen praktischen Fragen in ihrem landwirtschaftlichen Betrieb stehen, so wurde Dr. Zagorodsky von fast allen unseren Kolonisten um seinen fachmännischen Rat ersucht. Es stellte sich dabei heraus, daß die Kolonisten viel zu hohe Preise für Maschinen und Kunstdünger bezahlen und daß die Schaffung einer auch mit den Interessen des Landwirtes rechnenden Zentraleinkaufsstelle von großem Nutzen wäre. Pethaeh-Tikwah. Ueber die Geschichte der hebräischen Literatur seit Mendelssohn wird Herr J. Rabinowitz einmal wöchentlich während des ganzen Winters Vorträge halten. Der Preis für die Teilnahme an dem gesamten Kursus beträgt 6 Frs. Die Vorträge haben bereits begonnen und sie werden von ca. 40 Personen besucht. Die Gesellschaft „Para es“ hat zur Organisierung des Orangenverkaufs einen Vertreter nach Liverpool und einen andern nach Odessa entsandt. Vorläufig scheint der Orangenmarkt in Liverpool sehr flau zu sein. Kleine Nachrichten Die Jaffaer Militärbehörden erhielten einen Befehl, sofort militärische Aushebungen in weitem Umfange vorzunehmen und die für tauglich Befundenen gleich zum Militärdienst heranzuziehen. Es scheint also, daß die Regierung sich noch für langdauemde Kämpfe vorbereitet.

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