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Die Welt · 1912-12-20 · 51 (20.12.1912) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1507 * \ Nr. 51 DIE^ELT heit tiefe Unzufriedenheit hervorgerufen. Oie jüdisch-demokratische Gruppe in Petersburg hat eine scharfe Protestresolution dagegen gefaßt, und die gesamte jüdische Presse in Rußland verurteilt entschieden das Verhalten der jüdischen „Schweige-Politiker". Diese Politiker, so schreibt „Der Fraind", hä den von den deutlichen Zeichen der Zeit nichts gelernt und noch immer nicht den Mut gefunden, die veraltete Hintertrepnen-Methode aufzugeben und in einen offenen, furchtlosen Kampf gegen Entrechtung und Unterdrückung einzutreten. * In ähnlicher Weise äußert sich auch der bekannte Schriftsteller Eli!lei Zeitlin im „Moment“. Die Erörterung der Judenfrage könne und dürfe nicht auf Schleichwegen betrieben werden. Die Nichterwähnung derselben im Entwurf der Kadetten sei auch vom Gesichtspunkte der Opportunität nutzlos. Die Nationalisten und Oktobristen würden zu der Vorlage sicherlich den Zusatz „mit Ausnahme der Juden“ beantragen, und auf den entschiedenen Widerspruch der Kadetten hiergegen sei nicht mit absoluter Bestimmtheit zu rechnen. Dieselbe Ansicht vertreten mit erfreulicher Einmütigkeit auch die anderen jüdischen Zeitungen. * Der Boykott gegen die Juden in Russisch-Polen nimmt immer schärfere Formen an. Jetzt beteiligen sich daran, wie der „Hajnt“ berichtet, sogar — die Schulkinder. Die Atmosphäre in den Schulen ist nach den Schilderungen des Blattes für die jüdischen Kinder unerträglich geworden. Die polnischen Mitschüler schließen sie von ihrer Gesellschaft aus, sprechen überhaupt nicht mit ihnen, es sei denn, um sie zu beschimpfen. Die polnischen Eltern sind nicht nur mit dem patriotischen Verhalten ihrer Kinder einverstanden, sondern eifern sie direkt an, die Judenkinder zu „boykottieren“. Die russischen Polen scheinen den Ehrgeiz zu haben, sich als Musterantisemiten auszuzeichnen. : PALÄSTINA-RUNDSCHAU 4- ■- - - - ■ —: — b (Von unserem Berichterstatter.) Die Häuserbaubewegung der jüdischen Handwerker in Jerusalem Vor einiger Zeit berichtete ich über den Zusammenschluß der hiesigen jüdischen Zimmermaler und Anstreicher, sowie über die Bautätigkeit der Handwerkervereinigung „J e g i a K a p a j i in“. Die Bestrebungen zur Hebung des jüdischen Handwerkerstandes in Jerusalem haben ungefähr vor sechs Jahren eingesetzt, zur Zeit, als die zionistische Organisation durch ihre Institutionen sowie durch Förderung der Privatinitiative sich mehr und mehr der praktischen Palästina-Arbeit zuwandte. Insbesondere waren es Prof. B. Schatz, Joschp e h , S a 1 o m i a k u. a., die der Notlage des Handwerkerstandes warmes Interesse entgegenbrachten. Man suchte zunächst die Zahl der Handwerker zu erheben und ihre Lage kennen zu lernen. In den damaligen Beratungen der „Jegia Kapajim"-Vereinigung, an denen die genannten Herren leilnahmen, stellte es sich heraus, daß der größte Uebelstand für die allermeisten Handwerker in der W o h n u ngsnot besteht. Es wurde daher beschlossen, zunächst für den Bau eines Handwerkerviertels Sorge zu tragen. In einer Broschüre, die die „Jegia Kapajim" damals veröffentlichte, wurde übrigens auf Grund früher an ge st eilt er statistischer Erhebungen mitgeteilt, daß in den Jahren 1897 bis 1907 über 500 jüdische Handwerker aus Jerusalem ausgewandert sind. Ich weiß nicht, ob diese Angaben, die an und für sich nicht übertrieben erscheinen, auf ganz genauen Ermittlungen beruhen. Daß aber jedenfalls eine beträchtliche Auswanderung arbeitsamer, produktiver jüdischer Elemente in einem Jahrzehnt zionistischer Tätigkeit vor sich gehen konnte, ohne daß etwas zur Eindämmung dieser Auswanderung geschah, ist ein Beweis mehr, wie notwendig es auch vom politischen Gesichtspunkte war, daß wir uns der realen Arbeit in Palästina intensiver zuwandten. Der jüdische Handwerkerstand in Jerusalem hat eine scharfe Konkurrenz mit den christlichen Handwerkern zu bestehen. Während noch vor 25 Jahren das Handwerk fast ausschließlich von den Juden gepflegt wurde, verstanden es die verschiedenen christlichen Gemeinden später, die heranwachsende Jugend immer mehr im Handwerk auszubilden. Da nun diese Gemeinden meist sehr reich sind und ihren Angehörigen, wie es beispielsweise bei den Jerusalemer Griechen der Fall ist, nicht bloß unentgeltlich Wohnungen zur Verfügung stellen, sondern ihnen auch monatliche Subventionen zuteil werden lassen, so hat der jüdische Handwerker, der jn seiner Gemeinde nicht auf die gleiche Förderung rechnen kann, in der Konkurrenz mit seinem christlichen Berufsgenossen einen schweren Stand. Dazu kommt, daß bei den großen Bauarbeiten, die in Jerusalem von den christlichen Gemeinden jahraus jahrein durchgeführt werden, Juden fast gar nicht beschäftigt werden. Als nun die Handwerkervereinigung „Jegia K a p a j i m“ aus eigenen Mitteln ein Bauterrain erwarb und sich nun bestrebte, eine Anleihe für den Bau eines Handwerker-Viertels zu erhalten, hatte sie darin keinen Erfolg. Nach langem vergeblichen Warten sahen sich die Mitglieder gezwungen, mit ihren eigenen unzulänglichen Geldmitteln zu bauen. Manche erhielten auch Darlehen von privaten Gläubigern zu nicht gerade niedrigen Zinsen. Die Folge ist, daß die bis jetzt fertiggestellten 60 Häuschen nichts weniger als einen erfreulichen Eindruck machen. Die Mehrzahl der Mitglieder konnte bisher mit dem Bau überhaupt noch nicht beginnen. Wie nun verlautet, ist die Amsterdamer Chalukah-Verwaltung entschlossen, diese Angelegenheit in die Hand zu nehmen und eine Aktion zugunsten der Baubestrebungen der hiesigen Handwerker einzuleiten. Im Interesse der Handwerker wäre nur zu wünschen, daß dies möglichst bald geschieht. Bis nun hat sich der in den palästinischen Städten auf Grundlage gemeinsamer Darlehen durchgeführte Häuserbau durchweg moralisch und materiell glänzend bewährt. Es ist daher mit Sicherheit anzunehmen, daß auch weiterhin die Häuserbaubewegung von Erfolg gekrönt sein wird. Da nun in Jaffa dem Vernehmen nach der Jüdische Nationalfonds, dem ja bekanntlich auch die Erbauung von T e 1 - A w i w zu verdanken ist, entschlossen ist, den jüdischen Handwerkern in der Wohnungsfrage behilflich zu sein, so wäre es nur recht, wenn die Amsterdamer Chalukahleitung ihrerseits den Handwerkern Jerusalems Hilfe bieten wollte. Aus den Städten Jerusalem, 1. Dezember. Dieser Tage verschied hier der Gründer der Jeschibah „Torath Chajim", Rabbiner Jizchak W i n o g r a d. Vor 26 Jahren kam er nach Jerusalem mit dem ausgesprochenen Ziele, eine neue große Jeschibah für das Talmudstudium zu gründen. In die für die Zwecke der Jeschibah nötigen Geü

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