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Die Welt · 1912-12-20 · 51 (20.12.1912) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51 1591 DIE^ELT Sie logieren in Synagogen, Turnhallen des „Makkabi", einer Glasfabrik und in gemieteten Häusern. Es wurden für sie 153 Ballen Wäschestoffe verarbeitet, MO wollene Decken, 585 Matratzen, 610 Kissen, 725 Oberdecken und 120 Strohteppiche angeschafft. Nahrung erhalten sie zum Teil von der Stadtverwaltung, die hier und da Brot verteilt, zürn größten Teil aber von der jüdischen Kommission, die ihnen pro Kopf und Tag iy2 Piaster, d. i. 30 Centimes, in Wochenraten austeilt. Die Summe der Ausgaben belief sich bis zum Berichtstage auf etwa 30 000 Frs.*). Jetzt ist jeden Tag ein Betrag von mindestens 1000 Frs. auf zu wenden. Der Gesundheitszustand der Flüchtlinge war zuerst sehr gut, jetzt ist er weniger befriedigend. In Balat herrscht eine Typhus-Epidemie (17 Fälle), in Stambul die Cholera (13 Fälle, davon 3 bis jetzt tödlich). Meningitis, Scharlach und Lungenentzündung kommen in Einzelfällen vor. Immerhin ist die sanitäre Lage gegenüber der der übrigen Flüchtlinge in der Hauptstadt als glänzend zu bezeichnen. Bis jetzt sind an Hilfsgeldern eingelaufen: 22 500 Frs. vom Orden Bne Berith, 15 000 Frs. von der Alliance Israelite und 10 000 Frs. vom Hilfsverein. Außerdem für Adrianopel speziell: von der Alliance 20 000 Frs., vom Hilfsverein 10 000 Frs. Eine Reihe kleinerer Spenden laufen auf dem Großrabbinate, bei der Loge und bei der Anglo- Levantine-Bank ein. Der Wiener israelische Kultusvorstand und das Palästinawerk (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Seit einigen Jahren veranstaltet der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde in der Wintersaison eine Reihe allgemein zugänglicher Vortragsabende. Den diesjährigen Zyklus eröffnete ein sehr bemerkenswerter Vortrag des Gemeinderabbiners, Herrn Dr. Grunwald, der von einer Studienreise durch Palästina zurückgekehrt ist und in zweistündiger Rede „Das neue Palästina" schilderte. Dr. Grunwald sprach mit großer Wärme von dem neuen jüdischen Leben in den Kolonien, von der prächtigen jüdischen Villenstadt Tel-Awiw, von der w jede ra u f bl üb enden jüdischen Kultur in Erez-lsrael und mit besonderer Begeisterung von unserer palästinensischen Jugend. Auf Grund der von ihm als Seelsorger und Schulmann an Ort und Stelle gesammelten Eindrücke erklärte er die von einzelnen Blättern und strengggläubigen Organisationen gegen das hebräische Gymnasium in Jaffa erhobenen Vorwürfe als nicht begründet. Die Organisation der Anstalt und der Lehrplan seien musterhaft, der Geist des Lehrkörpers und der Schüler ausgezeichnet. Die Leitung berücksichtige berechtigte Wünsche der das Gymnasium fördernden Körperschaften. Der Vortragende berichtete auch eingehend über das neue, vortreffliche Einwandererelement, die jemenitischen Juden. Wenn auch Herr Dr. Grunwald der grundlegenden Bedeutung des Kongreßzionismus für das Palästinawerk nicht völlig gerecht wurde, so ist doch mit Genugtuung zu konstatieren, daßseine Ausführungen von echt nationalem Geiste durchweht waren und daß er in bezug auf das Kolonisationsproblem und das Kultur werk durchaus unsere Ansichten teilt. *) Bis heute sind es schon über 45 000 Frs. Dies dokumentierte Herr Dr. Grunwald, indem er anregte, der Wiener Kultus vor stand möge sich in folgender Weise am Palästinawerke beteiligen: 1. Er möge die Initiative zur Gründung einer eigenen jüdischen Farm in Palästina ergreifen, die den Namen Wiens tragen solle. 2. Er möge die Gründung eines s t ä n d i g e n j ü d i s c h e n Bazars in Wien veranlassen, in welchem die Erzeugnisse jüdisch-palästinensischen gewerblichen und kunstgewerblichen Fleißes feilgeboten werden sollen. 3. Auf die C h a 1 u k a , deren nachteilige Wirkungen der Referent unumwunden zugesteht, sei entsprechend Einfluß zu nehmen. Zur Durchführung dieser Aufgaben empfiehlt Dr. Grunwald die Gründung eines eigenen Palästinakomitees im Kultusvorstand e. Mit Nachdruck betonte er auch, daß die Anfänge einer jungjüdischen Kultur in Palästina von allen Juden, ohne Unterschied der Gesinnung und Partei rieh tu ng, gepflegt werden müßten und daß es Pflicht aller Volksgenossen — auch der zionistisch nicht organisierten — sei, sich an dem palästinensischen Kolonisations werke zu beteiligen. Trotz aller Zeitungsenten sei gerade jetzt der günstigste Zeitpunkt gekommen, an der wirtschaftlichen und kulturellen Erschließung des alten Judenlandes mitzuwirken. Nach dem Vortrage, der durch zahlreiche Lichtbilder illustriert war, ergriff der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Stern, das Wort. Er nehme den so günstigen Bericht über die Studienreise Dr. Grunwalds durch das neue Palästina, sowie seine positiven Vorschläge zur Kenntnis. Schon der vorjährige Vortrag Dr. Mossinsohns, den er vor dem Wiener israelitischen Kultusvorstande hielt, sei geeignet gewesen, die in einzelnen ausländischen jüdischen Blättern geäußerten Bedenken gegen den Lehrplan dieser Anstalt zu zerstreuen. Nunmehr habe auch der Bericht des Herrn Dr. Grunwald dem Gymnasium das beste Zeugnis ausgestellt. Er hoffe, daß der Wiener Kultusvorstand auf Grund dieser Informationen in größerem Maße, als bisher, an der Erhaltung des Jaffaer hebräischen Gymnasiums teilnehmen werde. * Der massenhafte Besuch des Abends — viele Hunderte konnten, wie Herr Dr. Stern selbst konstatierte, keinen Einlaß finden — und die Begeisterung des Publikums, das die von zionistischen Studenten angestimmte Hatikwah mitsang, haben wieder bewiesen, in wie weite jüdische Kreise der Geist der jüdischen Moderne eingezogen ist und daß unser Vorstand die freudige Zustimmung der breiten jüdischen Masse fände, wenn er volles Verständnis für die zionistische Weltbewegung und unser heiliges Palästina werk an den Tag legte. Die jüdische Großgemeinde Wien an der Spitze aller jüdischen Gemeinden, die Stadt Theodor Herzls als leuchtendes Beispiel opferfreudiger Teilnahme an der Schaffung unserer Heimstätte in Erez-lsrael — — es wäre ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Der Antisemitismus der Tschechen (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Ein Führer der tschechisch-jüdischen Assimilanten unterzieht sich in einer der letzten Nummern des Assimilantenorgans „Rozvoj" der Mühe, ein Verzeichnis aller jener tschechischen Institute zusammenzustellen, die keine Juden anstellen. Das Ergebnis ist interessant. Alle Institute, die unter Leitung der Jungtschechen stehen (das ist die herrschende tschechische

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