Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316564--56838-3350796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 50 1564 NEBELT noch sind und die sich noch als solche erkennen, bleibt es ewig klar, daß das- Licht der Ewigkeit durch jedes Volkes Seele hindurchgeht und daß es das tiefst Auszeichnende eines Volkes ist, in welcher Farbe dort dieses Licht sich bricht, in welchem Glanze es dort erstrahlt. Also haben die Makkabäer weder für ihr Volk, noch für ihren Glauben gekämpft, sondern für etwas Einziges und Wesentliches, woraus erst durch die kleinliche analytische Teilungswut der Europäer jene zwei getrennten Begriffe und Erscheinungen geworden sind. Um uns ist schwarze Nacht. Aber noch brennen still und friedlich Chanukah-Lichtlein. Vielleicht birgt ihre fröhliche Feierlichkeit noch einige Hoffnung. Vielleicht besinnen wir uns doch noch alle auf uns selber und steigen auf zur Reinheit und Schöne. Und vielleicht finden auch noch einmal selbst unsere europäischen Menschenbrüder, denen wir seit den Tagen der Hellenisten nachzubuhlen nicht müde werden, die Straße, von der wir niemals hätten abirren sollen. Vielleicht . . . Vielleicht . . . Dr. Nathan Birnbaum. f 'L j PALÄSTINA-RUNDSCHAU J (Von unserem Berichterstatter.) Jerusalemer Chronik Jerusalem, 24. November. Zu den Eigentümlichkeiten des jüdischen Lebens in unserer Stadt ist gewiß auch der Geldmarkt zu zählen, der seine eigenen inneren Gesetze hat, oft unabhängig von der allgemeinen Lage des Geldmarkts. Der heimische Geldmarkt hat seine Quellen in den Ersparnissen alter Leute, die hier ihren Lebensabend verbringen und nun ihre Spargroschen gewinnbringend verleihen wollen, dabei aber mit dem Mechanismus einer Bank sich nicht befreunden mögen. Auch so manches Ehepaar, das über eine Mitgift verfügt, ohne gleich mit dem Uelde ein Geschäft unternehmen zu wollen, sieht sich oft nach ihm zusagenden Entleihern um. Andererseits sind ja fast die meisten Jerusalemer Institutionen des alten Jischub in ihren Budgets ungesichert und auf Kredite angewiesen, die zumeist, mangels bestimmter Sicherheiten, einzig auf der Grundlage des Vertrauens gewährt werden, was ebenfalls in vielen Fällen für geordnete Banken kein gangbarer Weg ist. Auch viele Kaufleute sind auf Personalkredit angewiesen, können ihn aber bei den sehr unzulänglichen Kreditverhältnissen des Landes nicht immer bei den Banken finden. Auf diese Weise sind die Voraussetzungen für einen Geldmarkt gegeben, der auch seit Jahren besteht und gewissermaßen seine eigene Börse hat. Dieser Markt ist nun vor zwei Jahren, als einige der wichtigsten Institutionen des alten Jischub zusammengebrochen waren, stark ins Stocken geraten. Die Gläubiger wurden scheu und zogen ihre Gelder ein. Diese Zeit ist jedoch vorüber. Die Institutionen wurden teilweise reorganisiert, sie lernten besser zu wirtschaften und die inzwischen unbenutzt liegenden Gelder drängten wieder zum Markt. So kommt es, daß, während der allgemeine Geldmarkt augenblicklich Geldknappheit und eine Verteuerung des Kapitals aufweist, der Barometer dieses jerusalemitischen Spezialmarkts davon unberührt bleibt. In letzter Zeit suchten Gruppen von Kolonisten, besonders Orangeriebesitzer in Pethach-Tikwah, auf unserem Markt größere Anleihen aufzunehmen, was gewiß wieder ein Steigen der Rente verursachen wird. Jedenfalls ist es interessant, daß auf diese Weise Gelder des alten Jischub für das Werk der landwirtschaftlichen Kolonisation verwendet werden, wenn auch ein Kolonist unmöglich bei einem so teuern Kredit reüssieren kann. Das Gros der jerusalemitischen Bevölkerung, das natürlich keine Geldgeschäfte betreibt, macht hingegen jetzt eine Periode der Verteuerung der Lebensmittel durch, die sehr drückend ist. Hier kostet beispielsweise jetzt ein Glas Milch 20 Cts. Alle jene Gebrauchsartikel, die nach Palästina importiert werden, wie beispielsweise Petroleum, Mehl usw. sind durch die jetzigen Störungen des Transportes, die durch den Krieg verursacht wurden, ungemein verteuert worden. Es finden daher hier Beratungen statt, wie man dieser Teuerung begegnen könnte. Es wird vorgeschlagen, daß die Kolelim große Bestellungen dieser Artikel im Auslande machen sollen, um sie dann zum Selbstkostenpreis der Bevölkerung zu verkaufen. Die tiefwurzelnde religiöse Verehrung, die die frommen Juden für Jcruschalajim hegen, ist noch immer ein erfreulicher Ansporn zu Taten. So wird jetzt eine neue Jeschibah mit Wohnhäusern für Talmudgelehrte in der Nähe des Hospitals „Misgab ledacfU erbaut werden. Für diesen Zweck hat, nach einer Meldung des „Haor“, ein Verwandter der Brüder Sasson in Indien mehr als eine Million Franks hinterlassen. Zwanzig Chachamim sollen dort, nach seinem Testamente, Tag und Nacht dem Studium des Talmud und der Kabalah obliegen und von dem Legat ihren Lebensunterhalt beziehen. Die Gebäude selbst werden ca. 300 000 Frs. kosten. Noch am vorigen Samstag fand in der Omarmoschee ein feierlicher Gottesdienst für das Heil des Vaterlandes statt, bei welchem der hiesige Gouverneur, Muhaddi Bey, die Bevölkerung ermahnte, ruhig und besonnen zu bleiben und keinerlei Konflikte heraufzubeschwören. Tatsächlich verlief auch das dieser Tage begangene, den Moslims so sehr heilige Beiramfest, von dem manche Ausbrüche des Religionshasses befürchteten, sowohl hier wie im ganzen Lande vollständig ruhig. Wie immer, stattete auch diesmal der Chachambaschi in Begleitung angesehener Juden anläßlich dieses Opferfestes dem Gouverneur sowie den anderen Honoratioren Besuche ab, die mit dem üblichen Zeremoniell ausgenommen wurden. Nun hat auch die römisch-orthodoxe Geistlichkeit der Regierung einen Betrag zur Verfügung gestellt, und zwar 2000 Frs. — Der italenische Konsul sowie mehrere italienische Staatsangehörige sind bereits hierher zurückgekehrt. — Das „Gesundheitsamt“, das sich bis jetzt im Hospital der Belladie befand, mietete nun eine eigene geräumige Wohnung; Herr Nathan Straus, der Schöpfer dieser Institution, wird hier in den nächsten Monaten erwartet. Aus den übrigen Städten Jaffa, 24. November. Anläßlich der jährlich wiederkehrenden Generalversammlung der hiesigen Bibliothek „Schaar Zion“ hat der Vorstand einen Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr veröffentlicht. Die Bibliothek besitzt jetzt 6715 Bücher, davon 3600 in hebräischer, 1650 in russischer, 810 in deutscher, 440 in französischer, 120 im Jargon und 05 in verschiedenen Sprachen. Im Lesesaal befanden sich 35 Zeitungen. Ausgeborgt wurden die Bücher im abgelaufenen Jahre 8221 mal. Die Ausgaben