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Die Welt · 1912-12-13 · 50 (13.12.1912) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1562 Nr. 50 DIE^ELT zeitigen Gemeindeführer schuld sein. Die Herren fühlen es nämlich, daß ihre Tage gezählt sind. Fortdauer der Judenausweisungen in Rußland (Von unserem Berichterstatter.) Petersburg. Die Ausweisungspraxis gegenüber den Juden, die in den letzten Jahren immer schärfere Formen angenommen hat, dauert auch weiter an, und namentlich in den Gouvernements Jekaterinoslaw, PodoÜen und Wolhynien werden Massenausweisungen von Juden aus den Dörfern vorgenommen, was für zahllose Familien, namentlich jetzt im Winter, den völligen Ruin bedeutet. Im Kreise Dubno sind 200 Familien ausgewiesen worden, und so bestehen nur sehr geringe Aussichten, daß diese harte Maßnahme noch im letzten Augenblick durch den Senat aufgehoben wird, an den die Juden appelliert haben, ln Kiew hat eine Gruppe von Juden, die aus den Dörfern ausgewiesen wurden, bei dem Senat und dem Minister des Innern Beschwerde erhoben. Durch das Stolypinsche Zirkular vom Jahre 1007 war nämlich allen Juden, die sich bis zum August 1906 außerhalb des Ansiedlungsrayons niedergelassen hatten, das Wohnrecht verliehen worden. Jetzt aber werden zahlreiche Familien, entgegen den Bestimmungen dieser Verordnung, durch die Willkürpraxis der Gouverneure ausgewiesen, und die antisemitischen Stimmungen, die im Senat herrschen, dürften die Beschwerden der Betroffenen illusorisch machen. Die russisch - amerikanische Paßfrage ungelöst (Von unserem Berichterstatter.) New York. Nachdem sowohl die französische wie die englische Staatsregierung in der Frage der Judenpässe in Rußland jede energische Aktion abgelehnt haben, ist die Hoffnung, daß das Taft-Kabinett den neuen Handelsvertrag in einer für die amerikanische Judenheit befriedigenden Weise formulieren werde, illusorisch geworden. Die ganze Angelegenheit wird dem Wilson-Kabinett zur Erledigung übergeben werden, ohne daß man von diesem eine günstige Lösung der Frage erhofft. In den Kreisen der Vertreter europäischer Staaten in Washington hat man sich von vornherein wenig von der Maßregel einer Kündigung des Handelsvertrages versprochen. In denselben Kreisen wird auch, wie hiesige Tageszeitungen berichten, die Ansicht ausgesprochen, daß Rußland so lange eigensinnig auf seinem Standpunkt zu beharren gedenke, bis man ihm von keiner Seite mehr Widerstand entgegensetzt; dann erst soll angeblich auf eine Aenderung der Lage zu rechnen sein. (?) Vorläufig wird auf das Zustandekommen eines Interimsvertrages noch vor dem Ablauftermin des alten Vertrages (31. Dezember) hingearbeitet, um einen Zollkrieg zu verhüten. Hilfsaktion zu Gunsten derjuden in der Türkei und den Balkanländern Auf Veranlassung der Federation der orientalischen Juden wurde am 24. November in New York eine Versammlung abgehalten, welche die Aufbringung von Fonds zugunsten der bedrängten Juden im Kriegsgebiet zum Ziel hatte. Ansprachen hielten Jacob FL S c h i f f, Oscar S. S t r a u s, Dr. M a g n e s, Louis Lipsky (vom Fxekutiv-Comite der Zionistischen Federation), Dr. Men des und Dr. de Sola Pool. Jacob H. Schiff verlas drei Telegramme von Dr. Nathan, dem Vizepräsidenten des Hilfsvereins in Berlin, und richtete einen warmen Appell um Beihilfe an die Versammlung. Dr. Mannes schlug die Gründung einer dem Roten Kreuz entsprechenden Gesellschaft unter dem Namen: „Der rote Stern oder Davidsschild“ vor, ohne daß jedoch dieser Antrag akzeptiert wurde. Eine zum Schluß des Meetings vorgenommene Sammlung ergab einen Ertrag von 1600 Dollars. Zum Andenken an Ida Straus Inn Heim der ,,Töchter Jacobs“', einem New Yorker Altenheim, wurde am 24. November eine Gedenktafel für Ida Straus enthüllt. Die schwere Bronzetafel trägt die Inschrift: „Zum ewigen Andenken an Ida Straus, eine der edlen und heldenhaften Töchter Israels, gestiftet von den Verwaltern des Hospitals. Sie starb auf hoher See beim Untergang der „Titanic“ zusammen mit ihrem Gatten Isidor Straus, Staatsmann, Philanthrop und Kaufmann, nachdem sie beharrlich alle Rettungsversuche zurückgewiesen hatte, um die letzten Augenblicke ihres Lebensgefährten zu erhellen.“ Darunter stehen die Worte: „Wo du stirbst, da will ich auch sterben, und dort will ich begraben sein. Ruth.“ An der Feier nahmen sämtliche Mitglieder der Familie Straus sowie die 186 Pfleglinge des Altersheims teil. Ein Angriff gegen Nathan Straus Das großartige philanthropische Werk, mit dem seit Jahren unser Gesinnungsgenosse Nathan Straus für das Wohl der Stadt New' York sorgt, ist die Einrichtung und Unterhaltung von Stationen zur Verabreichung keimfreier Süuglingsmilch, die über ganz New' York verbreitet sind. Trotzdem Tausende von dieser wundervollen Einrichtung profitieren, gibt es immer wieder nichtswürdige Zweifler, die von Zeit zu Zeit gehässige Verdächtigungen gegen den Spender und sein Werk ausstreuen. So ist kürzlich gegen Herrn Straus die Anklage erhoben worden, er betreibe seine Milchstationen als eine Einnahmequelle für sieh seihst, und er hat daraufhin seine Bücher der staatlichen Gesundheitsbehörde zur Nachprüfung vorgelegt. In Beantwortung der Kritiken haben das New York Milk Committee und die Babies’ Welfare Association nunmehr nachgewiesen, daß, während die Säuglingssterblichkeit in anderen Teilen des Landes zugenommen, sie in New York —- trotz der enormen Bcvölkerungszunahme - gegen das Vorjahr um 4S 10 "m abgenommen hat. Die einzige kaufmännische Babymilch-Station berechnet für das Milchquantum eines Tages ebensoviel wie die Straussehen Milchanstalten für ein Wochen - quantuni berechnen, und die Einnahmen der letzteren Anstalten waren zu keiner Zeit größer als die Hälfte der Ausgaben. Schon vor Jahren waren einmal so bösartige Verleumdungen gegen Herrn Straus verbreitet worden, daß er die Schließung seiner Milchstationen beabsichtigt hatte und hieran nur durch die vereinten Bitten von Müttern, Wohltätigkeitsanstalten und dem Stadtrat verhindert wurde. Vierte Jahresversammlung der jüdischen Farmer von Amerika Zu einer dreitägigen Versammlung, die vom 17. 20. November tagte, waren jüdische Farmer aus allen Teilen der Vereinigten Staaten nach New York gekommen. Seit 1909 ist die Federation von 19 Gesellschaften auf 50 angewachsen. Aus den hochinteressanten Berichten und Reden anläßlich dieser Versammlung ergab sich, daß auf fast allen Gebieten jüdischen Farm Wesens in Amerika ein bedeutsamer Aufschwung

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