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Die Welt · 1912-12-13 · 50 (13.12.1912) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 Er erklärte gleichzeitig, daß er sämtliche sephardischen Juden des Orients als historische Schutzbefohlene Seiner Katholischen Majestät des Königs von Spanien erachte (!), die kräftigst von der Madrider Regierung geschützt werden würden. Herrn Luden Sciuto, Herausgeber der „Aurore“, erklärte Herr von Nantouillet das gleiche, mit dem Hinzufügen, dal! das Königreich Spanien bereit sei, die gesamte Judenschaft Salonikis offiziell als spanische Untertanen a n z u e r k e n n e n, ohne daß eine besondere Naturalisation notwendig wäre. Nu r müsse die Gemeinde als G e s a m t h e i t ein e n tsprechendes Gesuch an die Madrider Regierung richten. Dieser plötzliche Schritt Spaniens ist historisch höchst interessant, ganz abgesehen davon, wie die spaniolischen Juden sich zu ihm stellen werden. Er ist begleitet von einer ganzen Reihe weiterer Liebenswürdigkeiten, wie sie den Juden selten geboten werden. Der Gesandte erbot sich, zum Schutze der Juden von Balat und Hasköj, wenn ein solcher nötig würde, den spanischen Panzerkreuzer, der mit denen anderer Mächte im Hafen liegt, ins Goldene Horn zu schicken und Matrosen zu landen, die Synagogen und Schulen bewachen sollen. Der Großrabbiner wurde auf das spanische Kriegsschiff eingeladen und dort mit militärischen Ehren empfangen. Die jüdischen Flüchtlinge in Konstantinopel Die vom Kriegselend aus ihrer Heimat, von Haus und 1 lof gejagten jüdischen Unglücklichen hören nicht auf, nach Konstantinopel zu wandern. Eine Gruppe jüdischer Flüchtlinge aus Silistria, die sich in Rodosto an der Marinara auf einem Segelkahne eingeschifft hatten, wurden unterwegs vom Südsturme überrascht und liefen große Gefahr, in den Wellen zugrunde zu gehen. Glücklicherweise gelang es ihnen aber doch noch, bis in die Nähe der Hauptstadt, an die Küste von Makriköj, zu gelangen. Dort jedoch strandete das Boot, und mit großer Mühe nur wurden die Armen geborgen. Jn der Konstantinopeler Gemeinde hatte man von diesem Vorgänge keine Ahnung, bis der Leiter des lokalen Hilfswerks, Aron B a r s i 1 a i, auf einer Inspektionstournee durch alle Quartiere der Hauptstadt die Unglücklichen entdeckte. Sie hausten, halbnackt und hungernd, 44 an der Zahl, in zwei winzigen Kammern oberhalb einer Straßenbäckerei. Es wurde sofort alles Nötige veranlaßt, um ihnen gesunde Unterkunft, Nahrung und Kleidung zu verschaffen. Die aus den Vertretern der großen jüdischen Weltorganisationen zusammengesetzte zentrale Hilfskommission setzt ihre Hilfstätigkeit energisch fort. In den ersten vier Wochen hat sie über 20000 Frs. für die in Konst a n t i n o p e 1 eingetroffenen F 1 ii c h 11 i n g e a u fw e n den müsse n. Ein mindestens gleicher Betrag wird für den angehenden Monat notwendig werden. Die Hilfsgelder aus dem Auslande beginnen einzulaufen. Der Mutessarif von Jerusalem abberufen Der „Osmanische Lloyd“ meldet, daß der Mutessarif von Jerusalem, der kürzlich die aufsehenerregende Verordnung erließ, in der die Behörden auf die Bestimmungen bezüglich des Bodenkaufs durch Juden hingewiesen werden, abberufen und an seiner Stelle T a li i r H a i r e d d i n ßey, der Deputierte von Konstantinopel in der letzten Kammer, ernannt worden sei. 1559 Die Lage der Juden in Saloniki (Von unserem Berichterstatter.) Saloniki. Seit einigen Tagen bemerken wir die Wirkungen der Sympathiekundgebungen, die sich überall für die Juden unserer Stadt gezeigt haben. Auch die griechischen Behörden bemühen sich, gute Beziehungen zwischen Griechen und Juden herzustellen. Infolge der allgemeinen Entrüstung haben die griechischen Behörden den schweren Fehler eingesehen, den sie dadurch begingen, daß sie die Exzesse der griechischen Soldaten gegen die Juden duldeten, und jetzt bemühen sie sich sehr um die Juden, damit dieser üble Eindruck verwischt wird. Nachdem der König von Griechenland bereits eine jüdische Abordnung mit dem Großrabbiner an der Spitze empfangen hatte, hat er vorige Woche wiederum den Wunsch ausgesprochen, Vertreter der Juden zu empfangen, und es begab sich darauf eine Abordnung von sieben angesehenen jüdischen Bürgern zu dem König Georg, der sie sehr freundlich empfing. Auf den Wunsch des Königs wurde eine Kommission, bestehend aus fünf griechischen und fünf jüdischen angesehenen Bürgern gebildet, um die guten Beziehungen dieser beiden Elemente zu festigen. Ebenso hat auch die griechische Presse, die zahlreiche Verleumdungen über die Juden verbreitet hatte, auf höheren Befehl ihre Haltung geändert und fordert jetzt die Juden und Griechen zu gemeinsamer brüderlicher Arbeit auf. Die Juden in Griechenland feiern, sicherlich auf Veranlassung der griechischen Behörden, in ihren Zeitungen den Gerechtigkeitssinn der griechischen Regierung und bekunden nicht den geringsten Zweifel, daß auch die Juden von Saloniki das Wohlwollen der griechischen Regierung finden werden. Aus Larissa ist eine jüdische Abordnung eingetroffen, um die Verständigung mit den Juden von Saloniki zu fördern. Alle diese Sympathiekundgebungen haben natürlich den Zweck, die öffentliche Meinung des Judentums zu gewinnen. Es ist fraglich, ob dieser Zweck erreicht werden wird, denn die Schikanierung der Juden dauert noch immer fort, und solange die griechischen Behörden sich nicht entschließen, die Uebeltäter zu bestrafen, muß man daran zweifeln, daß es ihnen mit ihren freundlichen Versicherungen ernst ist. Vorläufig treibt der Haß und der Konkurrenzneid die griechischen Elemente Salonikis noch immer zu feindseliger Haltung gegen die Juden. Der Kampf um die „Richtlinien“ Berlin. In den letzten Wochen hat sich im Anschluß an die sogenannten „Richtlinien“ der V c r e i n i g u ii g für das liberale Judentum in den jüdischen Zeitungen Deutschlands eine heftige Preßfehde entsponnen. Daß die orthodoxen Kreise energisch gegen den liberalen Scliulchan aruch, gegen den Versuch einer neumodischen Kodifizierung der Religionsgesetze auf traten, ist leicht zu begreifen. Nun geht auch die „Frei e J ii d i s c h e V e r e i n i g u n g", die eine Mittelstellung zwischen der „Orthodoxie“ und dem „Liberalismus“ ein nimmt, mit einer Erklärung vor, in der die „Richtlinien“ als „planlose Veränderungen“ und „willkürliche Neubildungen“ bezeichnet werden. Gleichzeitig versenden die Vorstände der jüdischen Gemeinde n zu Berlin und Frankfurt eine Erklärung, die für den Frieden in den Gemeinden Eintritt und dagegen polemisiert, daß die Rabbiner einer bestimmten Richtung ihre Anschauung als die maßgebliche bezeichnen und die jüdischen Empfindungen Andersdenkender verletzen. Vom zionistischen Standpunkt ist eine Stellungnahme zu den Einzelheiten dieses Tempelstreits überflüssig. Wer, wie die starre Orthodoxie und der zerfließende Liberalismus, die nationale Grundlage des Judentums und der jüdischen

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