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Die Welt · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 23

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Nr. 49 den Fragen der Hygiene bei den Jemeniten. Der Vorstand hat auch einen diesbezüglichen Fragebogen ausgearbeitet, den er an die Aerzte der Kolonien versenden will. Aus den judäischen Kolonien Pethach-Tikwah. Unsere Kolonie wächst und vergrößert sich immer mehr. Dies ist der Eindruck, der sich immer von neuem aufdrängt. Es wird bald schwer fallen, von Pethach-Tikwah als von einer Kolonie im gewöhnlichen Sinne dieses Wortes zu sprechen. So sehr wird es in naher Zukunft alle anderen Kolonien an Einwohnerzahl, Einrichtungen und wohl auch an Reichtum überragen. Wer weiß, vielleicht sehen wir in absehbarer Zeit in Pethach-Tikwah die erste jüdische Stadt Palästinas entstehen: unser Heller a u. Gerade im letzten Jahre kam es einem zum Bewußtsein, welche kräftigen Triebe dieses Wachstum befördern, ln diesem Jahre hat Pethach-Tikwah keinen kapitalkräftigen Zuwachs von außen her erhalten. Im Gegensatz zu den früheren Jahren ist keine einzige Bo ja re in den Besitz eines Einwanderers übergegangen. Und dennoch kein Stillstand, sondern ein stetes Drängen nach vorwärts, ein unermüdliches Schaffen. Es sind in diesem Jahre in Pethach-Tikwah unauffällig eine Reihe von Gebäuden durch die Kolonisten aufgeführt worden, die anderswo für sich allein eine stattliche Kolonie repräsentieren würden. Daß die Preise der Banterrains in einem solchen Jahre um das Doppelte steigen, ist leider eine Tatsache, die bei allem Enthusiasmus nicht geleugnet werden darf. Wir können uns aber damit trösten, daß die Preissteigerung eine natürliche, nicht von irgendwelcher Terrainspekulation beeinflußte ist; daß ferner das schwer erworbene jüdische Geld hier in jüdischen Händen bleibt. Aber nicht bloß der Baugrund, sondern auch der für Pflanzungen geeignete Boden steigt im Preise, — wohl infolge des hier eingerichteten Bew'ässerimgsw'erkes. Auch der Viehstand der Kolonie vergrößert sich zusehends. Eben erst in diesen Tagen hat die Kolonie beschlossen, einen eigenen Tierarzt (Herrn S a m s o n o f f) mit einem Gehalte von 5000 Frs. anzustellen. Dies hängt wieder mit der Viehversicherung zusammen, die man hier auf Betreiben des Agronomen Dr. Zagorodsky ei machten wäll. Es wird auch bereits erwogen, noch einen Hilfsarzt zu engagieren, da es einem Arzte, besonders in den letzten Sommermonaten, schwer fällt, seiner Aufgabe in vollem Maße gerecht zu werden. Die Beschaffenheit des Bodens und die Eigenart der Kolonisten haben zu der glücklichen Entwicklung von Pethach- Tikwah beigetragen. Niicht in letzter Reihe sind hier Arbeitsamkeit und Einfachheit der Lebenshaltung als charakteristische Merkmale der Kolonie zu nennen. Demgegenüber hat es hier lange Zeit mit den Bestrebungen der kulturellen Renaissance schlecht ausgesehen. Noch vor 20 Jahren wirkten zwar in Pethach-Tikwah Männer wie W. J a w i t z , P i n e s und Elijahu Sapir s. A., die zugleich mit Ben-Jehudah die Neubelebung der hebräischen Sprache inaugurierten; die Kolonisten jedoch, die damals schwer um ihre Existenz kämpften, standen diesen Bestrebungen verständnislos gegenüber. Es hat lange gedauert, bis das Hebräische in den Straßen von Pethach-Tikwah heimisch wurde, bis man hier den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und kultureller Tätigkeit erfaßte. Wandel in dieser Beziehung schufen in den letzten Jahren zwei Zionisten : Dr. Koh a n - B e r n s t e i n und Jakob Rabinowitz, die mit Liebe und Ausdauer für die nationalkulturelle Erziehung der Jugend arbeiteten. Zum Schluß noch einige kleine Nachrichten, die das Obige illustrieren mögen. In Pethach-Tikwah werden täglich zirka 120 Exemplare von Jerusalemer hebräischen Tageszeitungen verkauft. Von den populär-wissenschaftlichen Heften des 1537 Verlages ,,Laam" werden hier ca. 100 Stück abgesetzt. Das Jaffa er Wochenblatt ,,Hapoel Hazair" hat 00 Abonnenten, die landwirtschaftliche Monatsschrift ,,Haehaklai" 50, „Haschiloach", „Moledeth", ,,Hachinuch" je 10, und auch alle übrigen hebräischen Zeitungen eine Anzahl Abonnenten. Außerdem kommen vereinzelt Zeitungen in russischer, deutscher, französischer, englischer, rumänischer, arabischer Sprache sowie im Jargon usw\ Für den türkischen Kriegsfonds hat die Kolonie 1000 Frs. beigesteuert. Die Kolonie beschloß, ein Schlachthaus zu erbauen und den Fleisch verkauf freizugeben, w ährend derselbe bisher eine Einnahmequelle der Koloniev eru altung bildete. Dem Vernehmen nach soll demnächst für dL orthodoxe Mädchenschule ein eigenes Gebäude errichtet werden. Das Grünhutsehe Waisenhaus, das von Jerusalem hierher übersiedelte, schloß mit einem Kolonisten einen Mietsvertrag auf drei Jahre, wofür dieser für die Anstalt ein Haus erbaute. Für den Winter werden hier Abendkurse geplant, in welchen J. Rabinowitz über Literatur und Dr. B. P i c k h o 1 z über praktische Agronomie referieren werden. Rischon Le-Zion. Der Kolonie ist die Möglichkeit gegeben, einer neuen Entwicklung entgegenzugehen. Die Stagnation, die in den letzten Jahren zu verzeichnen war, hatte ihre hauptsächlichste Ursache in der Bode n k n a p p heit der Kolonie. Dieser Tage gelangte nun der bereits vor längerer Zeit seitens der J. C. A. erworbene Boden, der an unsere Kolonie grenzt, unter den Kolonisten zur Verteilung. Ueberhaupt wurde das Verhältnis der Kolonisten zur J. C. A. kontraktlich geregelt. Die Belladie (Stadtverwaltung) unserer Kolonie hat sich folgendermaßen konstituiert: Lubinan (Ras il-Belladie Bürgermeister), M a i r o w i t z , Z a 1 i I i c hin, G i r i n und L a n d a u. Letzterer wohnt in N c ß - Z i o n a h , das mit uns zu einer Munizipalität vereinigt ist. Die Regierung lud die Wahlen bereits bestätigt. Die Bewachung unserer Kolonie wurde der Wächterorganisation „Haschomer" übertragen, die auch die benachbarten Kolonien ß’er -J ako h und Rech o - b o t h überwacht. Der Waad der Kolonie befaßt sich mit der Frage, wie man die immer mehr zunehmende Teuerung in unserer Kolonie mildern könnte. Rechoboth. Die Gesellschaft ,,M’nucliah W’Nachalah“ hat jetzt den Tageslohn für die Jemeniten, die die Landarbeit schon gut beherrschen, erhöht und ihnen außerdem Beschäftigung für das ganze Jahr zugesichert, falls sie nicht ihrerseits die Arbeit unterbrechen werden. Neß Zionah. Infolge der Ausdehnung der Orangenkultur in unserer Kolonie gibt es hier Arbeit für Jemeniten sowohl wie auch für aschkenasische Arbeiter. Ueberhaupt ist der rührige Waad unserer Kolonie eifrig bestrebt, die Entwicklung der Kolonie nach Möglichkeit zu fördern und die Einwohnerschaft durch Heranziehung vermögender Leute und tüchtiger Arbeitskräfte zu vergrößern. Ben-Schemen. Der Viehstand für unsere Milchwirtschaft wurde in letzter Zeit durch einen stattlichen Zukauf vergrößert. Bewerber aus Jaffa um den Milchabsatz gibt es genug, da dort noch ein gewisser Mangel an Milch herrscht. Ekron. Herr Dr, Zagorodskv weilte eine Woche bei lins, um die Verhältnisse unserer Kolonie kennen zu lernen und uns fachmännischen Rat für unsere landwirtschaftliche Arbeiten zu erteilen. Djemama. Allmählich beginnt man auch hier, -■■ auf dem südlichsten Punkt unserer Kolonisation, die Arbeit aufzunehmen. Als Leiter der Arbeiten ist der Kolonist Zwi H i r s c h f e 1 d aus Rischon Le-Zion engagiert worden. Moza bei Jerusalem. Der Waad unserer Kolonie ist mit dem Vorstand des Vereins ,,Esra" wegen einer Beihilfe in Verhandlung getreten.

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