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Die Welt · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 22

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Nr. 49 1536 DIE ELT fr J PALÄSTINA-RUNDSCHAU <r (Von unserem Berichterstatter.) Meteorologische Forschungen in Palästina Die ungewöhnlichen Erscheinungen des diesjährigen Frühregens haben wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die meteorologische Forschung in Palästina gelenkt. Die Bedeutung dieses Wissensgebietes, namentlich in praktischer Hinsicht, für die Fragen der Medizin und der Landwirtschaft, braucht heute nicht mehr besonders hervorgehoben zu werden. Schon sind ja alle Kulturvölker eifrig bemüht, ein Netz von meteorologischen Stationen über die Länder zu spannen, die in jedem Lande einer Zcntrahmstalt unterstehen, wo das von allen Stationen gelieferte Material durch spezielle Fachgelehrte verarbeitet wird. Fs ist interessant, dab die Italiener gleich bei den ersten Schritten zur Besitzergreifung' Tripolitanieus dort meteorologische Stationen errichteten. Heute liegen aus Tri polis bereits die Resultate der Beobachtungen des ersten Jahres vor. Leider liegt die meteorologische Forschung in Palästina noch sehr im argen. Von seiten der Regierung ist hier ebensowenig wie im ganzen Reiche irgend etwas in dieser Richtung geschehen. Die Acrzte des englischen .Missionshospitals in Jerusalem waren wohl die ersten, die, im Interesse ihrer medizinischen Tätigkeit, etwa vor K) Jahren meteorologische l äiieTsinJumgen Vornahmen. Später haben die Engländer auch in den 'Städten ( i a / a , N a b 1 u s , N a z a r e t h und 1 i b e r i a s angefangen, Temperatur, Regen, Feuchtigkeit und Windstärke zu messen. Die Resultate ihrer Arbeit werden in den vierteljährlichen Publikationen des „Palestine Exploration Fund“ veröffentlicht. In den letzten Jahren wandte sieh auch der ,,Deutsche Palästina-Verein“ dieser Aufgabe zu, der darin einige Zeit von der Palästina-Kommission des Aktionskomitees, die früher bestanden hatte, unterstützt wurde. Trotz, all dieser lobenswerten l üiternehmungeii ist bis nun noch in keiner Weise ganze, befriedigende Arbeit geleistet worden. Der Hauptgrund liegt nicht so sehr in der Zersplitterung dieser Unternehmungen (auch die Franzosen unterhalten eine Station in dem t inte des lateinischen Klosters I. a t r n n , imweit von Hulda), als vielmehr in dem Umstande, dal, die wichtigsten Orte bisher nicht in den Kreis der Forschung einbezogen wurden, da die erwähnten Gesellschaften dort keine Konnationalen haben, die eben diese Arbeiten pünktlich vornehmen könnten. Auch fehlte es bis jetzt im Lande an einem Fachmann, der die gesamte Arbeit zu leiten und das Material zu verarbeiten in der Lage gewesen wäre. Die Folge ist nun, daß man hier im Grunde noch im Anfang der Arbeit steht. Die Kolonisten kennen die Verhältnisse des Regens, der Temperatur usw. nicht; die Acrzte sind sich nicht über den jeweils in Betracht kommenden Feuchtigkeitsgehalt der Luft klar und empfinden den Mangel an meteorologischen Forschungen im Lande sehr stark, was auch in den Sitzungen der Jüdisch - Medizinischen Gesellschaft in Jaffa oft zum Ausdruck kam. Fine Wendling /.um besseren ist in den letzten Jahren, dank den Bemühungen des Jaffa er Gymnasiallehrers F)r. Abraham R o s e u s t e i n , eingetreten. I)r. Rosenstein hat nämlich früher in der Wiener meteorologischen Zentralanstalt gearbeitet und seine Arbeit über ,,Dic Temperaturverhältnisse von Mittel- und Südspanien“ ist von keinem Geringeren als von Hofrat J. H a u als ,,sehr verdienstlich und dankenswert, vielseitig und methodisch gut durchgeführt“ bezeichnet worden. Seit nun Dr. Rosenste in am Jaffaer Gymnasium wirkt, ist er um die Ausdehnung der palästinischen Klima forschung eifrig bemüht. Mit Hilfe des Palästina-Amtes und einiger Farmen gelang es ihm, einige neue Stationen einzuriclitcn. Ein ganzes Netz von solchen meteorologischen Stationen ließe sieh um so leichter über das ganze Land spannen, als in fast allen Kolonien die Lehrer zur unentgeltlichen Mitarbeit bereit sind. Auch Rosenstein ist nach wie vor bereit, seine Arbeitskraft unentgeltlich in den Dienst dieser Sache zu stellen, sofern nur eine unserer Kolonisations- oder sonstigen Gesellschaften bereit wäre, die relativ nicht hohen, aber durchaus notwendigen Auslagen für Instrumente und sonstige technische Vorrichtungen zu bestreiten. Wie die Historiker berichten, haben im Altertum die Juden Palästinas Regenmessungeii früher als andere Nationen vorgenominell. Unsere Falästinagescllschaftcn würden nun eine Ehrenpflicht erfüllen, wenn sie durch Beschaffung der nötigen Mittel auch heute wieder den Juden Gelegenheiten böten, diesen Zweig der Palästina-Kunde zu pflegen, zumal da ein Betrag von 1000 1500 Fis. jährlich dafür •ausreicheii dürfte. Die jemenitischen Siedlungen Wie vorausgesagt wurde, hatten die Jemeniten in den Kolonien infolge der Wohnungsnot viel zu leiden und auch Verluste an Menschenleben zu beklagen. Besonders ungünstig gestalteten sieh die letzten Sommermonate in Pethacii- T i k w a h und Glied erali, wohin wegen der besseren Arbeitsgelegenheit größere Massen von Jemeniten strömten und wo zugleich die größte Wohnungsnot herrschte. Indessen ist bereits ein Wandel zum besseren eingetreten. Während man mit dem Bau der Hänschen noch beschäftigt ist, sind bereits in einigen Kolonien Hol/.Baracken fertig, die eine ziemlich hinreichende provisorische Unterkunft bieten. In Pethnch- Tikvvah richtete man in den beiden vom Halpenäi-Fonds erbauten Häusern auch ein provisorisches Krankenhaus für Jemeniten und auch für aschkenasisclie Arbeiter ein, was bei dem starken Auftreten der Dengue sehr vonnöten war. Seit diese Einrichtung getroffen wurde, ist ein völliger Umschwung eingetreten mul sind Krankheits- und Todesfälle hei den Jemeniten aut das natürliche Maß reduziert worden. ln Glieder a h nahm sich das Gesundheitsamt und besonders Fr'. S c h o s c h a n a h , der Wächter K r o 1 lind Krankenschwester N e c h a ni a h (aiisgebildet durch den Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina) aufopferungsvoll der kranken Jemeniten an, und ihre Bemühungen waren ebenfalls von Erfolg gekrönt. Am besten war die medizinische Hilfe für die Jemeniten in Sichron-Jakob organisiert, schon deshalb, weil sie kontinuierlich war. Dr. H. J u f f e nahm sich nämlich von Anfang an dieser Sache eifrig an, organisierte die hygienische Kontrolle und die medizinische Hilfe musterhaft, was ihm insbesondere durch das seiner Leitung unterstehende Krankenhaus ermöglicht wurde. So ist es denn seiner eifrigen Fürsorge zu zu schreiben, daß die Jemeniten in dem nicht ganz einwandfreien Klima von Sichron-Jakob relativ wenig zu leiden Latten. Am günstigsten waren die Jemeniten in Glieder ah gestellt, wo sie fertige Wohnungen vorfanden. An zweiter Stelle steht in dieser Beziehung Rechoboth, wo dank dem überaus gesunden Klima die Jemeniten trotz schlechter Wohnungsverhältnisse wenig gelitten haben. Auf Veranlassung des Palästina-Amtes befaßte sich der Vorstand der Jüdisch-Medizinischen Gesellschaft in Jaffa mit

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