Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 DIE^ELT 1533 O [I □□□□□□ o —. WELTCHRONIK .. —. □ □ □ □ D CMI o -JJ o . :=T=r.t=r.- Die türkische Regierung und der Grunderwerb der Juden in Palästina Berlin. Kürzlich erschien ein Erlaß des neuen Gouverneurs von Jerusalem, M u li a d d i Bcy, der die Frage des Bodenerwerbs durch jüdische Käufer zum Gegenstände hat und die Cokalbehörden auf die einschlägigen früheren Verordnungen hinweist. Dieser Erlaß hat in verschiedenen Blättern zu alarmierenden Nachrichten und unzutreffenden Kommentaren Anlaß gegeben, indem die Sache so dargestellt wurde, als habe die Konstantinopeler Zentralregierimg dem Gouverneur Anweisungen erteilt, den Juden in Palästina den Grunderwerb zu verbieten oder zu erschweren. Demgegenüber können wir auf Grund authentischer Informationen versichern, daß der fragliche Erlaß des Jerusalemer Gouverneurs keineswegs durch irgendwelche Verfügung der Zentralregierung liervorgerufen worden ist. Er enthält lediglich eine Wiederholung alter, bisher in Geltung befindlicher Verordnungen, und es entspricht einer von den neuernannten Gouverneuren vielfach geübten Gepflogenheit, den lokalen Verwaltungsbehörden derartige ältere Bestimmungen in Erinnerung zu rufen. Da im übrigen die in Rede stehenden Beschränkungen, die aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen, dem (leiste der ottomanischen Verfassung und den Grundsätzen der neueren Gesetzgebung widersprechen, dürfte ihre Aufhebung wohl nur eine Frage der Zeit sein. Jedenfalls sind sie auch jetzt schon für die Entwicklung des jüdischen Kolonisationswerks in Palästina von geringer Bedeutung und rechtfertigen in keiner Weise die Beunruhigung, die infolge des neuen Jerusalemer Erlasses in einem Teii der jüdischen Presse Platz gegriffen hat. * Von unserem Korrespondenten in Konstantinopel erhalten wir hierzu folgendes T e 1 eg r a m m: Konstantinopel, 3. Dezember. Aus Informationen an sämtlichen zuständigen Stellen ergab sich, daß keinerlei entsprechend e I n - struktion von seit e n d er Zent r a 1 r e g i e r u n g an den Gouverneur von J e r u s a 1 e m e r - g a n g e n ist, s o n d e r n dies e rauf eigene Init i a t i v e gehandelt h a t. D i e Regierung, di e die F r a ge äußerst w o h 1 w o 11 e n d b e h a n d c 11, v ersp r a c h eine LJ n t e r s u c h u ng anzustellc n. * Im einzelnen erfahren wir hierzu noch folgendes: Als der Erlaß des Gouverneurs von Jerusalem bekannt wurde, wandte sich der Großrabbiner von Jaffa mit einem telegraphischen Protest an den Großrabbiner der Türkei. Dieser begab sich zu dem Minister des Inneren, Reschid b e v, der früher selbst Mutessarif von Jerusalem war, und wies darauf hin, von welchem Wert das jüdische Element in Palästina für die Türkei sei. Der Minister hatte keine Kenntnis von dem Erlaß des Jerusalemer Gouverneurs, da er hierfür nicht zuständig ist, und erklärte dem Großrabbiner, er müsse sich an die Generaldirektion des Katasteramts wenden. Der Großrabbiner begab sich hierauf zum Finanzminister Abel u r r a h m an b e y, dem das Katasteramt unterstellt. Dieser war von der Mitteilung völlig überrascht und erklärte, eine derartige Anweisung, die den Bodenkauf durch ottomanische Juden erschwere, sei von Konstantinopel aus nicht ergangen. Eine gleichlautende Erklärung gab der Kabinettschef des Finanzministers ab. Es wurde darauf eine genaue Untersuchung angeordnet. Wie in letzter Stunde verlautet, soll der Generaldirektor des Katasteramts in Jerusalem abgesetzt worden sein. Griechische Erfindungen (Von unserem Berichterstatter.) K o n s t a n t i n o p e 1. Das M ä r c b e n v o n der V e r g i f t u n g v o n z w ö 1 f hell e n i s c h e n Soldaten, Evzonen genannt, durch einen jüdischen Krämer, wird trotz der offiziellen Dementis auf rechterhalten. Für die griechische Krämerwelt hat dieses Märchen ja so vorteilhafte Folgen gezeitigt, daß die hartnäckige Behauptung der widerlegten Lüge einigermaßen verständlich wird. Es wurden nämlich, einer Korrespondenz des hiesigen „Osmanischen Lloyd“ (einer christlichen!) zufolge, sofort nach Ausstreuung dieser Verleumdung sämtliche jüdischen Kaufläden der Stadt geschlossen, „um weitere Untaten der Juden zu verhindern“. Das ist ein hübsches Profitchen für die griechischen Konkurrenten, die schon lange eine (telegen heit ersehnt hatten, sich für den Boykott hellenischer Waren während der Kretakrise zu rächen, obwohl die Juden Salonikis nichts anderes getan hatten, als was die damals allmächtige jungtürkische Order ihnen verschrieb. Die Hauptsache scheint für die Saloniker Griechen zu sein, daß den Juden der Stadt ihre Handelshegemonic entrissen werde. Sie konnten die Zeit schon nicht mehr erwarten, und so nutzten sie den ersten Morgen nach der Eroberung der Stadt dazu, ihren Gelüsten die Zügel schießen zu lassen, unbesorgt, oh sie den moralischen Ruf ihrer ganzen Nation damit aufs Spiel setzten. Also: die Untersuchung hat die Anklage zunichte gemacht, die verhafteten Juden sind freigelassen worden, die vergifteten Evzonen leben und sind vergnügt. Und doch bleibt es dabei, daß die Juden zwölf griechische Soldaten vergiftet haben . . . Ein W a f f e n - A r s e n a 1 i m H a u s e d e s G r o f> - r a b b i n e r s J a co b M e f r war die zweite ruhmreiche Erfindung der Nachkommen des Epaminondas. Griechische Soldaten der ei »gezogenen Armee waren es, die dieses Gerücht ernst nahmen oder ernst zu nehmen Vorgaben, indem sie in das Haus des religiösen Oberhauptes der Saloniker Juden eindrangen und die Herausgabe des Waffendepots verlangten. Der greise Rabbi Jacob Mefr forderte sie ruhig auf, sein Haus zu durchsuchen und das Depot aufzuheben. Da er sich jedoch, wie er hinzu fügte, vorbehielt, hinterher das Nötige zu veranlassen, zogen es die tapferen Hausfriiedcnsbrecher, durch die würdige Haltung des patriarchalischen Rabbi eingescliiichtert, vor, wieder das Weite zu suchen. Ein jüdisches Komplott g e g e n die g r i e c h i - sehe Besetzung Salonikis bestand aber auf alle Fälle. So wollen es die griechischen Zeitungen Athens und Konstantinopels, die doch irgend e t w a s Greifbares erfinden müssen, lim die skandalöse Anarchie, die um den 14. .November herum in Saloniki herrschte, zu bemänteln. Also die Jungtürken Mahre Salem und Carasso waren es natürlich, die komplettierten. Der geheimnisvolle ,,Cercle des