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Die Welt · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Intimes“ war ihr Konventikel und Werkzeug. Aber viel grausiger noch: sie operierten mit —- zionistischem Oe hie. Etwas daran ist tröstlich: die endliche Anbahnung so intimer Beziehungen zwischen Sulem-Carasso-Cerde des Intimes und dem Zionismus; und das danken wir der stupenden Erfindungsgabe des griechischen „Proodos“. Außer den Juden haben auch andere Elemente den plötzlich üiisgebrocheneii neuhellenischeii Verfolgungswahiisimi an sieh verspüren müssen. In Athen hat man alle Armenier verhaltet, deren man habhaft werden -konnte, um irgendeines phantastischen ,,Komplottes14 willen, und in Saloniki haben die gefangenen türkischen Offiziere ein anderes „Komplott*4 ange/etteh, eigens zu dem Zwecke, damit die hellenischen Autoritäten ihr bei der Kapitulation gegebenes Ehrenwort brechen und sie wider Verabredung und Unterschrift zur Triumphschau nach Athen überführen könnten . . . Seit einigen Tagen wird bekannt, dal! eine bei Monastir geschlagene türkische Armee auf Saloniki vorrücke. Eines Tages sollte die Stadt schon wieder in ihre Hände gefallen sein. Venn sich das irgend einmal bewahrheitet, so werden es sicherlich die Juden (mit Hilfe zionistischen Oeldes!) gewesen sein, die das herbeigeführt haben . . . Massakers in Kavalla und Dedeagatsch Privaten, hier emgegangenen Nachrichten und Erzählungen angelangter Reisender zufolge, sind b u 1 g a r i s c h e B a n - d en . s o g e u a n 11 t c K o m i t a d s c li i s , in K a v a 1 1 a u n d i > e d e a g a t s c h e i n g e fall e n u n d h a b e n d o r t u n t e r I ü r k e n u n d J u tl e n Gemetzel a n g e r i c h t e t. Zahlreiche Opfer sollen gefallen sein. Le petit sac du soldat Es war seinerzeit an dieser Stelle von der Initiative des nationalen Jugend Vereines „Bene Israel44 berichtet worden, der für die kämpfenden türkischen Soldaten (iahen in Form von, kleinen, mit allerhand nützlichen und angenehmen Dingen wohlgefüllten Säcken sammelte. Bis vor zwei Wochen waren 7(K) solcher Säcke durch den Verein an das Kriegsministeriimi abgeliefert worden. Dieses hatte in einem sehr warm gehaltenen Schreiben dem Vereine dafür gedankt und ganz besonders die treu patriotische Haltung der jüdischen Nation in dieser Stunde der Gefahr gefeiert. Ein gestern hier auf zweitägigen Urlaub von Tscliaialdsclia eingetroffener türkischer Soldat berichtet nun das folgende: Nach der vor zwei Wochen von den Türken siegreich geschlagenen Schlacht von Kutschuk-Tschekmedsche bei Tschataldscha rief der Kommandant der osmanischcn Truppen die „FedaTs“, d. s. die für besondere Tapferkeit im Kampfe zu Dekorierenden, vor die Front, ließ einem jeden von ihnen eines der Säckchen der „Bene Israel4' überreichen und fügte die Worte hinzu: „Das ist das Geschenk der jüdischen Nation für die Fedais.“ Die schwere, unglückliche Kriegszeit hat die herzlichen Beziehungen zwischen dem türkischen und dem jüdischen Elemente noch intimer gestaltet. Ein Präludium zum Beilisprozeß (Von unserem Berichterstatter.) Odessa. Dieser Tage fand in der Kiew er Gerichtskammer ein Prozeß statt, den man mit Recht als Versuchsballon anläßlich des bevorstehenden Beilis-Prozesses ansulien kann. Auf der Anklagebank saß der gewesene Chef der Kiewer Geheimpolizei, M y s c h t s c h u k, der angeklagt war, wissentlich die Gerichtsbehörde auf falsche Fährte geleitet zu haben. My schtschuk soll, der Anklageschrift zufolge, mit hartnäckiger Einseitigkeit den Mörder juschtschinskys in den Kreisen der berufsmäßigen Verbrecher gesucht haben und wollte von einem Rituahnorde nichts wissen. Als ihn die Vorgesetzte Behörde deshalb von der Untersuchungsarbeit ausschalten wollte, soll er den Fund der Kleider des ermordeten Knaben in Szene gesetzt haben, um einen Beweis für seine erfolgreiche Tätigkeit zu haben. Und so sei die ganze Sache mit dein Agenten K u s c h n i r, der später seine Schuld bekannt habe, von ihm veranstaltet worden, um die Behörde hinters Licht zu führen. Selbstverständlich hat cs unsere rechtsstehende Presse nicht unterlassen, den Fall My schtschuk in ihrer Weise zu kommentieren. Man sah mit zuversichtlicher Hoffnung der Verurteilung M v s c h t s c h u k s entgegen und rieb sich vor Freude die Hände über die bevorstehende Blossteilung des Judentums. Die Untersuchimgsbehörde machte kein Hehl aus ihrer gutpatriotischen Gesinnung und nahm eine offenkundigfeindselige Stellung gegen My schtschu k ein. Staatsanwalt Brundorf, der als Zeuge vernommen wurde, erklärte, M y s c ht s c h ii k habe sich in der ganzen Sache sehr frech benommen: er habe nämlich erklärt, daß man im zwanzigsten Jahrhundert den „Rituahnord“ nicht ernst nehmen könnte! K u s c h n i r, der einzige wirkliche Belastungszeuge, log mit unvergleichlicher Dreistigkeit, er machte aber seine Sache so gottlos ungeschickt, daß der Gerichtshof nach z e h n - m i n u t i g e r B e r a t u n g den Angeklagten freisprach. Das prächtig konstruierte Gebäude, das die jüdischen Ränke an den Tag bringen sollte, brach nun wie ein Kartenhaus zusammen, und im Lager der Rechten herrscht eine sehr begreifliche Wut. Ein anderer lioffärtiger Beamter, der partout seinem Gewissen und nicht den Plänen seiner patriotischen Obrigkeit folgen wollte, soll gleichfalls demnächst seinen Eigensinn in der Juschtschinsky-Affärc auf der Anklagebank büßen. Krassowsky, der gewesene Kriminalbeamte und nachmalige Mitarbeiter B r a s u 1 s, soll sich bald wegen eines angeblichen schweren Dienstverbrechens verantworten. Die Lage des armen B e i 1 i s wurde also bis heute durch die überzeugenden Enthüllungen B r a s u 1 s und Krassowskvs nicht im geringsten gebessert. Im Gegenteil. Bekanntlich wandte sich vor kurzem Untersuchungsrichter M a s c h k e w i t s c h an das Justizministerium mit dem Antrag auf Haftentlassung des sehr kranken Beilis. Justizminister S c h t s c h e g 1 o vv i t o w ließ sich infolgedessen das gesamte Untersiichungsmaterial in der Affäre Juschts chi nsky zukommen. In den Kreisen des Ministeriums hieß es bei dieser Gelegenheit, die Affäre Beilis werde im Laufe des Monats November endgültig erledigt werden. Nun wird aus K i e w berichtet, daß die Lage des armen Beilis im Gefängnis in den letzten Tagen eine Wendung zum Schlimmem erfahren habe. So wurde ihm der Empfang des Besuchs seiner Familienangehörigen wie auch das Briefschreiben untersagt. Der Prozeß Beilis soll nicht vor Januar stattfinden. Massenausweisungen von Juden aus Südrußland Pete rs bürg. Der jüdische Dumaabge ordnete Fried mann erklärte in einem Gespräch mit dem Petersburger Berichterstatter einer Warschauer jüdischen Zeitung, er werde jetzt täglich in hunderten von Telegrammen aus der Provinz bestürmt, zugunsten ausgewiesener jüdischer Familien in Südrußland sowie

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