Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 1521 — die^qKelt Die Jemeniten-Aktion Von Hugo Schachtel ,,H y a dejä assez des juifs!“ Mit diesen Worten hat bekanntlich seinerzeit ein hervorragendes Mitglied des Zentralkomitees der Alliance, als Dr. F a i 11 o \v i t s c h diese für das Schicksal der abessinischen Juden zu interessieren versuchte, seinem Unwillen darüber Ausdruck gegeben, daß da plötzlich ein bisher unbekannter Teil Jemenitischer Schafhirt auf „Ben-Schemen“ -t GAM von Glaubensgenossen auftauchte und gleich der Alliance Gelegenheit zur Betätigung geben wollte. Man hat, wie ja zur Genüge bekannt ist, dann eine Expedition nach Abessinien ausgeschickt, die einen sehr angezweifelten Bericht veröffentlichte, und schließlich auf Grund dieses Berichtes die abessinischen Brüder ihrem Schicksal überlassen. Daß die Alliance vor fünfzig Jahren dazu gegründet worden war, überall da Hilfe zu bringen, wo Juden Not leiden oder bedrückt werden, konnte man nach so langer Zeit schon einmal vergessen. Aber man vergaß das nicht bloß in diesem einen Falle. Als dann die Kunde von der Not und dem Elend eines anderen versprengten jüdischen Vulksteiles, der Juden in Jemen, sogar bis nach Paris drang, schickte man wiederum eine Expedition aus, die an Ort und Stelle die Zustände studieren sollte. Einer der fähigsten Lehrer der Alliance, Jomtow Zemach, wurde mit dieser Aufgabe betraut und führte sie trotz großer Mühseligkeit gut bis zum Ende durch. In monatelangem Aufenthalt im Jemen sammelte er unermüdlich Material und erstattete einen eingehenden, den Tatsachen entsprechenden Bericht. Leider aber wußte er keine Vorschläge zur durchgreifenden Verbesserung der trostlosen Lage der jemenitischen Juden zu machen, was ja aber auch letzten Endes nicht seines Amtes war. Er empfahl nur eines: in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen, eine Allianceschule zu errichten. Er tat dies, obwohl er sich darüber klar war, daß dies das Geschick der hier in einigen hundert Urten zerstreuten Juden sehr wenig beeinflussen konnte, und daß die Schulgründung sogar eine Gefahr rnit sich bringe, daß nämlich durch den besseren Unterricht in der Jugend Bedürfnisse geweckt würden, die sie später ihre Lage noch schlimmer fühlen lassen mußten, als die so bedürfnislose ältere Generation sie jetzt empfindet. Es wäre wohl Aufgabe des Pariser Zentralkomitees der Alliance gewesen, nunmehr Mittel und Wege ausfindig zu machen, um das Schicksal der jemenitischen Brüder zu wenden. Was aber tat die Alliance? Sie tat H nichts. Sie unterließ sogar die von ihrem Experten vorgeschlagene Schulgründung. Und die armen Jemeniten, denen durch die bei ihnen erschienene j Expedition der aus früheren Zeiten doch als mäch- ] tige, einflußreiche und willenstarke Repräsentanz j des Gesamtjudentuins auch ihnen schon bekannten Alliance natürlich Hoffnungen auf Besserung ihrer trostlosen Lage aufgebläht waren, wurden bitter enttäuscht. Ihr Schicksal aber* wurde immer trauriger, ihre Bedrückung immer unerträglicher. Wo die Alliance versagte, wo die Alliance die ihr programmatisch und statutengemäß obliegende Pflicht nicht erfüllte, du trat der Zionismus in die Bresche — nicht zum ersten und voraussichtlich nicht zum letzten Male in solchen Fällen. Auf Grund von Vorschlägen, die das zionistische Palästina-Amt in Jaffa gemacht hatte, leitete der jüdische National-Fonds eine Hilfsaktion größeren Stils in die Wege. Schon früher waren die jemenitischen Juden nach Palästina gewandert und hatten dort Arbeit und bes- Lebensmöglichkeiten gefunden. Ihr Anspruchslosigsere keit, ihre Anstelligkeit und Willigkeit machten sie zu gern gesuchten Arbeitskräften, die zudem in der neuen Heimat an Leib und Seele gesundeten. Auf Veranlassung des Palästina-Amtes setzte jetzt eine größere Wanderung jemenitischer Juden nach Palästina ein. Der Verein „Esra" beteiligte sich mit den Kosten der Uebersiedlung an der Aktion. Der Jüdische National-Fonds baute ihnen Häuschen. Hunderttausend Francs bewilligte die Leitung des National-Fonds zu diesem Zweck. Aber auch diese ganz hübsche Summe reicht nicht aus, um für alle die Jemeniten, die jetzt in immer größeren Gruppen Jemenitische Jugend bei der Feldarbeit in Hulda V^-.rr;