Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 49 gegentaumeln mußte. Wo blieb dann das Nationalbewußtsein, das Bewußtsein der Einheit und Zusammengehörigkeit, wo jüdische Stämme und Fürsten gegeneinander rangen tnd der von Ahas zu Hilfe gerufene Tiglath Pileasar das vernichtende Schiedsrichteramt übernahm, das mit der Entvölkerung der Nordgegenden und des ganzen Ostjordanlandes, deren Bewohner nach Assyrien weggeführt worden sind, endete? Aber dem jüdischen Volke war nach dieser ersten Katastrophe (auf die dann auch die Zerstörung Judas folgte) nicht der endliche nationale Untergang, wie dem griechischen, sondern eine allmähliche, wenn auch langsame Wiedergeburt beschert. Darin offenbarte es vor den Hellenen seine größere innere Zähigkeit, seinen dauerhafteren Kern. Zuerst entzündete sich das jüdische Nationalbewußtsein wieder an den Taten Esras, Nehemias, Zerubabeis und an den Leistungen der Pionierschar, die das Judenland wieder aufzubauen begann. Dann folgte die ruhige persische Zeit, eine Zeit der Sammlung. Als diese Periode vorüber war, trat die syrische Zwingherrschaft ein, die als ein treffliches Bindemittel wirkte. Die Erhebung Matathiahus war dann die erste Tat seit Jahrhunderten, durch die ein sich verteidigendes Volk wieder in Erscheinung trat. Bald ist auf Modin Emm aus gefolgt und hat dem jüdischen Volke gebracht, was seit älteren Epochen nicht erreichbar schien, nämlich die Rettung seiner nationalen Ehre und Freiheit. Darum sind die Chanukahtage diejenigen Tage, an welchen unser jüdisches Nationalbewußtsein, das Bewußtsein der Zugehörigkeit zu einem einigen Volk, immer wieder in flammender Weise zum Ausdruck kommt. Nicht Kampf und Waffengewalt, sondern Begeisterung und zähe Arbeit an dem Wiederaufbau 1 Die Chanukahtage sollen uns so immer Tage des höheren Friedens sein, und uns allesamt in nationaler Anhänglichkeit und Zusammengehörigkeit erstarken lassen. An diesen schönen Festtagen muß der Hader der Parteien schweigen. Wie die griechischen Völker des Altertums Kampf und Streit ruhen ließen während des nationalen olympischen Festes, um wie viel mehr sollte 1517 bei uns aller Streit wenigstens an gewissen historischen Momenten zurücktreten und alle, denen das Herz noch nicht erstorben ist für die Ehre, Interessen und Güter unserer Nation, sollten wetteifern in der Kundgebung ihrer Gefühle und Entschlüsse für Juda und Zion. Eine Liebe zum Volke, Ein Schmerz über sein Leid, Eine Freude über sein Gedeihen, Ein Streben zu seiner Erhaltung und Entwicklung sollte jede jüdische Brust erfüllen. Ein Gelöbnis steter und immer besserer nationaler Pflichterfüllung sollte das ganze Volk durchdringen. Aber leider müssen wir sehen, daß es immer noch entartete Kreise und Gruppen im jüdischen Volke gibt, die ihre Seele so weit aus dem Bande nationaler Einheit gelöst, daß sie kein Verlangen mehr tragen, sich auch nur während solcher historisch geweihten Festtage zu dem Vollgefühl einer zusammengehörigen Volksgenossenschaft zu erheben, weil sie nicht begreifen, daß die Makkabäer auch jetzt die Jason und die Menelaus schließlich besiegen werden. So schmerzlich das nun auch ist, so wollen wir uns dadurch unsere Feststimmung doch nicht allzusehr ver^ kümmern, und wollen uns in der Betätigung unseres nationalen und zionistischen Sinnes nicht zurückhalten lassen. Wenn wir aber diese Festfeicir so begehen, als die Geburtsfeier eines neuen Judäa, in dem vor allem die Güter unserer nationalen Gesittung und unseres selbständigen Kulturlebens eine Heimstätte finden mußten; wenn wir unsere Festfreude insbesondere gerichtet sein lassen auf die Kräfte und Tugenden, aus denen Judäa heraus geboren und die seinen Bestand und inneres Gedeihen gewährleistet hatten, so wollen wir an die Festfreude auch das Festgelübde knüpfen, unsererseits immerdar bestrebt zu bleiben, alle jene sittlichen und geistigen Güter zu hüten und zu pflegen, die historische Heimstätte für ihre Entfaltung mit den friedlichen Waffen der Arbeit zurückzugewinnen und so den Bestand, die Ehre und das Gedeihen eines lebendigen, freien Judentums sicherzustellen. N a h u m S o k -o 1 o w, ' [V#VV i Aus der Kunstgewerbescliule „BezaleP: Chanukahlampe aus getriebenem Messing mit Palästina-Steinen