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Die Welt · 1912-11-29 · 48 (29.11.1912) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 48 diese Kolonie für einige Jahre wegen der damals äußerst schlechten Gesundheitsverhältnisse verlassen mußten, die kleine Wohnkolonie J e h u d i a h. Ueberhaupt darf der Verblichene wegen seiner aufopferungsvollen Tätigkeit für Pethach-Tikwah mit Recht zu den ersten Pionieren des neuen Jischub gezählt werden. Als alle Bewohner die Kolonie wegen des gelben Fiebers, das fast keinen verschonte, verließen, blieb nur Joel Mosche Salomon mit seinem Freunde David G u t m a n aus Ungarn zurück. Sie wohnten in Pethach-Tikwah, das damals ein elendes, fieberverseuchtes Nest war, ein Jahr lang in einer Holzbaracke, die auch ihren Tieren als Wohnstätte diente, und nährten sich von Brot und trockenen Früchten — selbst am Sabbat und den Feiertagen —, um nur nicht Pethach-Tikwah für immer aufgeben zu müssen. Man muß sich in die palästinischen Verhältnisse um das Jahr 1880 zurückversetzen, um zu ermessen, welche großen moralischen Eigenschaften, welche mächtige Liebe zu Erez-Israel den nun Verewigten beseelt haben. Diese tiefe Liebe zu Palästina verstand er auch in die Herzen seiner Kinder und Enkel zu pflanzen, von denen kein einziger das Land verlassen hat. Am Grabe entwarf David J e 1 I i n ein Bild von der Persönlichkeit des Verstorbenen, der auch im Privatleben ein zu jedem Liebeswerk bereiter Mensch war. Einige Tage später haben die Rabbiner Jerusalems eine Gedächtnisfeier veranstaltet und Trauerreden gehalten. Nicht mit Unrecht schreibt etwas bitter J. J. Riwlin im ,,Haor“: ,,Man hat sein Jubiläum nicht gefeiert, ihn nicht ins Goldene Buch eingetragen und auch keinen Hain auf seinen Namen gepflanzt. Und dennoch war er ein Mann von vielleicht viel größerer Bedeutung als so mancher, der viel gefeiert wird.“ Ehre seinem Andenken! Aus den Städten Jerusalem, 10. November. Der Verband der jüdischen Zimmernialer und Anstreicher, der hier vor kurzem gegründet wurde, veröffentlicht seine Satzungen. Danach strebt er nicht bloß die materielle und geistige Hebung seiner Mitglieder an, sondern will sich auch ihre praktische berufliche Fortbildung angelegen sein lassen. Der Verband richtet einen Arbeitsnachweis für diese Fächer ein und gedenkt auch von Zeit zu Zeit Ausstellungen der Arbeiten seiner Mitglieder zu veranstalten. Ein einzurichtendes Schiedsgericht soll sowohl etwaige Streitigkeiten zwischen den Meistern und Gesellen, wie auch Differenzen zwischen den selbständigen Handwerkern und ihren Auftraggebern schlichten. Im hiesigen Stadtviertel „J e g i a K a p a j i m“ ist dieser Tage der Grundstein zum Bau einer Synagoge gelegt worden. „Jegia Kapajim“, das bis jetzt etwa 60 Häuschen zählt, ist fast ausschließlich ein Handwerkerviertel. Der zu diesem Zwecke gegründete Verein umfaßte ursprünglich viel mehr Mitglieder, weshalb auch ein größeres Bauterrain gekauft wurde. Die Gründer des Viertels hofften nämlich, für alle finanziell schwachen Genossen eine Anleihe aufnehmen zu können. Sie hatten aber darin vorläufig keinen Erfolg, und so konnten bisher nur diejenigen Genossen sich Häuschen erbauen, die eigenes Kapital hatten oder für sich persönliche Darlehen erhielten. Dr. Segall, der Leiter des Meier-Rothschild-Hospitals, untersuchte dieser Tage die Augen der Schüler des Hebräischen Gymnasiums. Das Resultat war ein befriedigendes. Es wäre zu wünschen, daß auch in den anderen Schulen eine augenärztliche Untersuchung der Schüler vorgenommen würde. Im B e z a 1 e I und im Spitzenatelier des jüdischen Frauenverbandes geschieht dies bereits seit einiger Zeit. 1-1493 Wie hiesige Zeitungen melden, wird hier demnächst ein Fachmann eine Fabrik für Dachziegel errichten. Dieses Projekt wird schon seit längerer Zeit in Palästina erwogen. Die Dachziegel werden aus Marseille bezogen und sind im letzten Jahre außerordentlich im Preise gestiegen, von 13—15 Frs. pro 100 auf 25 Frs. und mehr. Im Viertel Beth-Israel fand man bei Baugrabungen eine Höhle mit Gräbern aus dem Altertum. Herr J. S. Persitz aus Moskau ließ auch in diesem Jahre 1250 Frs. an diejenigen Jünger der Jeschibah „Ez Chajim“ verteilen, die sich durch besondere talmudische Kenntnisse auszeichneten. Jaffa, 10. November. Der Vortrag über ,,Volksuniversitäten“, den Dr. Metmann-Kohen vor einem Monat im hiesigen Arbeiterklub hielt, hatte die Einsetzung eines Arbeitskomitees aus Vertretern einiger Organisationen und Institute zur Folge, dem die regelmäßige Veranstaltung populär-wissenschaftlicher Kurse obliegt. Das Komitee, dessen Obmann Dr. Metmann-Kohen ist, ist bereits eifrig an der Arbeit, und demnächst werden die Kurse sowohl im Gymnasium wie auch in der Mädchenschule ihren Anfang nehmen. Zu gleicher Zeit hat auch der T achkemoni, wie im vorigen Jahre, die einmal wöchentliche Abhaltung öffentlicher Vorträge wieder aufgenommen. Das erste Referat hielt A. S. Rabinowitz über den „Wilnaer Gaon und der Raw von Lady“. Bekanntlich ist jetzt genau ein Jahrhundert seit dem Hinscheiden des Raws von Lady, des Begründers der Ohabad- Richtung innerhalb des Chassidismus, verstrichen. Auch die seit einigen Jahren bestehenden Abendkurse für Hebräisch, Rechnen, Bibel und Geographie Palästinas haben wieder begonnen. Um einem dringenden Notstand abzuhelfen, haben einige angesehene Leute Jaffas einen Verein „Pikuach Jethomim“ für Waisenfürsorge gebildet. In letzter Zeit sind hier wieder jemenitische Familien eingetroffen. Die Unterkunft bot keine Schwierigkeiten mehr, da der Jüdische Nationalfonds hier eine Holzbaracke als provisorische Herberge eingerichtet hat. Ein Teil dieser Einwanderer wurde nach der Kolonie Ness-Zionah gebracht, einige finden Arbeit in Jaffa selbst. Leider erwiesen sich einige Familien untauglich zur Arbeit. Da sie noch über das nötige Reisegeld verfügten, traten sie auch bald die Rückreise über Port-Said an. Hebron, 10. November. An Stelle des Dr. E n t i n , der nach Pethach-Tikwah berufen wurde, ließ sich hier Herr Dr. Levontin als Arzt nieder. Dr. Levontin ist vorläufig auch Arzt der Beiladie (Stadtverwaltung), da der amtierende Be 11 ad ie-Arzt zum Militärdienst einberufen wurde. Zum Stadtapotheker wurde Herr Abraham Franco ernannt. Haifa, 10. November. Herr J. Nahun, der hiesige Leiter der Alliance-Schule, ist von Paris beauftragt worden, die Leitung der Alliance- Schule in Damaskus, die sehr verfahren zu sein scheint, zu übernehmen. Herr Nahun war hier 25 Jahre tätig und hat sich während dieser Zeit nicht bloß die Achtung der Sephardim, zu deren Gemeinde Vorstand er gehörte, sondern auch die aller anderen hiesigen Juden in hohem Maße erworben. Wenn die Pariser Zentrale dem Hebräischen in der Schule von Damaskus mehr Pflege zuwenden wollte, so würde es dem neuen Leiter gewiß nicht schwer fallen, die Anstalt zu reorganisieren. S a f e d , 10. November. Dieser Tage sind es 20 Jahre geworden, seitdem hier eine Loge der „Bnei Brith“ gegründet wurde. Wohltun und DIE3§£ELT

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