Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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149i Nr. 48 seminar genossen. Seit 1889 ist er Rabbiner der Sichron Ephraimgemeinde in New York. Er ist als Uebersetzer der „neunzehn Briefe“ von S. R. Hirsch ins Englische bekannt, und da die amerikanischen Verhältnisse ihm den Luxus einer extremen Orthodoxie nach Frankfurter Muster nicht erlaubt haben, so muß sein standhaftes Auftreten für das traditionelle Judentum in Amerika ihm hoch angerechnet werden. Dem Zionismus steht er, wie wohl kaum anders zu erwarten, kühl gegenüber. Immerhin ist es zu begrüßen, daß die leidige Chief Rabbi-Frage endlich ihre Lösung gefunden hat. REVUE DER PRESSE : L_—^ :■ (WWW) Das soeben erschienene 3. Heft der Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs enthält die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung in den deutschen Bundesstaaten. Die wichtigsten Angaben seien hier wiedergegeben. „Die zahlenmäßige Entwicklung der drei Hauptkonfessionen von 1871 bis 1910 erhellt aus nachfolgender Tabelle: die sich auf dem Gebiete der Rassen-Psychologie in der allgemeinen Anschauung befestigt haben. Die allgemeine Ueberzeugung, als ob die Juden Feiglinge wären, wird vom gegenwärtigen Krieg entschieden über den Haufen geworfen. Ich hörte von vielen Seiten, daß in den vom bulgarischen Militär unternommenen Angriffen die Juden stets in den ersten Reihen Absolute Zahl der Unter 100 Einwohnern waren Jahr Gesamtbevölkerung Evangel. Katholiken Israeliten Evangelische Katholiken Israeliten 1871 41 062 792 25 581 685 i 14 869 292 | 512 153 62,30 36,26 1.25 1910 64 925 993 39 991 421 | 23 821453 j 615 921 61,59 36,69 0,95 Seit 1880 hält die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Deutschland mit jener der übrigen Bevölkerung nicht gleichen Schritt, so daß wir seit dieser Zeit einen ununterbrochenen Rückgang des Anteils der Juden an der Gesamtbevölkerung konstatieren müssen. Im letzten Lustrum betrug er wieder 0,05 o/o. Die Gründe für diese Erscheinung liegen in dem absoluten Bevölkerungsverlust durch Abwanderung von 1880 bis gegen die Mitte der 90 er Jahre, dann aber vor allem in dem gleichzeitig einsetzenden Geburtenrückgang und dem Verlust durch KonfessionsWechsel. Die Zuwanderung, welche Mitte der 90 er Jahre einsetzte und in dem Jahrfünft 1900/05 ihren Höhepunkt erreichte, kann die Verluste nur zum Teil ersetzen. Ein relativer Rückgang zeigt sich aber nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Evangelischen. Es steigt dagegen der Anteil der Katholiken und vor allem der Konfessionslosen. Die Verschiebung zwischen Evangelischen und Katholiken ist darauf zurückzuführen, daß bei den ersteren das Nachlassen der Geburtenhäufigkeit stärker zutage tritt als bei den Katholiken, ferner die Konfessionslosigkeitserklärungen häufiger sind. Die Zunahme der Juden war in dem letzten Jahrfünft nur halb so stark, wie in dem vorangegangenen. Sie betrug nur l,170/o (während die Evangelischen um 6,23 °/o, die Katholiken tun 7,74 o/o Zunahmen), ist aber noch bedeutend höher als in den Jahrfünften 1880 bis 1885 (0,21 o/o) und 1885 bis 1890 (0,83 o/o). Mutmaßungen für die weitere Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland anzustellen, halten wir für sehr gewagt. So wenig man in den 80 er Jahren voraussehen konnte, daß in dem kommenden Jahrzehnt das Wachstum der Juden wieder steigen würde, ebensowenig können wir heute mit Sicherheit die Prognose der Zukunft der Juden in Deutschland stellen.“ * Unter dem Titel „Neues aus Sofia“ bringt Dr. Bachmetjew, der Kriegskorrespondent der „Gazeta Wieczorna“, einer vielgelesenen polnischen Tageszeitung in Lemberg, in Nr. 990 dieses Blattes einige interessante .Details. Der Bericht des Korrespondenten lautet: „Ich übersende Ihnen einige kleine Kriegsbilder, die, meiner Ansicht nach, schon an und für sich interessant, und überdies •dazu angetan sind, manche weitverbreiteten Lügen zu zerstreuen, zu sehen waren. Um diese herumschwirrenden Gerüchte zu kontrollieren, begab ich mich zuerst in die Militärschule von Sofia, die gegenwärtig in ein Militärspital umgewandelt ist. Dort fand ich einen Unteroffizier, der mir folgendes mitteilte: „Anfangs begegneten wir unseren jüdischen Soldaten mit Mißtrauen, weshalb wir stets darauf bedacht waren, sie nur in den hinteren Reihen zu halten. Später jedoch, als sie einen großen kriegerischen Orientierungssinn und, was noch mehr bedeutet, eine außergewöhnliche Tapferkeit entwickelten, fingen wir an, sie wie unsere Bulgaren zu behandeln. Bei jedem Angriff bemühten sich die Juden, die ersten zu sein, und wichen nie vor dem Feinde zurück.“ So hat sich auch in einem kritischen Moment ein jüdischer Leutnant ausgezeichnet, der vom König an Ort und Steile für seine Bravour zum Hauptmann ernannt wurde. Bemerkt muß werden, daß in Bulgarien Juden keine Aufnahme in die Militärschulen finden. Auch im serbischen Heer haben sich Juden durch Tapferkeit ausgezeichnet. Darüber berichtet „Wiek Nowy“, ein anderes Lemberger Blatt: „Ein einfacher jüdischer Infanterist, Abramcze, der in seinem Zivilberufe Kommis in einem Belgrader Geschäft ist, hat sich in der blutigen Schlacht bei Kumanowo besonders hervorgetan. Als die türkischen Geschosse sein Regiment dezimierten, die Offiziere wegrafften und der Fahnenträger tot niedersank, ergriff Abramcze die Fahne und führte seine Kameraden vorwärts. Im Spitale, wo Abramcze verwundet liegt, erschien der serbische Kronprinz und beförderte ihn zum Fähnrich.“ * Unsere Gesinnungsgenossen in Kairo geben unter dem Titel „La Renaissance Juive“ (Hatechijjah Ha-Ibrith) eine neue zionistische Monatsschrift in französischer Sprache heraus. Die erste Nummer, die uns vorliegt, macht sowohl in bezug, auf Ausstattung als auch inhaltlich einen vorzüglichen Eindruck. Auf einen Einführungsartikel „An den Leser“ von J. M. folgt ein Aufsatz „Die jüdische Renaissance“ von Oh. B e r n a r d , sodann eine informative Darstellung der für die Juden in Rußland geltenden Paßbestimmungen, eine Erzählung „Die Kinder des Adlers“ von Josef Stutzin, endlich eine reichhaltige Nachrichten-Rubrik, die insbesondere