Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 1489 D!E3^ELT Höhe des modernen Kunstgewerbes und weisen noch gegenüber den im Vorjahr hier ausgestellten Gegenständen einen geradezu überraschenden Fortschritt auf. Insbesondere die neuen Batikarbeiten und Elfenbeinschnitzereien (Kassetten, Dosen, Gürtelschnallen), ferner ein prachtvoller Festleuchter finden den Beifall und die rühmende Anerkennung aller Sachverständigen. Die Bezalel-Ausstellung im Rudolfinum wird dem Bezalel, für den demnächst eine größere Verkaufsausstellung eröffnet wird, gute Dienste leisten. Zugleich zeigt sie aber der gesamten Judenschaft mit aller Deutlichkeit, welche Institutionen es sind, mit denen das Judentum vor aller Welt Ehre einlegen kann. Die Lilien-Ausstellung in Budapest (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Die jungjüdische Kunst war bis vor kurzem hier so gut wie unbekannt. Der im vorigen Sommer unter tätiger Mithilfe E. M. Liliens, Hermann Strucks und anderer hervorragenden Gesinnungsgenossen von Dr. Josef P a t a i herausgegebene Ungarisch-Jüdische Alma nach war das erste Werk, welches der jungjüdischen Kultur die Wege ebnete. Der große Erfolg bewog Dr. P at a i, die Zeitschrift für jüdische Kunst und Literatur „Mult es Jövö" (Vergangenheit und Zukunft) zu gründen. Dieser Zeitschrift gebührt als Bahnbrecherin volles Lob, und ihr Wirken muß um so höher eingeschätzt werden, als in der ungarischen Metropole bisher, wie in so manchen jüdischen Dingen, auch bezüglich der jüdischen Kunst trostlose Zustände herrschten. Wir hatten zwar eine große Anzahl jüdischer bildender Künstler, Maler, Bildhauer und Architekten, von einer jüdischen Kunst war aber — von einigen schüchternen Versuchen abgesehen — nichts zu bemerken. Jüdische Motive und jüdische Kunstauffassung sind bei unseren bildenden Künstlern strengstens verpönt, und wenn schon die jüdische Note in ihren Werken trotzdem nicht ganz zu unterdrücken ist, so gerieren sich zum Beispiel hervorragende Architekten, welche mit jüdisch-orientalischen Motiven arbeiten, als die Schöpfer eines modernen ungarischen architektonischen Stils. Was ihr persönliches Verhältnis zum Judentum betrifft, sind sie zumeist Getaufte und Baldgetaufte, ja es gibt sogar solche, welche, obwohl sie sich jüdisch fühlen, selber das Gerücht verbreiten lassen müssen, sie seien bereits getauft, da sie ihre Stellung in der Gesellschaft und im Kreise der Künstlerschaft nur dadurch behaupten können. Unter solchen Verhältnissen ist die Lilien-Ausstellung ein Ereignis. Die überaus reichhaltige Ausstellung enthält etwa 300 Original-Bibelillustrationen, Radierungen und Ex-Libris- Leisten des Meisters und zeigt ihn auf dem Höhepunkt seines bisherigen Schaffens. Die Vollkommenheit seiner Schwarz-Weiß - Technik wird nur durch die jüdische Herzenswärme überragt, welche seinen Werken entquillt. Die verschiedenen Judentypen und Judenköpfe, die von echter und natürlicher jüdischer Auffassung zeugenden Vollbilder aus seiner illustrierten Bibelausgabe erweisen sich als die beste und geschickteste Propaganda für die national-jüdische Sache. Die starke jüdische Note seines künstlerischen Schaffens findet allgemeine Bewunderung bei den zahlreichen Besuchern der Ausstellung und bei der Kritik So schreibt zum Beispiel das „Neue Pester Journal": „Sein eigentliches Gesicht zeigt der Künstler als zeichnerischer Darsteller jüdischen Gegenwarts- und Phantasielebens. Die Szenen und Gestalten aus den galizischen Ghettos sind mit der tiefeigreifenden Authentizität des Rassenempfindens dargestellt .... Noch prägnanter tritt das Seelenbekenntnis Liliens in seinen biblischen Zeichnungen hervor. Poesie und Phantasie erheben seine biblischen Illustrationen zu einer königlichen Kunst. Die Reize der Töchter Judas klingen wie Oden an die Rassenschönheit, die Darstellung aus der Heldenzeit sind gezeichnete Epen, Leid und Elend packen mit der Gewalt eines retrospektiven Realismus, und die Genres atmen die wirksame Poesie der biblischen Idylle. Wie prachtvoll sind die Silhouetten der Kameele mit ihren wunderbar abgelauschten Bewegungsnüancen. Sie vereinen Wüstenstimmung mit biblischem Zauber. Und die Aarons, die Moses, Davids, die Esther und Sulamith sind rührende Dokumente einer innigen Vertiefung in das Wesen des liebevoll bebauten Bodens der Urgeschichte eines Volkes. Von seinen Wanderungen in dem heutigen Jerusalem hat Lilien nicht bloß Themen und Typen mitgebracht, sondern auch das tiefe Sehnen nach der Urheimat, das in den Gebeten und Hoffnungen der Judenschaft lebt. In diesen Bildern legitimiert sich Lilien als der erste Künstler der zionistischen Anschauung, und er offenbart dieses Gefühl mit viel Talent und gestaltender Kraft." Auch die anderen Besprechungen zollen dem offenen und selbstbewußten Judentume des Künstlers das höchste Lob. Die Ausstellung findet allerorts die größte Beachtung. Bei der Eröffnung am 20. d. M. ließ sich Kultus- und Unterrichtsminister, Graf Johann Zieh y, durch den Staatssekretär Dr. v. Näray-Szabo vertreten und sandte dem Künstler ein Schreiben, worin er sich entschuldigt, wegen dringender Amtsgeschäfte bei der Eröffnung nicht persönlich anwesend sein zu können und versichert, die Ausstellung in einigen Tagen zu besichtigen. So wurde der Erfolg der Lilien-Ausstellung ein Erfolg der jungjüdischen Kulturhestrebungen, welcher hoffentlich von bleibender Wirkung sein wird. Unserem lieben Meister Lilien sei auch an dieser Stelle unser innigster Dank ausgedrückt. Desgleichen der Redaktion der Zeitschrift „Mult es Jövö" für das umsichtige Arrangement der Ausstellung. * Die Vereinigung zionistischer Hochschüler „Makkabaea" veranstaltete am 23. d. M. E. M. Lilien zu Ehren einen Festkommers, welcher einen höchst würdigen und stimmungsvollen Verlauf nahm. Lilien wurde von den sehr zahlreich erschienenen Festgästen und der Jugend bei seinem Erscheinen mit begeisterten Ovationen empfangen und war während des ganzen Abends Gegenstand herzlichster Begrüßungen, wofür er mit innigen, tiefempfundenen Worten dankte. Eine Unterredung über das Angolaprojekt (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Der Präsident der Ungarischen Zionistischen Landesorganisation, Herr Ing. B. Be r cgi, hatte eine längere Unterredung mit dem hervorragenden portugiesischen Staatsmanne Magelhaes Lima, dem Führer der republikanischen Bewegung und ersten Präsidenten der jungen Republik. Es wurde bei dieser Gelegenheit auch das Angolaprojekt behandelt, und Magelliaes Lima nahm Anlaß, die in einigen jüdischen Blättern verbreiteten irrigen Informationen und Anschauungen zu berichtigen. Auf die Frage, was die portugiesische Regierung bewog, einen Teil von Angola dem jüdischen Volke anzubieten, antwortete Lima folgendes: „Die Fragestellung ist eine irrige. Die portugiesische Regierung hat niemals und niemandem einen Fußbreit portugiesischen Bodens angeboten, sondern nur wiederholt erklärt, daß