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Die Welt · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Böhmischer Distriktstag Der diesjährige Delegiertentag der Zionisten des Distriktsverbandes Böhmen wurde für Sonntag, den 17. November, 10 Uhr vormittags (im Fcstsaal des jüdischen Rathauses in P r a g) einberufen. T a g e s o r d n u n g : 1. Eröffnung lind Wahl des Bureaus; 2. Berichte; 3. Generaldebatte; 4. Referat des Herrn Sehr. Kurt B 1 u m e n f e 1 d : „Die nächsten Aufgaben der Ortsgruppen“; 5. Presse (Ref. Dr. Gütig); 6. Wahlen; 7. Anträge. Anschließend an den Distriktstag unternimmt Herr Kurt B 1 u m e n f e 1 d eine längere Tournee clurch die wichtigsten Städte Böhmens. Die Zionistische Organisation in der Bukowina (Von unserem Berichterstatter.) Czernowitz. Herr Dr. Theodor Weißeiberger, Mitglied des zionistischen Landeskomitees, setzt seine Tätigkeit eifrig fort. In den letzten Tagen besuchte er die Ortschaft Zastawna und die Stadt W i z n i t z. In beiden Ortschaften hielt Dr. Weißeiberger mit den eingeladenen Gesinnungsgenossen zunächst Konferenzen ab, worauf sich Arbeitskomitees konstituierten. Zum Obmann wurde in Zastawna Advokat Dr. Roll, in Wiznitz Advokat Dr. Buchst) a u m gewählt. Die Anlegung des Katasters der Bukowinaer Zionisten schreitet erfreulich vorwärts, und man hofft in der nächsten Zeit, diese Arbeit abgeschlossen zu haben. Die Nationalfondskommission hat gleichfalls eine intensive Tätigkeit entfaltet. Dies beweisen u. a. auch die Eingänge für den Nationalfonds, die Ergebnisse der Büchsenleerungen usw., welche regelmäßig wöchentlich im ,,J ü d i s c h e n V o 1 k s r a t“ veröffentlicht werden. Es ist zu hoffen, daß auch das wichtige Ressort für P r o p a g a n d a nicht nachstellen wird. Czernowitz. Der akademische Verein „Jüdische K u 1 - t u r“ veranstaltet in den Lokalitäten der jüdischen (deutschen) Volksschule A r b e i t e r k u r s e für Anfänger und Fortgeschrittene. — ln einem dritten Kurse wird auch Buchhaltung und Korrespondenz unterrichtet werden. Dieser Tage eröffnete die akademische Korporation „Emunah“ drei hebräische Kurse für Akademiker, Mittelschüler und Damen. Das Interesse für die Kurse ist lebhaft. Besonders melden sich die Mittelschüler zahlreich. Ungarn Eine Preßfehde gegen den Zionismus (Von unserem Berichterstatter.) ' | ' Budapest. Die jüngst abgehaltene 10. Landeskonferenz der Ungarländischen Zionistischen Landesorganisation war der Ausgangspunkt einer Preßfehde gegen die zionistische Bewegung in Ungarn. Das streng klerikale und antisemitische Organ „Alkotmäny“ blieb nur sich selbst treu, als es aus diesem Anlasse unsere Bewegung scharf angriff. Eine größere Bedeutung ist schon den Angriffen beizumessen, welche in dem nationalistisch-feudalen Organe „Budapest! Hirlap“ veröffentlicht wurden. Der Verfasser des anonym erschienenen Artikels beklagt sich darüber, daß Ungarn, welches durch seine vielen Nationalitätenfragen und konfessionellen Absonderungen ohnehin arg mitgenommen werde, vor einer neuen nationalistischen Absonderung steht. „In der vaterländischen Juden heit hat sich eine Bewegung ausgebreitet, welche den Patriotismus, die Anhänglichkeit an das Vaterland und die Nation völlig entbehrt. Es ist zum Staunen und es ist nicht zu verstehen, daß der größere Teil des ungarländischen Judentums, welches gottlob vom jüdischnatinoalen Wahne bisher nicht angesteckt wurde, sich nicht zur Niederwerfung der jüdischnationalistischen Bestrebungen anschickt.“ Der Verfasser ist des weiteren bestrebt, seine Behauptungen durch Zitate aus der ungarländischen zionistischen Halbmonatsschrift „Zsidö Szemle“ zu stützen und führt dann aus, daß sich „die zionistische Judenheit an den ungarischen Boden, an das ungarische Vaterland, an die ungarische Vergangenheit (!), an das ungarische Milieu entweder vollständig assimilieren müsse, womit sie nur ihrer elementarsten Pflicht gerecht wird — oder sie folgt weiter ihren unpatriotischen Lehren, und wird sich dann der ganzen ungarischen Gesellschaft gegenüber sehen, welch letztere diesen Teil der vaterländischen Judenheit dann wirklich als ein fremdes Element betrachten kann.“ Leider aber —- beklagt sich der Artikelschreiber — ist die Assimilation der zionistischen Juden nicht mehr zu erhoffen und er schließt mit einem Proteste gegen die Auffassung, daß es die Pflicht der ungarländischen Zionisten sei, in erster Reihe für die Zukunft des jüdischen Volkes zu arbeiten. Seiner Ansicht nach dürfen sie nur für die Zukunft der ungarischen Nation tätig sein. Es ist nicht schwer, zu erraten, daß dies keine Beweisführung vom ungarischen nationalistisch-feudalen Standpunkte ist. Die nationalistischen Vertreter der staatenbildenden Völker haben der vollständigen Assimilation der Juden niemals das Wort gesprochen. Sie verkündeten niemals, daß sie nur die zionistischen Juden als ein fremdes Element betrachten. Sie forderten niemals, daß sich die Juden ihrer Vergangenheit assimilieren. (Es ist übrigens jammerschade, daß sich der Verfasser über diesen Punkt nicht ausführlicher ausläßt. Er könnte sich mit einem „Grundriß der Assimilation eines Gastvolkes an die Vergangenheit seines Wirtsvolkes“ die Lorbeeren der Unsterblichkeit holen!) Der ganze Gedankengang des Angriffes weist auf die erbärmlichen Bemühungen eines jüdischen Assimilanten hin, die zionistische Bewegung zu denunzieren. Er wählte aber schlecht, als er den „Budapest! Hirlap“ zum Stapelplatz seiner patriotischen Ergüsse auserkor. Das Blatt bekämpfte bisher das Judentum als ein destruktives Element, welches Religion und Vaterland gefährdet. Zwischen den Zeilen ließ es immer durch blicken, daß es die Juden des Landes herzlich gerne — nach Palästina wünsche. Das Buch Ruppins „Die Juden der Gegenwart“ wurde denn auch in diesem Sinne vor einigen Monaten günstig besprochen. Ueber die Zionistenkongresse brachte das Blatt bisher immer ausführliche und objektive Berichte, da es doch von seinem Standpunkte aus die Tendenz der zionistischen Bewegung durchaus nicht beanstanden konnte. Ein jeder mußte daher sofort erkennen, daß dieser Angriffsartikel nicht von der Redaktion, sondern von einer außenstehenden Persönlichkeit stammte. Diese Vermutung wird auch dadurch bekräftigt, daß die Redaktion des „Budapest! Hirlap“ die plötzliche Abschwenkung von ihrer bisherigen Stellungnahme sofort wahrnahm und die erstbeste Gelegenheit ergriff, den früheren Standpunkt zu betonen. Das Blatt brachte über den Vortrag des Mitgliedes des E. A. C„ Herrn Dr. Schemarjah L e v i n , einen ausführlichen Bericht, in welchem die Leser darüber informiert werden, daß der Schauplatz jüdischnationaler Betätigung sich außerhalb Ungarns befindet, dem Ungartum also keine Gefahr droht. Am nächstfolgenden Tage erklärte das Blatt sogar in einem Leitartikel ganz dezidiert, daß ihm die zionistischen Juden viel lieber seien, als die freidenkerischen, atheistischen und sozialdemokratischen Juden. Was voa seinem Standpunkte aus auch logisch ist. Zionistische Versammlung in Kolozsvär (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Unsere Landesorganisation ist im Begriff, in einem der wichtigsten Städte des Landes und in einer vom Zionismus bisher unberührt gebliebenen Gegend festen Fuß zu fassen. Der jüdische Studenten verein „Esra“ in Kolozsvär (Klausenburg), der zweiten Universitätsstadt des Landes neben Budapest, ergriff die Initiative. Der junge Verein, welcher vor kurzem unseren Gg. Dr. Paul Blau zum Vorsitzenden wählte, nähert sich jetzt sehr dem Zionismus, und wird sich hoffentlich unserer Landesorganisation auch offiziell anschließen. Der Verein veranstaltete ain 2. d. M. eine öffentliche Versammlung, zu welcher die gesamte jüdische Bürgerschaft erschien; auch die Vorstände der neologen und orthodoxen jüdischen Gemeinden waren vertreten. Das Referat über den Zionismus und die zionistische Bewegung hatte das Mitglied des Landeskomitees, Gg. Dr. Nison Kahan, übernommen. In beredter Weise gab Dr. Kahan in einer fast zweistündigen Rede einen klaren Ueberblick über die Grundlagen der zionistischen Bewegung, über unsere Wege, Ziele, Arbeitsmethoden sowie über die bis-

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