Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 1431 DIE^ELT Oesterreich Südgalizischer Distriktstag in Stanislau (Von unserem Berichterstatter.) L e m b e r g\ In Stanislau tagte im Verein „Erez Israel" am 3. d. M. der dorthin einberufene Distriktstag-: Im Namen des dortigen D. K. begrüßte Dr. Schorr die Konferenz. Gg. Fett verlas Begrüßungstelegramme des zionistischen Aktionskomitees und anderer Organisationen. Das galizische Zentralkomitee vertrat Parteisekretär Dr. Philipp Korngrün. Die Versammlung wählte die Herren Dr. Schorr und Tropp ins Präsidium, die Herren Eisenstein und I g 1 e r als Sekretäre. Ein ausführliches Referat über die Tätigkeit des abtretenden D. K. erstattete Redakteur Gg. Fett. Die Leitung verstand es in den letzten zwei Amtsjahren sowohl in politisch-ökonomischer Beziehung wie auf allgemeinem zionistischen Gebiet viel Ersprießliches zu leisten. Dem südgalizischen Distriktskomitee gehören heute 54 Städte an. In Stryj, Ottynia, Borvslaw und Tlumacz siegten wir auf politischem Gebiete. Rabbiner Dow organisierte im Namen des D. K. Sammelstellcn für den Jüdischen Nationalfonds. Der siidgalizische Distrikt partizipierte an der Gesamtzahl der aus . Galizien aufgebrachten Schekel mit 44 o/o. Im Jahre 1912 ist die Anzahl der Schekelzahler um 1000 gestiegen. Den Kontakt der Leitung des D. K. mit den einzelnen Städten bezeigt hinlänglich die reichhaltige Korrespondenz. Kulturell erzieherisch wirkten auf die Judenschaft die auf Initiative der Leitung veranstalteten Volksversammlungen, in denen u. a. Auhagen, Sokolow, Levin, Sombart sprachen. Für den Zentralfonds, das Hebräische Gymnasium in Jerusalem lind andere zionistische Institutionen wurde eifrig gesammelt. Gg. Tropp (Stanislau) referierte über die jetzige Lage im Zionismus und forderte die Kolonisierung und Hebräisierung Palästinas. Zwei wichtige Fragen sollen heute die zionistische Welt beschäftigen. Die Jemenitenfrage und die Schaffung der Agrarbank fordern uns zur intensiven praktischen Arbeit in Palästina auf. Gg. Auerbach referiert sehr sachlich über die Palästinaarbeit. Er weist auf den wesentlichen Unterschied hin, der zwischen der nationalen Kolonisationsmethode der Zionisten und der philanthropischen der Ica herrscht, Redner verlangt eifrige Unterstützung der Bemühungen Dr. G. Zippers, denn das Gymnasium in Jerusalem ist als Herd der nationalen Kultur eine wichtige Position. Er beantragte, ein Komitee zu gründen, das alle für die Palästinaarbeit Interessierten vereinigt. Schließlich unterbreitete er der Versammlung den Antrag, ein Jemenitenhaus zu gründen. Hierauf bespricht Gg. Dr. Leon Wechsler die Lage der Juden im Lande. Er weist auf die Notwendigkeit hin, sich politisch zu betätigen und wünscht ein Zusammengehen der galizischen Zionisten in ökonomischpolitischen Fragen mit den westösterreichischen. Ueber den Jüdischen Nationalfonds erstattet Gg. Henisch Bericht. Im Jahre 1911 sind vom südgalizischen Distriktskomitee 13 196.01 Kr. eingegangen. An der Diskussion beteiligten sich die Herren: Dr. Philipp Kor n grün; Heller (Buczacz); Dr. Sußman (Stanislau); Dr. Koch (Lemberg); Tropp (Stanislau); Wechsler, Fett und andere. Dr. Ritter man referiert über das Organisationsstatut, das einstimmig angenommen wird. In das Distrikts-Komitee werden gewählt: Dr. Läufer, Tropp, Dr. R i 11 e r m a n , Dr. Herz, H a 1 p e r n , Henisch, Wechsler, L ö w, Dr. Hessel, Hochman, Last und Auerbach. Der XI. Parteitag des westgalizischen Distrikts (Von unserem Berichterstatter.) Krakau. Der Parteitag fand in Krakau am Sonntag, den 3. November statt. Der Vorsitzende des D. K. Adv. Dr. Simon F e 1 d b 1 u m eröffnete um 10 Uhr vormittags den Delegiertentag mit einer hebräischen Ansprache. Vom E. A. C. langte ein längerer Brief ein, in dem Prof. Warburg seiner Befriedigung über den Arbeitsgang des D. K. Ausdruck gibt. Das Z. K. in Lemberg war durch Herrn Dr. Gerson Zipper vertreten. Der Vorsitzende des Z. K., Adolf Stand, und das Lokalkomitee in Tarnow sandten Begrüßungen. Es wurde folgendes Präsidium gewählt: Dr. Mannheimer (Neu-Sandec) I. Vorsitzender; Herr Schwager (Tarnow) II. Vorsitzender; Scharfstein (T arnow) hebr. Schriftführer; Schwarzbart (Krakau) poln. Schriftführer. Darauf folgten die Berichte. Das D. K. arbeitete rührig. Folgende Zahlen aus dem allgemeinen Rechenschaftsbericht des Gg. Dr. Isidor Krengel sprechen für diese Behauptung: Die Zahl der Lokalorganisationen ist von 25 auf 35 gestiegen. Die Schekel erreichten die Zahl 1844 gegen 1646 im Jahre 5671 (Kongreßjahr) und 1397 im Jahre 5670. Für Palästinazwecke wurden 27 670 gesammelt. Für den Zentralfonds 6816.56 K, Die Agitation wurde fleißig betrieben: 95 öffentliche Versammlungen und größere Vorträge fanden auf Initiative des D. K. statt. (Vereinsvorträge oder Versammlungen aus eigenem Antriebe der Lokalorganisationen sind hier nicht eingerechnet.) Erfreulich ist, daß davon 30 ausschließlich der Palästinapropaganda gewidmet waren. Die Besuche Dr. Schm. L e v i n s, des Herrn Kurt Blumenfeld und des Herrn Dr. Korngrün, die Agitationsreisen der Gesinnungsgenossen Dr. Felix (Andrychau) und Dr. P i 1 z e r (Debica) mögen hier erwähnt werden. Für den Bücherverlag ,,Emunah" wurden 1760 K. gezeichnet, davon 1084 K. eingezahlt. Das Finanzressort hatte in Dr. Max Leser einen unermüdlichen, opferfreudigen Leiter. Im großen und ganzen bedeutet die verstrichene Periode (1. November 1911 bis 1. November 1912) einen Schritt nach vorwärts. An der Debatte nahmen die Herren Dr. B e r k e 1 li a m e r (Tarnow), Dr. Zipper (Lemberg), Rath (Krakau), Friedmann (Neu-Sandec), C h a i m (Rzeszöw), Scharfstein (Tarnow), Dr. Leser und Dr. Feld bl um (Krakau) teil. Sie sprachen durchweg dem D. K. ihre Zufriedenheit aus, bemängelten aber andererseits die Kulturarbeit des D. K. Der Antrag (Dr. Berkelhamer) auf Erteilung des Absolutoriums wurde einstimmig angenommen. Dr. Feldblum wurde besonderer Dank ausgesprochen. Den Nachmittag füllten die Referate aus. Dr. Leser referierte über Palästinaarbeit- und Budget, Dr. F e 1 d b 1 u m über das Verhältnis der zionistischen Organisation zu den anderen jüdischen Parteien. Nach dem Korreferat von Dr. Bulwa erstattete Dr. Zimmermann das Referat über das Organ i s a t i o n s s t a t u t. Ihre Ausführungen verdichteten sich in Anträgen, die zu Beschlüssen erhoben wurden und dem neugewählten D. K. eine Fülle von Anregungen geben. Ins neue D. K. wurde Dr. Feld bl um als Vorsitzender per Akklamation, Dr. Thon, Dr. Wahrhaftig und Herr Pineles einstimmig als Mitglieder gewählt. Es wurde beschlossen, einen ständigen besoldeten Sekretär anzustellen. Der Parteitag bewilligte ein Administrationsbudget in Höhe von 3000 K. Es ist zu hoffen, daß die Arbeit energisch weitergeführt wird. * Im Anschluß an den Parteitag fand vor einem 400 köpfigen Publikum ein Vortrag des Gg. Dr. Gerson Zipper über Palästina statt. Ein Ansichtskartentag ergab die Summe von 350 K. für das hebräische Gymnasium in Jerusalem. Die Sammlungen für diesen Zweck erreichten bereits die Höhe von 45 000 Kr. * Drohobycz. Am 20. Oktober a. c. fand die V. ordentliche Generalversammlung des Vereins ,,Theodor Herzl" statt, bei welcher über 30 Mitglieder anwesend waren. Der Obmann, stud. jur. Gg. Simon Lustig, eröffnete die Versammlung, worauf der Sekretär, Gg. Isak Hirsch haut, über die Tätigkeit des Vereins während des abgelaufenen Jahres berichtete. Der Zionismus in der Presse (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Kürzlich befaßte sich die „Reichenberger Zeit u n g", das größte und angesehenste Blatt Deutschböhmens, mit dem Zionismus und zitierte die Schlußabsätze von Auerbachs Broschüre „Palästina als Judenland". Im Novemberheft der vornehmen tschechischen Revue „Volnä Myslenka" („Der freie Gedanke") findet sich ein mit „Quisquis" gezeichneter Artikel „Die religiöse Komponente im modernen Judentum", der die Notwendigkeit einer Nationalisierung des Judentums betont und mit Begeisterung von der palästinensischen Entwicklung und ihrer Bedeutung für das Gesamtjudentum spricht. Diese Publikation ist für uns um so wertvoller, als die „Volnä Myslenka" als realistisches Organ zumeist von tschechisch-assimilatorischen Juden, die sich zur tschechisch-fortschrittlichen „Realisten"-Partei bekennen, gelesen wird. Hoffentlich erkennen diese Assimilanten, wie sehr sie „Fortschritt" und „freien Gedanken" mißverstehen und durch ihr Hinzudrängen diskreditieren.