Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1428 =r, ==™===—z .^=r. D I E iffiE LT ==r:,,=,: :■■ : ■■ : - Nf. 46 Daneben entwickelt sich ein gesundes soziales Zusammenwirken unter den verschiedenen, über das Land verstreuten jüdischen Kolonien. So bildeten sich — angeregt durch das als Bindeglied dienende Organ ,,Jewish Barmer" — eine Reihe von Vereinen, teils berufspraktischer, teils geselliger Natur, die sich 1909 zu der „Federation der jüdischen Farmer von A m e r i k a" zusanunenschlossen. Ihre erste Jahrestagung, verbunden mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung, fand Sukkoth 1909 in New York statt und erregte so grobes Interesse, daß über 50 000 Personen diese Ausstellung von Produkten aus allen Teilen des Landes besuchten. Ferner entstanden durch die Bemühungen der amerikanischen Hilfsgeseltschaft, im Kreise der Farmer zehn kooperative K r e d i t g e s e 11 s c h a f t e n , die ungefähr im Genre der deutschen Raiffeisen-Kassen arbeiten und Shares zu 5 Dollar ausgeben. Darlehen gewähren diese Gesellschaften nur für Produktionszwecke oder im Falle dringender Not, und zwar nur auf einen Zeitraum von sechs Monaten und in Beträgen bis zu höchstens 100 Dollar. Als eines der wichtigsten sozialen Institute bewährt sich die von Baron Hirsch 1894 begründete Ackerbaus ch u 1 e in Woodbine, an der ein- oder zweijährige Kurse für praktische landwirtschaftliche Ausbildung gehalten werden und die den Schülern nach Absolvierung des Kursus zur Anwendung ihres Wissens Stellungen auf Versuchsfarmen verschafft. Zurzeit hat die Schule SO Zöglinge; eine Reihe ihrer ehemaligen Absolventen sind später in staatliche Dienste eingetreten. Auch von den Zöglingen der National Farm School in Philadelphia sind mehrere zu hervorragenden Stellungen gelangt, wie sich überhaupt eine grolle Anzahl jüdischer Landwirte in Amerika zu hoher Bedeutung auf ihrem Berufsgebiet e m p org es ch wun ge n h a bcn. Ueberblickt man die Fürsorge der amerikanischen Institute für jüdische Kolonisten, so lassen sich ihre Hauptprinzipien deutlich feststellen. In allererster Linie hat man es nach Möglichkeit vermieden, Bettler und gescheiterte Existenzen zu Ackerbauern machen zu wollen, sondern hat die, welche sich aus eigenem Antrieb diesem Beruf zugewandt haben, nach Kräften unterstützt. Diese Unterstützung geschieht: 1. Finanziell, wobei jedoch streng vermieden wird, die Beihilfe in Form einer wohltätigen Spende zu verabreichen, vielmehr der geschäftliche Charakter des Darlehens stets gewahrt bleibt. 2. Durch berufliche Belehrung, hauptsächlich mittels der Zeitschrift in der den meisten Farmern verständlichen jüdischen Sprache. 3. I n Form v o n U nter w eisung der Jugend und Ermutigung derselben, landwirtschaftlichen Berufen nachzugehen. 4. Durch Schaffung von Absatzmärkten oder Erleichterung der P'roduktenvcrarbeitung, z. B. durch Errichtung von Sahnen- und Konservenfabriken; auch durch die Vermittlung der geeignetsten landwirtschaftlichen Apparate sorgen die Gesellschaften wirksam für ihre Schützlinge. 5. Liegt in ihren Händen die passende Auswahl des T e r r a i ri s und die Pflege und Verschönerung der Umgebung des Kolonisten. In die einzelnen Zweige sozialer Fürsorge teilen sich die verschiedenen philanthropischen Gesellschaften, die es sich auch zur Aufgabe gemacht haben, den Staat auf alle die Aufgaben hinzuweisen, die auf diesem Gebiet liegen. Im ganzen läßt sich sagen, daß die bisherigen Arbeits- und Fürsorgeniethoden jüdischer Landwirtschaft in Amerika ein so gewaltiges Aufblühender Kolonisation erreicht haben, daß ihr eingehenderes Studium vielleicht auch für andere Bestrebungen ähnlicher Art von Nutzen sein dürfte. PALÄSTINA-RUNDSCHAU (Von unserem Berichterstatter.) Die Woche hn Vordergrund des allgemeinen Interesses stellt — wie sollte es auch anders sein? der neue Krieg, in den die Türkei, die kaum den Krieg mit Italien beendet hat, nun gegen ihren Willen verwickelt wurde. Ein banges Gefühl zieht durch die Gemüter. In Jerusalem haben die Rabbiner ein besonderes Gebet für den Sieg der osmanischen Waffen verfaßt und auch eine besondere Andacht für die Wohlfahrt des Vaterlandes veranstaltet. In Jaffa kam auf Anregung von Frau I)r. Scham ai eine Besprechung jüdischer Frauen zustande, in welcher beschlossen wurde, zur Hilfeleistung für die verwundeten türkischen Soldaten nach dem Atuster des Roten Halbmondes einen „Roten Magen-David“ zu begründen. Inzwischen mußte der junge Ben-Jehuda als verantwortlicher Redakteur des „Haor“ ohne zureichenden Grund einige Tage im Gefängnis Zubringern Sein „Vergehen“' bestand darin, daß er, indem er die Ansichten ausländischer Zeitungen über den vermutlichen Ausgang des Krieges registrierte, auch einige der Türkei gegenüber pessimistisch gehaltene Zeitungsstimmen wiedergab. Fortgesetzt ziehen junge Soldaten, auch Juden darunter, an die Grenze. Der jüdische Arzt Dr. Neu mann aus Jerusalem, ebenso Dr. Moyal aus Jaffa haben sich freiwillig zur Fahne gemeldet. Der Kolonistensohn Eisenberg aus Reell oboth, der vor kurzem die Militärschule absolvierte, ist ebenfalls bereits ins Feld gezogen. Soweit rein jüdische Angelegenheiten in unserer Presse zur Sprache kommen, überwiegen noch immer die Trauerstimmen anläßlich des Hinscheidens von Sulamith Ruppin. Barsilai, Sehe inkin, H open ko, A. S. Rabinowitz u. a. versuchen, jeder nach seiner Art, dem allgemeinen Schmerz Ausdruck zu geben. In dieser schweren Schicksalsstunde, die Dr. Ruppin - heimgesucht, ist es klar geworden, welche tiefe Sympathien er sich durch seine Arbeit in allen Volkskreisen erworben hat. Während nun Dr. Ruppin, nachdem er für den Fortbestand der Musikschulen Sorge getragen, sich für einige Zeit zu seinen Verwandten nach Deutschland begibt und auch die Gemüter in Tel-Awiw sich allmählich beruhigt haben, trat von neuem ein Todesfall ein, der wieder im Hause eines unserer führenden Männer ein blühendes Menschenleben dahinraffte. Am Donnerstag, den 24. Oktober, während man sich zur Einweihungsfeier des Lewinsky-Lehrerinnenseminars rüstete, starb im Hause des Dr. C h i s s i n , des einstigen Bilu-Mitglieds und jetzigen Leiters des Palästinawerkes der Chowewe