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Die Welt · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46 Zion, eine Tochter im Alter von 23 Jahren. Die Einweihungsfeier wurde infolgedessen verschoben. Viele Einwohner von Tel-Awiw geleiteten Jehudith Chissin, die an Typhus gestorben war, zu ihrem Grabe, wo Jehoschuah Barsilai tief empfundene Worte sprach. Die Jüdisch-medizinische Gesellschaft in Jaffa Ein kluger russischer Jude, der Palästina vor einigen Jahren besuchte, hat seine Eindrücke in dem Satze zu sa mm enge faßt: Der Unterschied zwischen dem Galuthjudentum und dem Erez- Israel-Judentum wäre der, daß man im Galuth trotz aller Bestrebungen, gut jüdisch zu bleiben, am Ende doch dem Judentum entfremdet wird, während man in Erez-Israel trotz allem hartnäckigen Beharren bei unjüdischen Gewohnheiten am Ende doch zum Volljuden wird. Dieses hübsche und zutreffende Wort kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man die neue Leistung der Jaffa er Jüdisch-medizinischen Gesellschaft betrachtet. Der Vorstand dieser Gesellschaft hat nämlich beschlossen, vierteljährlich „Mitteilungen“ herauszugeben, die wohl allmählich zu einer medizinischen Monatsschrift ausgestaltet werden dürften. Und obwohl manche Mitglieder der Gesellschaft das Hebräische vorläufig noch nicht beherrschen, weshalb auch die Sitzungen noch nicht in hebräischer Sprache abgehalten werden, so ist doch das erste Heft dieser Mitteilungen in hebräischer Sprache erschienen! Wohl haben seinerzeit die Petersburger Aerzte Katze n e 11 s o h n und D e m b o und auch einige Provinzärzte wertvolle Arbeiten auf medizinischem Gebiete in hebräischer Sprache veröffentlicht. Aber dort waren es vereinzelte, sporadische Erscheinungen. Bei uns in Palästina hingegen ist dies eine allgemeine, ganz selbstverständliche Manifestation des nationaljüdischen Lebens. So werden wir nun in hebräischer Sprache neben einer wissenschaftlichen Zeitschrift für Pädagogik („Hachinnuch“) und neben einer landwirtschaftlichen Monatsschrift („Hachaklai“) bald auch eine medizinische Zeitschrift in hebräischer Sprache haben. Wahrlich, das bedeutet einen Triumph für unsere altneue Nationalsprache! Vorläufig allerdings haben diese „Mitteilungen“ ein bescheidenes Ziel. Sic wollen ein Bindeglied werden zwischen den im ganzen Lande zerstreut lebenden jüdischen Aerzten. Sie beschränken sich vorläufig auf den Abdruck der in der Gesellschaft gehaltenen wichtigsten Referate, auf die Veröffentlichung der Sitzungsberichte, eine Revue der medizinischen Presse, soweit die in Palästina auftretenden Krankheiten von ihr behandelt werden und auf informative Mitteilungen. Das erste nun vorliegende Heft bringt überdies von Dr. Scherman, dem Schriftführer der Gesellschaft, eine recht übersichtliche Darstellung über die Gründung der Gesellschaft und ihre bisherige Tätigkeit, aus welcher einiges, das auch für nichtmedizinische Kreise von Interesse ist, hier mitgeteilt werden soll. Die Jüdisch,-Medizinische Gesellschaft in Jaffa ist im Januar 1912 gegründet worden und zählt jetzt 18 Mitglieder, und zwar: 10 Aerzte und einem Apotheker in Jaffa, 5 Aerzte in den Kolonien Rischon le-Zion, Rechoboth, P e t h a c h - T i k w a h , C h e d e r a h und Sichron-Jak o b und zwei Aerzte in Tiberias. Da es im Lande überhaupt nur ca. 40 jüdische Aerzte gibt, so gehört schon jetzt fast die Hälfte der Gesellschaft an. Während nun in Ländern, wo die staatlichen Behörden sowie verschiedene Institute sich mit der medizinischen Forschung sowie mit der sanitären Fürsorge befassen, die medizinischen Gesellschaften hauptsächlich die Fortbildung die Mitglieder zum Ziele haben, muß die Jaffaer Gesellschaft neben ihrer hauptsächlichen Aufgabe, der fachlichen Ausbildung, auch die erstgenannten Arbeitsgebiete pflegen, 1429 da hier weder der Staat noch bis vor kurzem irgendein Privatinstitut etwas in dieser Richtung geleistet hat. Mit Recht klagt Dr. Schermann, daß es dem palästinensischen Arzte leichter ist, die Arbeiten eines Berliner oder Moskauer Krankenhauses kennen zu lernen als die eines palästinischen Hospitals, da die hiesigen Krankenhäuser bis jetzt keine für ärztliche Kreise bestimmten Berichte veröffentlicht haben. Auch jetzt, da die Gesellschaft Formulare in 10 000 Exemplaren vorbereitet und sich an alle jüdischen Aerzte Palästinas mit dem Ersuchen gewandt hat, die Formulare bei der Aufnahme der Kranken zu verwenden, damit dies bei allen Aerzten einheitlich geschehe, hat sie damit vorläufig noch keinen allgemeinen Erfolg erzielt, da beispielsweise bisher kein Jerusalemer Arzt dieser Aufforderung nachgekommen ist. Trotz aller Schwierigkeiten darf jedoch die Gesellschaft mit ihrer bisherigen Tätigkeit durchaus zufrieden sein. Für den Zweck der Fortbildung und des gegenseitigen Austauschs von Erfahrungen wurden im ersten Semester nicht weniger als 18 rein medizinische Referate gehalten, an die sich oft eine Aussprache knüpfte. Außerdem wurden Referate erstattet über den Vorschlag von Dr. Bendersky in Kiew betreffs Gründung einer medizinischen Hochschule in Palästina, (die hierauf bezügliche ausführliche Resolution der Gesellschaft wurde in Nr. 28 der „Welt“ veröffentlicht), über die Gründung eines neuen Hospitals in Jaffa, über die Jaffaer Apotheken und Vorschläge zu ihrer Reform, über das Gesundheitsamt usw. Dr. P u c h o w s k y , der im Frühjahr den Ausflug des Jaffaer Gymnasiums nach Obergaliläa mitmachte, referierte über seine Beobachtungen. Es ist der Gesellschaft auch gelungen, den Grundstock zu einer medizinischen Bibliothek zu legen. In dieser Beziehung kam ihr unser Freund J. L. Goldberg in Wilna zu Hilfe, der ihr die medizinische Bibliothek des Dr. Finn in Wilna übersandte. Die Gesellschaft ist auch bereits daran gegangen, statistische Erhebungen, insbesondere betreffs der Schuljugend in Palästina, zu pflegen. Auf Antrag von Dr. Moscowitz- Rechoboth ist eine Kommission eingesetzt worden, um die Frage der Tuberkulose in Palästina zu studieren. Die Gesellschaft gedenkt sich ferner mit einer Reihe anderer Arbeiten, wie beispielsweise der Therapie der Tiberiasbäder in Palästina usw. zu befassen. Alles in allem haben wir im der medizinischen Gesellschaft eine Institution zu begrüßen, die viel Gutes für Palästina zu leisten berufen ist. Es wäre zu wünschen, daß sowohl die übrigen Aerzte Palästinas als auch die zionistischen Aerzte in Europa sie in ihrer Wirksamkeit tatkräftig förderten. Kleine Nachrichten Der Verein „Ahawah w’achwah“ in Jerusalem, der eine Gewerkschaft der jüdischen Schuhmacher gegründet hat, geht jetzt daran, ähnliche Vereinigungen auch für andere Handwerker zu gründen. Im Entstehen begriffen ist eine Vereinigung der Zimmermaler und Anstreicher. Für eine Diamantenschleiferei, die in kleinem Umfang in Jerusalem gegründet wird, sind bereits die erforderlichen Maschinen eingetroffen. Der „Haor“ veröffentlicht einen Aufruf von Frau Dr. Thon für den „roten Magen David“. Dr. Kaminka, der Sekretär der Wiener Isr. Allianz, weilt in Begleitung des Rabbiners Dr. Wilde aus Magdeburg in Palästina. Dr. Kaminka inspiziert quasi inoffiziell die Alliance-Schulen und zeigt auch großes Interesse für die nationalen Institute wie beispielsweise die hebräischen Gymnasien, die Schulen des Hilfsvereins usw. Dr. Kaminka äußerte sich dahin, es hänge bloß von den betreffenden Eltern und dem

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