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Die Welt · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1426 unheilbar Kranke, festlich begangen. Volle 2 Millionen Dollars sind zum Erwerb des Terrains und zur Errichtung der Gebäude aus jüdischen Taschen zusammengeflossen. Das Heim ist für 50.') bis SOI) Kranke aller Konfessionen bestimmt; die Verwaltung der Fonds liegt in den Händen von Jacob H. Schiff, in seiner Eröffnungsrede wies Bürgermeister Gayno r auf das gewaltige Werk der Wohltätigkeit hin, das durch die Juden Amerikas geleistet wird, die, wie er sagte, hierin ,,dem amerikanischen Volke vorauseilen". Gleichzeitig riet er jedoch auch, nicht an die Beihilfe der Stadt zu appellieren, sondern lediglich aus jüdischen Mitteln das „gute Werk nach allen Richtungen auszudehnen". Auch Präsident M ü 11 e r rühmte den Wohltätigkeitssinn der Juden und ihre Toleranz beim Spenden, die z. B. dazu Nr. 46 geführt hat, daß es „sechs Juden waren, welche die Mittel zur Errichtung des Turmes der Trinity-Kirche hergaben". Das durfte nicht kommen! Man könnte fast glauben, daß in diesen Worten eine Verspottung des Judentums liege! Da dies aber an diesem Platze unter den betreffenden Umständen kaum denkbar ist, bleibt einem nichts übrig, als zu bedauern, daß das jüdische Ehrgefühl von den amerikanischen Staatsvertretern so gering eingeschätzt wird. Auf eine jüdische Wohltätigkeit, die Heime für unheilbar Kranke aller Konfessionen stiftet und damit dem gastfreien Amerika gewissermaßen einen Dankestribut zollt, können wir stolz sein! Eine jüdische Philanthropie, die Kirchtürme stiftet, gemahnt ernstlich daran, daß das Judentum selbst krank geworden ist — hoffentlich nicht ebenfalls unheilbar! Jüdisch-landwirtschaftliche Arbeit in Amerika Von Helene Hanna Cohn In der diesjährigen Ausgabe des amerikanisch-jüdischen Jahrbuches behandelt Leonard G. Robinson ausführlich das Thema landwirtschaftlicher Bestrebungen und Methoden in der jüngsten Zeit. Gerade heute, wo so vielfach in jüdischen Kreisen der Wunsch nach Rückkehr zum Heimathoden laut wird, wo man aus der Berührung mit dem Erdboden die Wiederbelebung der Volkskräfte erhofft und auf der andern Seite bangt, ob nach so langer Entfremdung vom Wurzelboden der Jude überhaupt noch die Fähigkeit zum Ackerbauer besitzt, ist es von höchstem Wert, die bisherigen Erfolge dieser jungen Bestrebungen, ihre Voraussetzungen und Methoden kennen zu lernen. Als Ausgangspunkt und Ziel jüdischer Arbeit geht der Verfasser zunächst auf die landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina ein diesen Teil der Arbeit an dieser Stelle zu rekapitulieren, hieße Eulen nach Athen tragen. In Rußland haben jüdische Ackerbauer es unendlich schwer gehabt. Wohl erlaubte die Regierung von Zeit zu Zeit den Ankauf von Land oder stellte einer Anzahl von Siedlern sogar Terrains --- besonders in Sibirien zur Verfügung, entzog sie ihnen aber in den meisten Fällen nach einigen Jahren der Bewirtschaftung oder legte ihnen fast unüberwindliche Hindernisse in den Weg. Unter diesen Umständen ist es noch verwunderlich, daß ein Regierungs-Zensus im Jahre 1897 die Anzahl der in landwirtschaftlichen Berufen tätigen Juden mit 40 611 angeben konnte. Seitdem geht der jüdische Bauernstand immer mehr zurück, obwohl die Ica nach Kräften um sGne Hebung sich bemüht. In West e u r o p a ist die Zahl jüdischer Ackerbauer kaum erwähnenswert (in Deutschland gab es 1907 nur 3746 Juden in ländlichen Berufen), obgleich eine Reihe großer Landbesitze sich in den Händen von Juden befinden. Die Schicksale der argentinischen Siedler und Kolonien sind bekannt. Ihr Areal betrug 1910 ca. 500 000 Hektar, auf denen 3777 Familien mit zusammen 21 115 Seelen angesiedelt waren. In Brasilien hat 1910 die Ica 52 hessarabische Familien angesiedelt, in Kanada, wo eine Reihe jüdischer Siedler aus eigener Initiative, ohne fremde Unterstützung, Regierungsland zu bebauen begannen, gab es 1911 828 jüdische Bauernfamilien mit 3382 Seelen, die im Besitz von 136 334 Acre Land waren. Diese Zahlen sind nicht sehr bedeutend, sprechen jedoch immerhin von dem Streben einer ganzen Anzahl Juden, auf eigenem Boden zu wurzeln. Während jedoch — mit Ausnahme von Palästina — in allen Ländern die jüdischen Versuche in der Landwirtschaft mehr oder minder künstliche Produkte, die Experimente verschiedener Organisationen sind, ist der Zug auf das Land in Amerika zu einer regelrechten Volksbewegung — einer Bewegung im jüdischen Volke — geworden, die sich zwar auf Hilfs- und philanthropische Gesellschaften stützt, in ihrer Ausdehnung aber keinesfalls mehr vom Willen irgendwelcher Institute dirigiert werden kann. Vereinzelte Bestrebungen jüdischer Ansiedler auf dem Gebiet der Landwirtschaft lassen sich bis in die ersten Zeiten amerikanischer Kolonisation zurückverfolgen, doch entstand erst 1820 unter der Leitung des Staatskonsuls Mordechai Noah die erste nationaljüdische Kolonie, die aber, ebenso wie eine 1837 von russischen Juden gegründete Siedlung, wegen der völligen Unerfahrenheit ihrer Besitzer zugrunde ging. Von einer zielbewußten jüdischen Ackerbesiedlung kann erst seit den Pogromjahren die Rede sein. Im Jahre 1881, nach dem Pogrom von Kiew, fand sich plötzlich die Jüdische Einwandercrgesellschaft vor dem Problem, den von der Alliance Israelite Universelle nach Amerika transportierten 1500 Einwanderern Unterkunft und Erwerb zu geben. Da viele der Flüchtlinge nach Landarbeit verlangten, gründete die genannte Gesellschaft zwei Kolonien für zusammen 84 Familien, und auch sonst entstanden in fieberhafter Eile in allen Teilen des Landes kleine jüdische Ansiedlungen. Da es gänzlich unerfahrene Kräfte waren, die das schwierige Geschäft des Landbauers unternahmen, waren natürlich die Resultate aller dieser Experimente nur von kurzer Dauer. Auf die Geschichte der ersten jüdischen Siedlungen auf amerikanischem Ackerboden näher einzugehen, verbietet der Raum. Sie alle waren von wohltätigen Personen oder Instituten im Augenblick der Not ins Leben gerufen worden, häutig auf gänzlich ungeeignetem Boden, und sie alle gingen an der mangelnden Berufskenntnis der Siedler und ihrem Mangel an genügenden Mitteln zugrunde. Nur drei Kolonien aus den ersten Jahren nach dem Pogrom von Kiew haben sich bis heute erhalten; alle drei werden von jüdischen Philanthropen unterstützt, und zwei von ihnen sind mit einer Fabrik verbunden, die den Bauern Nebenbeschäftigung bietet und deren

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