Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 46 .-.-.-..-.- - ----- DIE LT ■ ----1425 Jungen nicht abgeneigt scheint, ist einfach von den Juden des russischen Ansiedlungsrayons bestochen. Die Proklamation der Balkanstaaten zum religiösen Kriege haben jüdische Umstürzler unterschoben und das Kriegsmanifest des bulgarischen Königs ist das Werk einer jüdischen «Großbank! Aber wir müssen leider bei dem fürstlichen Unsinn bitter ernst bleiben. Denn solche Kost, mit Alkohol gewürzt, wird den Hooligans verabreicht, bevor sie ins Judenviertel eindringen . . . Ei»6 interessante Entscheidung der böhmischen Statthalterei (Von unserem Berichterstatter.) P r a g. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Komotau hat bei Aufstellung des Budgets der Gemeinde unter anderen Subventionen auch dem Jüdischen Nationalfonds 50 K. zugewiesen. Nun fanden sich aber im Kultusvorstand Herren, welche gegen diese Spende protestierten, und da sie überstimmt wurden, brachten sie eine Beschwerde bei der politischen Aufsichtsbehörde, der Bezirkshauptmannschaft Komotau, ein, in der sie geltend machten, daß die Kultusgemeinde nach dem Gesetze nur für die „religiösen B e d ii r f - n i s s e" der Gemeindeangehörigen zu sorgen habe, die Zuwendung an den Nationalfonds aber eine „politische Demonstration" sei. Die Bezirkshauptmannscliaft hat der Beschwerde stattgegeben und den Beschluß des Kultus Vorstandes als u n - gesetzlich aufgehoben. Gegen diese Entscheidung nun beschloß der Kultusvorstand Komotau, den Rekurs an die böhmische Statthalterei zu überreichen und betraute damit das Vorstandsmitglied Herrn Dr. Hermann Hirsch. In dem Rekurse wurde ausgcführt, daß die Entscheidung der Be- /irkshauptmannschaft ein ungestzlicher Eingriff in die Autonomie der Kultusgemeinden sei; da die Kultusgemeinde auch für andere, nicht direkt religiöse Zwecke, wie Krankenhäuser, Waisenhäuser, Wohlfahrtsvereine, Mittel bewillige, müsse ihr auch das Recht zustehen, den Jüdischen Nationalfonds, dessen Zwecke in dem Rekurs dargelegt wurden, zu subventionieren. Dieser Tage langte nun die — inappellable — Entscheidung der k. k. Statthalterei in Prag herab, wodurch dem Rekurs vollinhaltlich stattgegeben, die Entscheidung der Bezirkshauptmannscliaft aufgehoben und der angefochtene Beschluß des Kultusvorstandes bestätigt wird. Diese Entscheidung ist von großer prinzipieller Bedeutung für unsere Kultusgemeinden, die dadurch in ihrer Autonomie gestärkt werden. Für die böswilligen Gegner des Zionismus, die auch das verwerfliche Mittel einer Denunziation bei der politischen Behörde nicht scheuten, wird diese Blamage eine Lehre sein. Die Beteiligung der serbischen Juden am Kriege B e I g r a d. Von ungefähr 6000 jüdischen Einwohnern Serbiens sind etwa 800 eingerückt. Von diesen 800 sind 15 Reserveoffiziere und einer aktiver Hauptmann, alle anderen gewöhnliche Soldaten. Während des jetzigen Krieges haben sich die Juden glänzend bewährt. Das im allgemeinen wenig judenfreundliche Regierungsblatt „Politika" hat in einer seiner letzten Nummern den Juden besonderes Lob gespendet. Es schrieb unter anderem, daß zwei Kompagnien, die größtenteils aus Juden zusammengesetzt sind, tapfer gekämpft und zwei türkische Forts, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, eingenommen haben. 21 jüdische Aerzte sind auf dem Sclilachtfelde tätig. In den Spitälern in den Städten arbeiten auch jüdische Aerzte und zeichnen sich überall aus. So wurde z. B. dem jungen Dr. Eszkenazy die Organisation und die Leitung der provisorischen Hospitäler in Belgrad anvertraut. Viele Juden und Jüdinnen haben sich freiwillig zum Roten Kreuz gemeldet. Frau Dr. Alcalay in Belgrad und ihre Tochter haben gemeinsam mit einigen anderen Frauen die Oberaufsicht über die Küchen in den Spitälern. Der Oberrabbiner von Serbien, Dr. Alcalay, hat sich mit einem Vorstandsmitgliedc der israelitischen Gemeinde Belgrads in die neueroberten Städte begeben, um dort durch Reden beruhigend auf die Einwohner zu wirken. Die Juden Belgrads besitzen zwei Kultusgemeinden, eine spaniolische und eine deutschjüdische. Die spauiolisclie hat der Regierung im Laufe von zehn Tagen schon 20 000 Frs. für die Pflege der Verwundeten usw. gespendet. Die deutschjüdische hat unter der Leitung ihres Rabbiners Schlang ein provisorisches Spital mit 20 Betten und eine Ambulanz eingerichtet und versorgt die Verwundeten mit Lebensmitteln. Momentan sind in den Spitälern Belgrads ungefähr fünf jüdische Verwundete untergebracht. Es heißt, daß bisher 50 serbische Juden gefallen sind. Die Synagoge als Helferin des Staates (Von unserem Berichterstatter.) New York. Mit sozialen Bestrebungen zum Volke zu dringen, ist für die Verwaltung amerikanischer Städte stets eine sehr schwierige Aufgabe, da es kaum irgendeine Plattform allgemeiner Interessen gibt, auf die sich alle die heterogenen Volkselemente vereinen lassen. Abgesehen von der Auswandererpresse der einzelnen Nationen, ist eigentlich die Kirche das einzige Bindeglied, und ihrer bedienen sich die Staats- und Stadtverwaltungen sowie große soziale Organisationen mehr mul mehr, um die Bürger zu sozialer Mitarbeit zu erziehen. Ein interessantes Beispiel für das Zusammenwirken sozialer und religiöser Institute bildet es, daß am vorigen Sonnabend auf Veranlassung des Komitees zur Verhütung der Tuberkulose in allen Synagogen der Stadt New York von der Kanzel herab auf die Gefahren der Tuberkulose aufmerksam gemacht wurde, wobei die Rabbiner die zur Verhütung der Seuche dienenden Maßregeln an gaben und ihre Bekämpfung im Lichte einer religiösen Pflicht hinstcllten. Wenn man bedenkt, daß in den Vereinigten Staaten jährlich 200 000 Personen an Schwindsucht sterben, wovon -ein sehr großer Prozentsatz auf jüdische Einwanderer und die Bewohner der häufig recht unhygienischen jüdischen Stadtviertel entfällt, so ist diese Maßnahme als Mittel zur Gesundheitsbcwahrung des jüdischen Volkes mit Freude zu begrüßen. Wie überall hier, wo es sich um das Volkswohl handelt, stehen auch in diesem Kampfe gegen die Tuberkulose die amerikanischen Juden in vorderster Reihe, und die Vereinigten Jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaften von New York haben anläßlich der neuesten Kampagne eine Werbeschrift zur Bekämpfung der Seuche in jüdischer Sprache herausgegeben. Schon jetzt stiften die jüdischen Gesellschaften für die Organisation 50 000 Dollars pro Jahr, ohne daß diese Summe jedoch durchgreifend wirksame Maßnahmen ermöglichte. Grundsteinlegung des Montefiore-Heimes Ein durch jüdische Wohltätigkeit begründetes Institut ist dieser Tage in New York in Angriff genommen worden. Unter zahlreicher Beteiligung wurde die Grundsteinlegung des aus jüdischen Mitteln gegründeten Montefiore-Heimes, einer Anstalt für