Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1424 .rr, .=r,.... r.=...B.B & 1 E HqEE LT- - -..Nr. 46 ln Odessa trugen die famosen Wahlpraktiken der Stadtobrigkeit einen glänzenden Sieg davon. In beiden Stadtkurien siegten die Kandidaten des Schwarzen Hundert: Bischof A n a t o 1 i u s und Prof. Lemasclio w. Sehr überraschend wirkte allerdings die Wahl dieses letzteren, der in den Zeiten der finstersten Reaktion unter wohlwollender Förderung Tolmatschows in die Höhe kam und der als Rektor die verrotteten Zustände an der Odessaer Universität, das niederträchtigste Spionagesystem, die unerhörte Korruption und die Unterschiede der Universitätsbeamten usw. auf dem Gewissen hat. Wie dieser höchst unpopuläre Herr, den man offen den Mörder des Studenten Iglitzky nennt, über Sliosberg in der ersten Kurie, wo die jüdischen Wähler allein 47 <*> der gesamten Wählerschaft aus machten, den Sieg davontragen konnte, ist ein Geheimnis —- allerdings ein sehr durchsichtiges — unserer Wahlmacher. Bei den letzten Wahlen wurden nämlich in Odessa Tausende jüdische Wähler, die die Feuerprobe der Wahllisten glücklich bestanden hatten, einfach nicht zu den Urnen zugelassen. Anderen Wählern wurden die Wahlzettel abgenommen, aber nicht in die Urnen getan. Bei dieser Sachlage bekommt die dumm-schlaue Aeußerung eines Mitgliedes der Wahlkommission, die Odessaer Juden hätten diesmal ,,große politische Besonnenheit“ an den Tag gelegt, eine ganz eigentümliche Bedeutung. . . . Wiener Kultuswahlen 1912 (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Das offizielle Wahlkomitee ist an das Kultuswahlkomitee der Wiener Zionisten mit dem Anerbieten herangetreten, für den diesjährigen Wahlgang ein Kompromiß abzuschließen und hat ersucht, ihm die Bedingungen bekannt zu geben, unter welchen die zionistische Opposition einer friedlichen Einigung zusammen würde. Unser Exekutivkomitee hat nach eingehender Beratung im wesentlichen nachstehende Bedingungen formuliert, die dem zionistischen Zentralwahlkomitee unterbreitet und von diesem gebilligt wurden: Wir beanspruchen die Ueberlassung und freie Besetzung z w e i e r Vorstands m a n d a t e , für die wir die Mitglieder der zionistischen Leitung, Dr. Jakob Ehrlich und Ing. Robert Stricker nominieren. Wir fordern ferner ein Zehntel aller Mandate für die Bezirkskommissionen (das sind ungefähr 20 Mandate). Die Nominierung für diese Körperschaften wird aus Zweckmäßigkeitsgründen später erfolgen. Ueber das Zustandekommen der Einigung hat eine gemeinschaftliche Erklärung an die Wählerschaft mit Empfehlung der gemeinsamen Kandidatenliste verschickt zu werden. Zwecks Verfassung des Aufrufs konstituiert sich ein gemeinsames Komitee. Die Gegenseite hat diese Bedingungen in der Sitzung vo m 9. November akzeptier t. Die zionistischen Kandidaten für die am 24. November stattfindenden Wahlen in den Wiener Kultus Vorstand sind somit: Dr. Jakob Ehrlich, Hof- und Gerichtsadvokat, ]., Neuthorgasse Nr. 15, und Ing. Robert Stricker, Ober-Kommissär der k. k. Staatsbahnen, III., Bechardgasse Nr. 24. Die Namen der gegnerischen Kompromißkandidaten werden den Gesinnungsgenossen rechtzeitig bekanntgegeben und sind selbstverständlich auch von den zionistischen Wählern ebenso wie unsere beiden Kandidaten auf den Wahlzettel zu setzen. Zur Aufklärung sei folgendes bemerkt: Die Majorität der verantwortlichen Gesinnungsgenossen erkannte in dem diesmaligen Vorgehen der Gegenseite den ehrlichen Willen, der zionistischen Opposition auch ohne Wahlkampf eine entsprechende Vertretung im Vorstande einzuräumen. Auch in früheren Jahren wurden von den Offiziellen Kompromißversuche gemacht, die aber immer zurückgewiesen werden mußten, weil man uns nicht Mandate zur freien Besetzung zugestehen, sondern b e s t i tri m t e Männer diktieren \v o 111 e , welche die H erren selbst auswählten und zu zionistischen Kandidaten ernannten. Unter dem Eindrücke der bisherigen zionistischen Erfolge bei den Kultuswahlen haben jedoch die Gegner ein weitgehendes und loyales Entgegenkommen an den Tag gelegt. Die überwiegende Mehrheit im zionistischen Kultuswahl- Exekutivkomitee sprach sich daher für das Kompromiß aus, zumal der Pakt durchaus würdig und ehrenvoll ist und uns Gelegenheit bietet, zwei unserer besten und tatkräftigsten Männer in den Kultusvorstand zu entsenden. Ausschlaggebend für die Beschlußfassung unseres Komitees war auch die Konzedierung zahlreicher Mandate für die Bezirk s k o m m i s s i o n e n , deren Ausgestaltung und Kompetenzerweiterung eine Hauptforderung des zionistischen Kultusgemeindeprogramrns bildet. Auf Grund der angenommenen Bedingungen werden in jeder Bezirkskommission zwei bis drei Verfechter unseres Programms sitzen, denen Gelegenheit geboten ist, an dem Ausbau der Bezirkskommissionen zu beschlußfähigen Körperschaften mit Autonomie in Bezirksangelegenheiten, sowie an der Reform des Steuerwesens und der Armenfürsorge hervorragend mitzuwirken. Der Balkankreuzzug — ein Werk der Juden Das antisemitische ,,D c u t s c h e V o 1 k s b 1 a 11“ bringt der aufliorchenden Welt eine sensationelle Enthüllung, die es einem hohen russischen Gewährsmann verdankt. Alexander Fürst Dolgorukow benützt seinen Wiener Aufenthalt, um in einem fünf Spalten langen Leitartikel zu verkünden, daß der Balkankrieg — von den Juden angezettelt wurde. Englische, französische und amerikanische Juden haben das Geld beschafft, um den gänzlich verarmten Balkanstaaten den Krieg überhaupt zu ermöglichen. Dann haben sie heimtüdkisch den Brand geschürt und das Blutvergießen heraufbesclnvoren. So wollten sie zweierlei erreichen: Einerseits wußten sie, daß sich nach der Niederlage der Türkei — die sie natürlich voraussahen — das Judentum in den siegreichen Balkanstaaten tüchtig werde breitmachen können, anderseits hofften sie, Rußland in den Krieg zu verwickeln, das Zarenreich zu schwächen und der russischen Revolution die Wege m ebnen. Der teuflische Plan war aber nicht leicht durchführbar, ohne durchschaut zu werden. Deshalb sind die Schlauen darauf verfallen, dem Balkankrieg den Charakter eines Kreuzzuges zu geben. Jawohl: „Das Märchen vom Schutze der unglücklichen christlichen Brüder“, die in türkischen Ketten schmachten, ist eine jüdische Erfindung’ . . . Nach den authentischen und einleuchtenden Darlegungen des Fürsten Dolgorukow wird dem Chronisten manches klar: Die christlich-soziale „Reichspost“, die den Balkankrieg Als „unvermeidlichen Waffengang des hart bedrängten Christentums" pries, täglich hetzt und schürt und weiteren Verwicke-