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Die Welt · 1912-11-08 · 45 (8.11.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1398 DIE2§KELT Nr. 45 niTV PALÄSTINA-RUNDSCHAU <D (Von unserem Berichterstatter.) Frühregen in Judäa Zur Freude der benachbarten landwirtschaftlichen Kolonien ist der Frühregen bereits in dieser Woche in reichlichem Maße niedergegangen. Nach Angaben des Herren I )r. A. B. R o s e n s t e i n , Lehrers am Hebräischen Gymnasium in Jaffa, betrug die Niederschlagsmenge an der Meeresküste 4,4 mm. Etwas tiefer im Lande war die Regenmenge allerdings geringer, aber immerhin für die Aufnahme der Feldarbeit ausreichend. Wenn die Regenverhältnisse auch fernerhin so günstig bleiben, so ist auf ein günstiges Jahr zu hoffen, was nach der im großen und ganzen unbefriedigenden Ernte des letzten Jahres im Interesse der ackerbautreibenden Bevölkerung sehr zu wünschen wäre. Der Niedergang des Frühregens hat auch eine Besserung der OesundheitsVerhältnisse zur Folge. Für Palästina bedeutet die jetzige Jahreszeit, was der Mai für Europa bedeutet. Mit Lust und Freude werden jetzt die Felder gepflügt, und auch die Spaziergänger haben ihre schöne Zeit. Aus den Städten Jaffa, 20. Oktober. Die Organisierung unserer Gemeinde macht gute Fortschritte und nimmt immer festere Formen an. Die Wahlen für den Waad-HaTr (Gemeindeverstand) sind bereits beendigt, Gewählt wurden 22 Gemeindemitglieder, zu denen der Chachambaschi als Ehrenvorsitzender hinzukommt. Die Zahl 23 ist wohl in Anlehnung an die Zahl des kleinen Synhedrions, wie es bei unseren Altvordern in Erez-Israel bestand, gewählt worden. Der Chachambaschi eröffnete die konstituierende Versammlung mit einer herzlichen Ansprache. Hierauf wurden in den engeren Gemeinde Vorstand gewählt: J. L. A buho w (Vorsitzender), Sehe inkin, Berlin, Dr. M e t m a n n, Chan och und von den Sephardirn: Sehl n s e h und Kork i d i. Es wurden noch folgende Kommissionen gewählt: für die offizielle Vertretung der Gemeinde (diese Kommission ist bereits von der Regierung bestätigt), für den Schutz der Gemeinde, für sanitäre Kontrolle in den Straßen und am Hafen, für die Emigrantenfürsorge (zu diesem Zwecke soll am Hafen ein Haus gemietet werden) und für die Regelung der Lebensmittelpreise. Außerdem wurden vom Waad-Ha’ir Vertreter in die Verwaltung der Chewra Kadischa und der Volksküche, ferner ins Komitee zur Gründung des neuen Krankenhauses, endlich in die Verwaltung der Mädchenschule delegiert. Es wurde auch beschlossen, eine Unterstützungskasse für durchreisende Arme zu begründen. Das Bureau des Waad - Hahr befindet sich im Hause des Chachambaschi. Jerusalemer Gymnasium in Betracht, das noch eine größere Anzahl Schüler aufnehmen kann. Nachdem Dr. Mossinsolin und Dr. Bogratschoff von Konstantinopel zurückgekehrt waren, fuhren sie nochmals nach Jerusalem, wo die dortige Behörde auf Anordnungaus Konstantinopel das J a f f a e r Gymnasium endgültig legalisierte. Die vielen Schüler aus dem Ausland haben die Verwaltung des Jaffaer Gymnasiums veranlaßt, einen eigenen Schularzt anzustellen. Es wurde beschlossen, sich diesbezüglich an Dr. med. S. Tschernicho w s k y zu wenden. Eine jüdische Waisenanstalt und Ackerbauschule bei Pethach -Tikwah Das deutsch-jüdische Waisenhaus, das nahezu dreißig Jahre in Jerusalem bestanden hat, verlegte dieser Tage sein Domizil nach der Kolonie Pethach-Tikwah, vorläufig in ein gemietetes Lokal, um später ein eigenes Heim zu beziehen, das im benachbarten Fedsche, auf dem Salvendischen Terrain, aufgeführt werden soll. Das Waisenhaus wird von dem „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina“, dessen Sitz in Frankfurt a. M. ist (Vorsitzende: Rabbiner Dr. Nobel und Fritz S o n d h e i m e r), erhalten. Ursprünglich hatte sich das Waisenhaus zur Aufgabe gemacht, seine Zöglinge zu Handwerkern zu erziehen. Dabei machte aber die Leitung die Erfahrung, daß die jungen Handwerker, von den höheren Löhnen, die im Auslande gezahlt werden, angelockt, vielfach auswanderten. Da nun andererseits an einem tüchtigen, fachlich ausgebildeten Bauernstand in Palästina Mangel ist, nahm der Verein das Anerbieten des Herrn Rabbiner Dr. A. Salven di, zurzeit in Karlsruhe, freudig an, das Waisenhaus, für das er unermüdlich tätig ist, auf sein Gut nächst Pethach- Tikwah zu verlegen, um die Zöglinge zu Ackerbauern zu erziehen. Vorerst sollen sie die Feldarbeit unter Anleitung eines tüchtigen Landwirts praktisch lernen. Vorzugsweise soll Molkerei, Geflügelzucht und Gemüsebau betrieben und eine Musterfarm geschaffen werden. Für die erforderlichen Baulichkeiten ist der Betrag von 80 000—100 000 Frcs. vorgesehen. Der Bau des Hafens von Haifa Die Verhandlungen der türkischen Regierung mit der französischen Finna Schneider-Creusot, betreffend den Bau des Hafens von Haifa, sind zur beiderseitigen Zufriedenheit beendet worden. Der Bau des Hafens wird der. genannten Firma übertragen werden. Schulwesen und Schrifttum Das Jaffaer Hebräische Gymnasium hat bereits 410 Schüler! In dieser Woche sind über Odessa und Triest ca. 80 alte und neue Schüler angekommen. Manche Klassen sind bereits derart überfüllt, daß sie keine neuen Schüler mehr aufnehmen können. Die Eltern in Europa, die ihre Kinder zum Besuche eines palästinensischen Gymnasiums hierher schicken wollen, würden gut tun, sich zuvor zu erkundigen, ob in der betreffenden Klasse in Jaffa noch Platz vorhanden ist. Für die ersten vier Gymnasialklassen kommt auch das Versammlung jüdischer Landarbeiter in Palästina Ende September fand in Jaffa der Delegiertentag der jüdischen Landarbeiterorganisation „Hapoel Hazair“ statt. An der Tagung nahmen etwa 100 Delegierte aus den landwirtschaftlichen Kolonien Judäas, ferner eine Anzahl Vertreter aus den galiläischen Kolonien teil. Es wurden verschiedene Beschlüsse zur wirtschaftlichen und geistigen Hebung der jüdischen Landarbeiterschaft gefaßt.

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