Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 DIE ELT 1397 möglichst groß und andererseits die Wasserausdünstung möglichst klein sei; ferner unablässiges Vertilgen der Unkräuter, damit sie den Kulturpflanzen die Feuchtigkeit nicht entziehen; endlich muß darauf geachtet werden, daß die Nutzpflanzen sich nahe der feuchten Bodenschicht befinden. Eine erwünschte Ergänzung zu diesem Aufsatz bildet der Artikel des Kolonisten Sch. P. Rosen in Rischon le-Zion: „Wie ich meinen Obstgarten ohne Bewässerung bestellt habe.“ Agronom Apfelbaum bringt den Schluß seines instruktiven Aufsatzes über die „Kultur der Citrusarten in Palästina“, der sich in diesem Hefte besonders mit der Ernte der Orangen befaßt. Gegenüber der von mancher Seite ausgesprochenen Befürchtung, daß man mit den OrangenpfLnzungen in eine Ueberproduktiori hineingeraten könnte, ist Apfelbaum, selbst einer unserer ersten Bojarenbesitzer, der Ansicht, daß für pessimistische’ Betrachtungen kein hinreichender Grund vorliege. Dazu hat sich die Jaffaer Orange denn doch einen viel zu guten Namen auf dem Orangenmarkte erworben, als daß sie ohne weiteres verdrängt werden könnte. Die Orange hat auch in Judäa in bezug auf Aroma und Frühreife günstigere Bedingungen als anderswo. Selbst wenn die Preise um 25 °/o sinken sollten, würde sich eine Orangenbojare von etwa 30 Dun am noch gut rentieren. Freilich stehen diese Ausführungen in keinem Gegensatz zu den Warnungen vor Monokultur, die kürzlich Dr. H. G. He y m a n n in der „Welt“ ausgesprochen hat. Das Heft bringt noch eine interessante Auseinandersetzung zwischen Agronom Dr. Pick holz (jetzt Leiter der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethach-Tikwali) und Agronom Wilkansky 'über „Düngungsversiidie in Ben-Schemen“. Gymnasiallehrer Dr. Rosenstein schreibt über „Regenmessungen“. M. C h a k I a i bespricht die Fliegenplage in Palästina und fordert die Bevölkerung zu ihrer Bekämpfung auf. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Zeitschrift „Hachaklai“ sich ein Verdienst erwerben könnte, wenn sie die erfahrenen Kolonistenfrauen veranlassen wollte, ihre Kenntnisse bezüglich der Zubereitung der palästinensischen Pflanzen und Küchengewächse einem weiteren Kreise durch geeignete Veröffentlichungen zugänglich zu machen. So manche jetzt bestehende Schwierigkeit in der Lebenshaltung würde dadurch beseitigt oder doch gemildert werden können. Das Septemberheft des „Hachaklai“ bringt auch die üblichen Rubriken: Aus der Fachliteratur, Chronik, Fragen und Antworten, Bibliographie und Handelsnachridrten. In Rußland beherrschen die Dumawahlen andauernd die gesamte jüdische Presse. Im Vordergründe des Interesses stehen dabei die Wahlen in Polen, namentlich in Warschau, wo die jüdischen Wahlmänner bekanntlich die absolute Mehrheit bilden und somit einen jüdischen Abgeordneten selbständig zu wählen imstande wären. Diese Forderung stellt auch der bekannte Ghettodichter Schalom Asch in einem „Emanzipiert euch selbst!“ iiberschriebenen Artikel auf, der im Warschauer „Fraind“ erschienen ist und in mancher Hinsicht bemerkenswert erscheint. In temperamentvollen Ausführungen stellt darin der Verfasser die Behauptung auf, daß die Juden in Polen keine geringeren Besitzansprüche hätten, als die Polen selbst. „Ich bin,“ so führt er aus, „mit der Erde, den Flüssen, den Wäldern des Landes ebenso verknüpft, wie jeder gute Pole. Spricht denn die Weichsel polnisch? Für sie spricht sie polnisch, für mich — jüdisch. Sie haben das Dorf, wir — das Städtchen. Sie lieben ihre Traditionen, ich — die meinigen. Weshalb sollen denn die Juden ihre Rechte einem Fremden anvertrauen? Aus Angst? Was haben wir denn zu befürchten? Seit wann fürchtet sich das jüdische Volk vor Leiden? Ist doch unsere ganze Geschichte ein Leiden und Kämpfen für eigene Lebensart! Was sie lins antun konnten — haben sie bereits getan. Die besten Kräfte der jüdischen Jugend haben sie durch ihre Handelsorganisationen aus dem Lande verdrängt und nach Amerika und Kanada fortgejagt. Die Städtchen sind in Dörfer verwandelt worden. Der vierte Teil der jüdischen Bevölkerung in Polen lebt vom amerikanischen Dollar, der ihm aus dem .neuen Lande4 von Kindern, Männern und Freunden zugeht. Laßt uns doch nicht betteln um Gleichberechtigung! Emanzipieren wir uns selber — anstatt, daß wir von anderen Gleichberechtigung fordern!“ -- Die Vorgänge in der polnischen Metropole, welche weit über die Grenzen Polens hinaus die öffentliche Meinung beschäftigen, finden auch namentlich in Petersburg ein lebhaftes Echo. „Der Moment“ berichtet über eine dort abgehaltene Versammlung der „Jüdischen literarisch-wissenschaftlichen Gesellschaft“, in der ein Mitarbeiter des Kadettenorgans „Rjetsch“ über „die polnisch-jüdischen Beziehungen in der Gesellschaft und Presse“ referierte. Nach einem einleitenden Ueh erblick über die Wahlkampagne in Polen, kam der Referent zur Schlußfolgerung, daß die polnisch-jüdischen Beziehungen jetzt in eine neue Richtung gelenkt würden. Die polnische Gesellschaft strebe danach, jede Aeußerung von jüdischer Selbständigkeit zu bekämpfen und zu unterdrücken, die Juden von allen Gebieten wirtschaftlicher Tätigkeit zu verdrängen. Der Wahlkampf habe gezeigt, daß sich in Polen ein Nationalitätenstreit abspiele, der durch keinerlei Kompromisse beseitigt werden könne. Es sei deshalb kein Platz mehr für solche Gruppen, die zugleich Polen und Juden sein wollen — für die „Polen mosaischer Konfession“'. An der darauffolgenden Diskussion beteiligte sich auch unser Gesinnungsgenosse Dr. Pasmanik, der sich im allgemeinen mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärte, dabei aber das große Verdienst der zionistischen Bewegung um die Erstarkung und die Erfolge des jüdischen Nationalismus hervorhob. Die Polen in Petersburg sind mit den Kadcttenführern höchst unzufrieden. In Gesprächen mit dem dortigen Vertreter des „H a j n t“ äußerten sich die bekannten Führer der konstitutionell-demokratischen Partei M i i j u k o w und P e t r u n - ke witsch in anerkennender Weise über das selbstbewußte Verhalten der jüdischen Wählerschaft in Warschau. Darob gerieten die Polen, die es den genannten Parteihäuptern nicht verzeihen können, daß „sie sich in die inneren polnischen Angelegenheiten mengen“ und „den Juden gute Ratschläge erteilten“, in heftige Wut. Um sich zu rächen, haben die Polen in Petersburg beschlossen, gegen Miljukow für den sozialistischen Kandidaten zu stimmen. Der Sozialist gilt ihnen als das kleinere Uebel gegenüber dem bürgerlichen Kandidaten, der es gewagt hat, „den Juden gute Ratschläge zu erteilen“ . . . □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ Zur gefl. Beachtung/ Wir machen unsere Leser auf die Ausgabe der ,,Welt“ auf holzfreiem Papier aufmerksam und empfehlen insbesondere allen Vereinsbibliotheken, Archiven usw. deren Bezug. — Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert werden und kostet für Deutschland und Österreich-Ungarn M. 18,— pro Jahr für alle übrigen Länder.„ 24,— „ ,, Verlag „Die Welt“. □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□