Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1396 . .■ D 1 E LT '.,--"""".. ..: Nr. 45 Die „D e u t s c h e M e d i z i n i s c h e W o c h e n s c h r i f tu bringt in Nr. 43 einen sehr interessanten Artikel über die „Malariaforschung in Jerusalem“. In Berlin hat sich im Frühjahr d. J. aus Vertretern der in Palästina interessierten Kreise ein Komitee zur Erforschung der Fieberkrankheiten in Jerusalem gebildet. Im August wurde unter Führung von Professor Mühle ns eine wissenschaftliche Expedition entsandt. Professor Müh lens hebt in dem vorläufigen Bericht hervor, daß nach den Blutuntersuchungen ein großer Prozentsatz der Einwohner Malariaparasiten beherbergt, jedoch war nur ein Teil dieser Leute in gewöhnlichem Sinn malariakrank; vielfach handelte es sich um sogenannte Parasitenträger, die aber für das Fortbestehen resp. die Weiterverbreitung der Krankheit eine große Gefahr darstellen. Besonders bemerkenswert ist, daß der Bürgermeister von Jerusalem, Husseini Etfendi, der Forschung ein reges Interesse entgegenbringt, und daß er die Hauptbedingung für die Sanierung, die Anlage von Wasserleitung und Kanalisation, klar erkannt hat und tatkräftig für diese Neuerungen eintritt. Schon jetzt werden Demonstrationen zur Belehrung und Aufklärung veranstaltet. Besonders hervorgehoben wird in dem Bericht, daß die Jerusalemer jüdische einflußreichste Tageszeitung einen sehr freundlichen langen Artikel über die Expedition gebracht hat, nachdem der Redakteur Herrn Professor Mülilens zu einem Interview aufgesucht hatte. ln der neuesten Nummer der Zeitschrift „Palästina“ schreibt Herr B. Gold b e r g: Bei der Bearbeitung des in der jüdischen Welt Rußlands ziemlich verbreiteten „Jüdischen Kalenders ,Kadima‘ welcher bereits das vierte Jahr regelmäßig erscheint, ist auch diesmal wie gewöhnlich besondere Sorgfalt einer erschöpfenden und möglichst präzisen Darstellung der Institutionen, die in und für Palästina arbeiten, gewidmet worden. In dem eben erschienenen Jahrgange finden wir eine Aufstellung der Gesamtfläche des jüdischen außerstädtischen Landbesitzes, welche zu Beginn des Jahres 1 Ql 12 auf Grund von offiziellen und authentischen Quellen in Jaffa, eigens für diesen Zweck vorgenommen worden ist. Es fanden sich: Dunam *) Gesamtfl. 1. In Judäa ... 15 Kolonien u. Besitzung, mit 107102 2. ,. Samara . . 7 „ „ „ „ 84 822 3. „ llnter-Galiläa 13 „ „ 106 219 4. „ Ober-Galiläa 5 „ „ „ „ 80 814 5. Unbearb. Ländereien im Hauran u. Djolan ,, 56 000 Zusammen in Dunam 439 957 oder in Hektar 40 344 Die mittlere Durchschnittsfläche einer jüdischen Besitzung beträgt : In Judäa .7 140 Dunam ,, Samaria. 12 832 ,, ,, Unter-Galiläa.8 171 ,, ,, Ober-Galiläa.16 163 ,, Die mittlere Durchschnittsfläche sämtl. 40 jüd. Besitzungen 10 999 „ oder rund 11 000 „ In Judäa, wo der größte Teil der Kolonisten mit Pflanzungen sich befaßt, sind die Kolonien am kleinsten, im oberen Galiläa, wo die extensive Getreidekultur am meisten verbreitet ist, am größten an Bodenfläche. Eine große Rolle spielt dabei auch die Art der Gründung der Besitzungen; wo die *) Ein Dunam — 917 Quadratmeter. Kolonien aus eigener Initiative durch Gruppen von Einzelkolonisten gegründet werden, sind dieselben am kleinsten. Die Rothschildschen Kolonien sind mit Boden reichlich versehen. Die größten Kolonien (über 20 000 Dunam Bodenfläche) sind : Rosch-Pinah mit. 38 649 Dunam Chederah „ . 31 335 „ Petach-Tikwah „. 25 357 „ Jemma „. 23 290 ,, Die kleinsten (unter 2500 Dunam) dagegen sind: Moza . 1095 Dunam Chulda.- - 1973 B* er-Jakob . 2040 Ben-Schemen . 2350 ,, Um zu bestimmen, welchen Teil der Gesamtfläche Palästinas die jüdischen Besitzungen ausmachen, muß man sich vorher über den streng geographischen Begriff Palästinas eine klare Vorstellung machen. Nicht nur in historischen Werken, sondern auch in gegenwärtigen Lehrbüchern der Erdkunde und in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten wird das Gebiet Palästinas verschiedentlich bestimmt. Im „Kalender Kadima für 5673“ wird das Gebiet Palästinas mit 36 400 Quadratkilometern angenommen, und zwar auf folgender administrativer Einteilung basierend: 1. Mutassariflik (Liwa) Jerusalem.ca. 9000 kni- 2. Wilajet Beirut: Sandschaks Beirut, Akka und El-Belka (Nablos).,, 9000 ,, 3. Wilajet Suria: Sandschak El-Kerak und ein Teil des Hauran.,, 9000 ,, 4. Der neue Bezirk Berseba - -. 3500 „ 5. Die Fläche des toten Meeres. 915 ,, 6. Aegyptisches Gebiet EI-Arisch. 5000 ,, Alle diese Zahlen sind nur annähernd richtig, weil der Osten und der Süden Palästinas in Wüstengebiet übergehen und die Grenzen nur sehr ungenau zu fassen sind. Wenn wir demnach das Gebiet Palästinas mit 36 400 Quadratkilometern an nehmen, so kommen wir den richtigen Verhältnissen wohl am nächsten. Machen wir dann diese Zahl zur Grundlage einer einfachen Berechnung, so ergibt diese, daß der gegenwärtige jüdische gesamte Landbesitz 1,11 ‘»o ausmacht, also etwas mehr als 1 <><> des Gesamtbodens Palästinas. Es bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung, um klarzulegen, wie überaus langsam wir vorläufig im Lande unserer Hoffnung vorwärtsgekommen sind, und daß alle Anstrengungen gemacht werden müssen, um uns von dieser Quantite negligeable zu etwas Bedeutendem emporzuschwingen. In diesem Punkte gilt es am allerdeutlichsten, schrittweise aber unablässig weiterzuarbeiten und mit dem bequemen Abwarten des „großen Momentes“ ein für allemal zu brechen; alle Anstrengungen müssen gemacht werden, um diese beschämende Verhältniszahl aus der Welt zu schaffen, um sie in kurzer Zeit zu verdoppeln, zu verdreifachen und immer weiter zu vergrößern. Das Septemberheft der hebräischen Zeitschrift für wissenschaftliche und praktische Landwirtschaft „H a ch a k 1 a i“ in Jaffa bringt wieder eine Fülle interessanten Stoffes. Redakteur Dr. Zagorodsky bespricht im leitenden Artikel das System des „Dry-Farming“, und kündigt an, daß der „Hachaklai“ die hierauf bezügliche Schrift von Dr. Wiclstoe in hebräischer Uebcrtragung veröffentlichen wird. Nach Zager odsky besteht das System der „trockenen Landwirtschaft“' hauptsächlich in folgenden Punkten: Herstellung einer tiefen Ackerkrume, deren obere Schicht sich in besonders lockerem Zustande befinden muß, damit einerseits die Wasseraufnahme