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Die Welt · 1912-11-08 · 45 (8.11.1912) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45 DIE^ELT die Redaktion der „Welt“ ersucht werden, eine eigene Rubrik für studentische Arbeit einzurichten, die etwa einmal im Monat zu erscheinen hätte. Wir können getrost annehmen, daß bei dem verständnisvollen Interesse, das unsere Leitung für die Arbeit der Studenten hat, diesem Wunsch entsprochen wird. In dieser Rubrik wären nun jeweils Berichte der einzelnen Vereine über ihre Tätigkeit und das Resultat ihrer Bemühungen mitzuteilen. Diese Berichte sollen nicht in der oft gebräuchlichen Art einfach Namen, Titel usw. aneinanderreihen, sondern sie sollen wirklich das Bild des geistigen Lebens in dem betreffenden Vereine darstellen und manchen etwas geben können. Ferner wären Erfahrungen aller Art, etwa bezüglich der Arbeitsmethoden, besonders im Hebräisch-Unterricht usw., auszutauschen. Ich glaube, daß sich hier eine erfolgreiche Verbindung anbahnen ließe. Die betreffenden Veröffentlichungen würden sicher in allen zionistischen Studentenvereineu der Welt gelesen. Es wäre auch nicht unmöglich, daß Korporationen einzelne Mitglieder auf ein Semester oder doch auf einige Zeit in eine andere Stadt zu einem befreundeten Verein schicken, 1395 damit sie dort Eindrücke sammeln, die sie in ihrem Kreise dann verwerten können, und andererseits den andern die Kenntnis ihrer Prinzipien vermitteln. Eine solche Verbindung könnte sich ganz gut aus der Bekanntschaft, die aus der „Welt“ geschöpft wird, entwickeln, indem sich eben jeder Verein an den hält, dessen Berichte ihm am wertvollsten erscheinen, und so zunächst die Gleichgesinnten verbunden werden, was viel wichtiger ist, als „Landesverbände“. Selbstverständlich wäre auch die Veranstaltung von Studententagen sehr zu begrüßen, besonders, wenn dieselben so eingerichtet werden, daß sie nicht nur Demonstrationszwecken dienen, sondern daß man wirklich etwas lernen kann. Allerdings werden solche Studentenkongresse infolge der territorialen Ausdehnung große Schwierigkeiten machen und daher nur bei besonderen Gelegenheiten, etwa gleichzeitig mit den zionistischen Kongressen, stattfinden können. Also: Erst mit Kleinerem anfangen, statt Großes zu verderben; erst Inhalt e schaffen, nicht eine große, hohle Form; erst tue jeder das Seine, dann werden wir uns auf dem gemeinsamen Wege finden. REVUE DER PRESSE Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ bringt in Nr. 245 folgenden Bericht aus Jaffa: „Der Friedensschluß zwischen der Türkeit und dem langjährigen Rebellen Imam Jahja — das sogenannte Jemenabkommen — hat eine interessante und für Palästina sehr bedeutsame Folge: die Juden des Jemen wandern massenhaft nach Palästina aus. Während der Kämpfe zwischen dem Imam und den Türken haben die Juden des Jemen stets treu zur türkischen Regierung gehalten. Deshalb haben sie jetzt, wo der Imam durch das Abkommen selbständiger Fürst geworden ist, seitens des Imams Jahja unter den schrecklichsten Verfolgungen zu leiden, so daß ihre Lebensbedingungen geradezu unerträglich geworden sind. Die Juden haben zwar zu allen Zeiten viel von seiten der mohammedanischen Bevölkerung erdulden müssen, aber ihre jetzige Lage soll besonders im Nordjemen unhaltbarer denn je sein. Gegenwärtig wird von den dortigen Juden eine außerordentliche Steuer von 1000 Reals (1400 Frcs.) pro Jahr erhoben. Hiermit nicht genug, forderte der Imam Jahja in Sanaa von den Juden die Steuern von 40 Jahren, d. h. für all die Zeit, in der dort die Türkei herrschte, was er damit begründete, daß das Land nun ihm gehöre. Da die Juden nicht zahlen konnten — es handelte sich um etwa 140000 Frcs. — drangen die Leute des Imam Jahja in das Judenviertel von Sanaa ein, verhafteten alle angesehenen Männer und warfen sie ins Gefängnis, wobei sie ihnen mit dauernder Haft drohten, falls sie die Steuer für 40 Jahre nicht entrichten würden. Erst auf Einsprache des Generals Izzet Pascha ließ Imam Jahja die Gefangenen frei, die grausamen Verfolgungen wurden jedoch immer heftiger fortgesetzt. Lim die Lage richtig zu erfassen, muß man sich daran erinnern, daß die Juden, wie bereits gesagt, während der ganzen Zeit, in der die türkische Regierung im Nordjemen dominierte, und insbesondere während des langjährigen Geplänkels mit dem Imam Jahja treu zur türkischen Regierung hielten. Dabei hat aber die Regierung für die Juden im Jemen blutwenig getan, das schlimmste für die Juden war es aber, daß man bei dem Friedensschluß mit dem Imam ihrer nicht gedachte. Um diesen Zuständen abzuhelfen, ist in hiesigen jüdischen Kreisen der Gedanke aufgetaucht, die jemenitischen Juden nach Palästina zu verpflanzen, und so sind bereits etwa 1300 Familien aus dem Nordjemen hier eingewandert. Wenn auch Palästina noch lange nicht jene hohe Stufe der Entwicklung in Landwirtschaft und Industrie, deren es fähig ist, erreicht hat, so kann das Land nach und nach immerhin auch wirtschaftlich als Zufluchtsstätte für die 10 000 bis 12 000 Seelen aus dem Nordjemen, die am meisten verfolgt werden, dienen. In den hiesigen jüdischen Kolonien in der Stadt, wie auf dem Lande, finden große Sammlungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen zum Besten der bedrängten jemenitischen Juden statt. Es sind bereits ansehnliche Beträge gestiftet worden. Die Juden Palästinas betrachten ihr Hilfswerk in erster Linie als nationale Sache. Dabei haben sie es nicht leicht, denn ihre Hilfeleistung ist für sie mit enormen Kosten verbunden, wenn man bedenkt, daß nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung vom Nordjemen sich zur Auswanderung nach Palästina anschickt. Jeder Jude verkauft dort sein Hab und Gut, so gut es gehen mag. In Fällen, in denen die Nichtjuden ihnen nichts abkaufen wollen, lassen sie ihre Habseligkeiten zurück und kommen vollständig verarmt hier an. Eine ganze Reihe rein jüdischer Ortschaften im Jemen soll bereits völlig verlassen sein. Die schwierigste Frage bei dieser Masseneinwanderung ist für die hiesigen Juden die der Unterbringung; in den jüdischen Kolonien macht sich ein furchtbarer Wohnungsmangel fühlbar. Aus diesem Grunde soll sich der Jüdische Nationalfonds* entschlossen haben, zum Bau von Jemeniten Wohnungen einen größeren Betrag beizusteuern, auch in Holland will man, wie in hiesigen jüdischen Kreisen verlautet, zu diesem Zweck eine größere Aktion unternehmen. Gelingt es, die einwandernden Juden des Jemens, deren Umgangssprache das Hebräische ist, in der richtigen Weise hier anzusiedeln, so würde es für diese eine Erlösung aus schlimmster Not bedeuten, zugleich für die jüdische Kolonisation in Palästina aber von allergrößtem Nutzen sein. Die Lösung der Jemenfrage würde somit sehr viel zur Stärkung des Judentums in Palästina beitragen.“

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