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Die Welt · 1912-11-08 · 45 (8.11.1912) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 45 richtige jüdische Note, es wirkte etwa wie Wappenschild und Plagge über einem fremden Konsulat. So könnte es in Palästina auch weitergehen. Warum sollte man nicht auch Gesimse und Säulenkapitäle mit hebräischer Buchstabenornamentik verzieren können? Es soll uns aber in Palästina nicht so gehen wie in anlern Gebieten, wo Europäer kolonisieren. Denn unsere Kolonisation ist nicht nur die der Geldsucher. Hinter ihnen steht eine Leitung, die sich höherer Ziele bewußt ist, die weiß, Jaß eine abschreckende, unhygienische Mietskaserne in Jaffa licht nur ein Kapital ist, das sich gut verzinst, sondern auch ■in Schandmal für die Stadt und eine verpaßte Gelegenheit. Denn am unscheinbarsten Objekt kann man lernen, Fehler /u vermeiden, und ein guter Bau ist Vorbild für viele. Darauf kommt es jetzt an: Richtlinien zu zeigen. Das ist die Aufgabe derer, die nicht als Unternehmer auf den Pfennig sehen müssen. Wir können nicht das europäische Heim in das fremde Klima verpflanzen, das Haus mit dem Gebälk aus den deutschen Wäldern, mit den Mauern, die dem kalten Nordwind und dem nassen Südwest trotzen, mit dem schneelastgewohnten Dach. Wir können auch nicht das Haus des arabischen Landbewohners übernehmen, wir Europäer mit den höheren Lebensansprüchen. Was sollen wir also tun? Wir achten peinlich auf alle Lebensbedürfnisse, denen das Haus Rechnung tragen soll. Wir schaffen das Beste und Hygienischste, das wir mit den verfügbaren Mitteln erreichen können. Wir vertiefen uns in das zur Verfügung stehende Material und suchen durch die Sachgemäßeste Behandlung 1393 die besten Wirkungen zu erzielen. Wir ordnen die vorhandenen Zweckformen nach den ewigen Gesetzen der Schönheit zu einem harmonischen Bilde, denn Schönheit ist nicht nur bei Luxusgegenständen zu erreichen. Und wollen wir über dies alles hinaus einmal der jedem Menschen innewohnenden Freude am Reichtum Rechnung tragen, so nehmen wir, ehe bei uns etwas ganz neues entstanden, etwas aus dem vorhandenen Formenschatz, aber wir überlegen uns das sehr, und wir prüfen nicht einmal, sondern hundertmal ob das gewählte Schmuckmotiv auch paßt, ob es nicht zu andern Zwecken entstanden, aus andern Bedingungen des Materials hervorgegangen ist und daher hier häßlich wirken muß. Wenn wir das tun, dann werden wir nach und nach zu neuen Konstruktionsformen, zu eigenartigen Wirkungen des Materials in diesen neuen Formen gelangen, und werden dann nach und nach sehen, daß diese Formen nicht mehr rein als Zweck wirken, wir werden sie als Schmuck empfinden und aus ihnen Anregungen schöpfen zur Weiterarbeit an dem neuen Stil. Vorläufig wollen wir aber ganz behutsam vergehen. Wir wollen bedenken, daß wir eine neue Kunst nicht nur brauchen, um damit Propaganda machen zu können. Die Baukunst ist auch eine Kunst, und der bescheidenste Nutzbau kann ein Kunstwerk sein und Vorbild für viele hundert andere. Auch schlechte Bauten werden als Vorbilder genommen werden. Darum wollen wir sie nicht aufkommen lassen und gleich an unsere Arbeit gehen. Die Frage des Studentenverbandes Von Robert Weltsch, Prag Die Frage der organisatorischen Zusammenfassung der zionistischen Studentenschaft der ganzen Welt, die unlängst in diesen Blättern wieder zur Diskussion gestellt wurde, scheint mir für die Studenten von einiger Bedeutung zu sein, und da ich glaube, daß diese Diskussion praktische Resultate haben soll, möchte ich mich dazu äußern und einen Standpunkt, der von dem von den Vorrednern vertretenen wesentlich abweicht, kurz begründen. Ich halte die Gründung des vorgeschlagenen Verbandes nicht nur für unnötig, sondern sogar für u n n ü t z 1 i c li und zum Teil geradezu für g e f ä h r 1 i c h. Das Stillschweigen der Studentenschaft deutet darauf hin, daß der Frage nicht allzugroßes Interesse entgegengebracht wird. Ich glaube auch nicht fchlzugehen, wenn ich annehme, daß der von Herrn S c li w a rz b a rt in Nr. 42 der „Welt“ vorgeschlagene Plan des „Vorbereitungskomitees“' noch nicht realisiert wurde. Es scheint mir aber falsch, daß die Studenten der Sache so passiv gegenüberstdien; es bleibt dann die ganze Verantwortung bei denen, die die Verbandsidee betreiben. Ich halte es für eine Notwendigkeit, daß wir uns mit der Sache auseinandersetzen. Ich will hier nicht so sehr auf die ganz allgemein gehaltenen Ausführungen Dr. Sack heims eingehen, als vielmehr auf den Artikel von Ignaz Schwarzbart, der ja den ganzen Plan ziemlich konkret und mit detailliertem Programm darstellt. Ich unterschätze sicher nicht die ideelle Bedeutung der Organisation, die dem einzelnen ein Gefühl des Zusammenhanges, ein Gemeinschaftsgefühl stärkster und heiligster Art gibt, die für uns eine Art Mysterium bedeutet, ähnlich wie altgriechische und altjüdische Mysterien Menschen zürn Erleben ihrer Gemeinschaft, ihres Verbundenseins geführt haben. Diese Bedeutung hat für uns auch die zionistische Organisation, die für uns Einzelne, Strebende neue Gemeinschaftszentren schafft; die die durch gleiche Sehnsucht Verbundenen durch gemeinsame Arbeit in gleichem Kampfe zusammenschmiedet und uns die Form eines normalen, volksmäßigen Zusammenlebens ersetzt, indem sie uns eine höhere Art des Zusammenlebens in gemeinsamem Schaffen bietet. Aber diese geheimnisvolle Macht, diese Stimmung erzeugt uns der Kreis, in den wir gezogen wurden und in dem wir ständig leben. Das Bewußtsein, dem Weltverbande der Studenten anzugehören, der nicht gegenwärtig und unmittelbar auf uns wirken kann, wäre viel weniger stark und fast bedeutungslos. Ich möchte nicht, daß Herr Schwarzbart mich zu den von ihm charakterisierten „Gleichgültigen“ rechnet, „deren Gesichtskreis über die Bude nicht herauskommt.“ Aber ich glaube doch, daß wir die stärksten seelischen Impulse, die uns aus der Organisation kommen, nur aus unserem Kreis erhalten können. Ich betone, ich spreche hier nur von den ideellen Wirkungen des Organisiertseins. Wenn der Einzelne in diesem seinem Kreise recht erzogen worden ist, dann wird er in die große zionistische Organisation, die seiner harrt, hinaustreten. Aber als Studenten haben wir unvergleichlich wichtigere Dinge zu tun, als Weltorganisation zu spielen. Meiner Ansicht nach krankt das ganze zionistische Leben in manchen Ländern, zum Beispiel in Oesterreich, daran, daß die Studenten viel zu früh in das politische Leben innerhalb der Organisation getreten sind; nicht etwa, weil sie etwas verdorben hätten, sondern deshalb, weil sie der Organisation unendlich mehr hätten sein können, wenn sie ihre Studentenzeit zu ihrer Ausbildung verwendet hätten. Im Zusammenhang damit möchte ich gleich auf einige konkrete Punkte überspringen. Herr Schwarzbart stellt sich die

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