Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1392 zu widmen. I)r. Loch war der Präsident des Jüdischen Technischen Instituts mul des Salomon und Betty Loeb-Heims für Rekonvaleszenten, das zum Andenken an seine Eltern gegründet wurde. Auch die Baron de Hirsch - Stiftung und die Jüdische Hilfsgesellschaft für Ackerbau und Industrie zählten ihn zu ihren Direktoren. Der erst vor kurzem erwogene Plan, alle jüdischen Wohltätigkeitsinstitute der Stadt New York zu einer gemeinsamen Nr. 45 Organisation zu vereinigen, wurde lebhaft von Dr. Loeb unterstützt. Bekanntlich hatte der Philanthrop Heinsheimer der Gesamtorganisation eine Spende von 1 Million Dollar in Aussicht gestellt, die, da die Amalgamierung nicht zustande kam, an das von Dr. Loeb geleitete Institut fiel. Auch zahlreiche andere jüdische und amerikanische Organisationen verlieren in dem edlen Philanthropen einen unschätzbaren Mitarbeiter. DIESaKELT \z Palästinensische Bauprobleme Von Dipl.-Ing. Richard Kaufmann, Freiburg i. B. „Schaffung einer neujüdischen Kunst“, das ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben, die wir auf uns genommen haben. Jahrhunderte lang haben wir uns in einseitiger Verstandestätigkeit mit dem geschriebenen Wort befaßt. Nun sollen wir nicht nur wie das Europa des Mittelalters, das doch schon eine Kunst besaß, die Schönheit der Form wieder sehen lernen an einem abgeschlossenen Werke vergangener Zeit, das nur wieder aufgefunden und gezeigt zu werden brauchte, nein, wir sollen darüber hinaus noch Neues schaffen, neue Formen, die unsere Formen sein sollen, hervorgegangen ans unserem Wesen: den jüdischen Stil. Wir werden vielleicht lange suchen müssen, bis wir zu der Erkenntnis kommen, die am Anfänge unseres wirklichen Schaffens stehen muß. Denn wer bewußt die Schaffung des neuen Stiles in sein Lebensprogramm aufnehmen will, kann nicht zugleich der naiv und unbekümmert Schaffende sein. Fr kann zur Erkenntnis der Bedingungen gelangen, unter denen ein neuer Stil sich entwickeln kann. Denn wer die Geschichte der Kunst richtig zu lesen verstellt, findet darin die ewig wirkenden Gesetze lind legt sie auch für unseren Fall richtig aus. Er kann sorgsam den Boden vorbereiten, auf dem der Samen der neuen Kunst nachher ausgesäet werden soll. Fr kann das Unkraut fernhalten, das droht, sich auf dem neuen Boden breit zu machen und das Aufgehen des guten Samens zu verhindern. Der produktive Künstler aber darf keine Tendenz verfolgen, und es wäre sein Unglück, wenn er gegen sein Gefühl sich ihr zu Liebe krampfhaft bemühte, durch Wahl der Stoffe, durch ausgeklügelte Form die jüdische Note zu verstärken und so zum Entstehen des „Stiles“' beizutragen. — — Klarer noch als in der reinen Kunst zeigt sich unsere Aufgabe im Kunstgewerbe, am klarsten tritt sie in der Baukunst hervor. Ein Maler kann schlechte Bilder fabrizieren. Sie verschwinden, hat inan erst ihren Unwert erkannt, und er hindert den begabten Künstler nicht, zu schaffen und seine Zeit abzuwarten. Wenn aber eine Zeit Gutes nicht herrorbringen kann, so braucht man nicht notwendig Schlechtes zum Ersatz. Aber Häuser braucht man! Und regiert einmal die Geschmacklosigkeit, die Verständnislosigkeit, dann steht der gute Architekt untätig beiseite, denn er braucht Aufträge, wenn er schaffen will, er kann es nicht im Atelier vollbringen und auf spätere Würdigung hoffen. Endlich: das häßliche Gebäude, die schlechte Stadtanlage kann man nicht verschwinden lassen wie ein Bild von der Wand, wenn es nicht mehr gefällt, sie bleiben noch lange, lange stehen als Unzierden und schlechte Vorbilder! Darum brauchen wir vor allem in der Baukunst Leute, die Verständnis lind Wissen nahen, um das Schlechte zu erkennen, frei von den Fesseln des persönlichen Geschmacks und der Mode des Augenblicks. Wir brauchen Leute, die Geduld haben, um in Ruhe ihre reinigende, reinhaltende Tätigkeit fortzusetzen und das allmähliche Reifen neuer Formen zu erwarten. Wir brauchen Leute, die Bescheidenheit und Selbstverleugnung besitzen, denn die Versuchung ist groß, sich durch verstandesmäßiges Kombinieren und Ausklügeln eines neuen ,,Stiles“ einen Platz in der Kunstgeschichte sichern zu wollen. Sollte uns bald ein Genie erstehen — wer weiß, ob die Zeitgenossen es noch erkennen werden —, so wäre dies ein großes Glück. Aber rechnen dürfen wir doch nicht damit, und die Entwicklung wird auch ohnedies — langsamer wahrscheinlich — die gleiche sein. Denn am allerwenigsten in der Baukunst steht zu Beginn einer neuen Stilprobe ein einzelner Künstlername. Wenn ein „unkultiviertes“ oder „zurückgebliebenes“ Land den Segnungen der europäischen Kolonisation erschlossen wird, so bedeutet dies in der Kunst immer den Tod für alles, was vielleicht aus alten Zeiten her noch lebte und für alle Keime einer neuen Entwicklung, die im Verborgenen vorhanden waren. Krasser Eigennutz regiert zuerst, materieller Gewinn ist die einzige Richtschnur. Das kann nicht anders sein. Später kommt man zur Kunst aus dem Bedürfnis nach äußerer Repräsentation: verständnislose Nachahmungen von Bauten sind die Folge, von denen man gelernt hat, daß sie schön sind. Daß sie unter anderem Himmel, bei andern Menschen entstanden sind, weiß man nicht. Bestenfalls bemächtigt man sich alter inländischer Kunstformen und klebt sie den neuen Bauten auf. Daß sie in anderen Zeiten, unter andern Lebensbedingungen entstanden sind, daran denkt niemand. So kann es uns auch in Palästina gehen. Tel-Awiw, die glückverheißende Improvisation, zeigt mit unerbittlicher Deutlichkeit den Weg der sich selbst überlassenen Kolonisation. Häßliche Mietskasernen, gesundheitswidrige Bodenausnutzung bezeichnen ihn. Und wenn wir uns „etwas leisten“ wollen — klassisch-griechische Tempelfassaden werden ja nicht wie in Amerika vor unsere Prunkbauten geklebt werden. Wir erfinden dann für unsere Zwecke schnell einen „jüdischen“ Stil. Eigentlich hat ja die vergangene Generation hier in Europa schon den Anfang damit gemacht. Betrachten wir nur unsere Synagogen. Die Byzantiner im oströniischen Reich haben den römischen Gewölbehau weitergebildet und mit ihren Kuppelbauten eine große Kunst entfaltet. Die Araber haben ihnen ihre Länder weggenoinmen und darin die Kuppelbauten vorgefunden. Diese haben sie — künstlerisch eigentlich wenig produktiv und mehr einseitig dekorativ begabt — zum Mittelpunkt ihrer Baukunst gemacht und sie mit herrlichen Schmuckformen bekleidet. Das alles geschah im Osten, so ungefähr in der Richtung von Palästina. Wir Juden hatten übrigens dort schon seit geraumer Zeit eigentlich nichts mehr zu tun. Aber es war doch eine feine Idee, unsere Synagogen im maurischen Stil oder wenigstens im gemilderten maurischen Stil zu bauen. Im westeuropäischen Stadtbild gab das die