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Die Welt · 1912-11-08 · 45 (8.11.1912) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1388 ..- :::: — - - :■ D 1 E 3KKE LT r-rrr=, :■ ■ .■^r,,;==r^s Nl\ 45 hängt allzu sehr von den weltpolitischen Ereignissen ab, denen wir in diesen Tagen entgegentreiben. Die offiziellen Erklärungen der Kabinette sind in diesem Augenblick genau so viel wert wie die schöne Statusquo- Fnrintl, auf die sich vor einem Monat „alle Mächte geeinigt " hatten. Dali auch die zionistische Bewegung durch die Vorgänge der Weltpolitik in Mitleidenschaft gezogen werden kann, leuchtet ohne weiteres ein. Es ist daher die Pflicht unserer obersten Leiteng, die politischen Vorgänge mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen und alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um für jede Phase der Entwicklung gerüstet zu sein. Ernste Besorgnisse für den Fortbestand unserer Sache brauchen wir nicht zu hegen, denn unsere Absichten sind von der Machtpolitik der Staaten völlig unabhängig. Es kann für uns Momente der Förderung und Momente der Hemmung geben, wie wir deren bereits eine ganze Reihe erlebt haben. Der nationale Charakter des Zionismus, die zivilisatorische Bedeutung unseres Palästina Werkes bleibt davon unberührt, und diese Faktoren bewirken den ständigen Fortschritt der zionistischen Bewegung. R. L. /?- IL □□□□□□ WELTCHRONIK □□□□□□Iio -Jj o ======& Die bisherigen Ergebnisse der Dumawahlen (Von unserem Berichterstatter.) O d e s s a. I de Ergebnisse der ersten Waiden haben du iMilirdiiimgoi der ärgsten Schwarzseher bestätigt. Von den 101 Abgeordneten, die am '31. Oktober in den verschiedensten Oonverneine ins Rußknids gewählt wurden, gehören üb der extremster Reaktion tind 15 der politisch und sozial nicht weniger schwarzen Natioualistenpartei an, während sich die übrigen _’(> .Vandale unter den (okiobnsten und den verschiedenen Richtungen der Opposhion verteilen. Wicäergewähli sind bereits die bekannten Judenfresser M a r k o w und V u r i s c!i ■ k e w i t s c li , der Bogronihet/er S a m i s 1 o w s k y , für den sieh das Ministerium des Innern und die Lokalbehörden in Wilna besonders ein setzten, ferner die Führer der Nationalistenpartei : S c ii u 1 g i ii und K r u p e n s k y , dem die wüsteste Verhöhnung der Juden das tägliche Brot in der Duma ist, utui viele andere. Voraussichtlich wird der weitere (Jang der Wahlen den Eindruck der ersten Wahlschlacht nicht erheblich ändern. Es stellt also zu erwarten, dal) das ehemals mächtige Oktohristen-Zenirum ganz xusainmensciimmpft. und daß auch der linke Flügel der Dnnia abbröckelt, während die extreme Rechte einen enormen Zuwachs erfahren wird. unter den (ioiivernenients des Ansiedelungsrayons haben bereits Grodno, Mo hi lew, Wolhynien, Podolien, Jekateriuoslaw und Cherson ihre 72 Vertreter, unter denen kein einziger Jude ist. Vielmehr haben gerade diese Gouvernements die aggressivsten Reaktionäre und Judenfeinde gewählt. Eine schwere Enttäuschung für das russische Judentum boten speziell die Wahlen im (iouverncinent (irodn o. Mau hatte allgemein gehofft, daß hier Nah um S o k o 1 o w gewählt würde, die iS Wahlniännur des Bauern Vorstandes zogen es aber vor, mit den (iutsbesit/ern zu paktieren und ihnen vier Mandate zu überlassen, anstatt sich mit den Juden zu verständigen und ihnen e i n Mandat einzuräumen. Cebrigens boten diese Wahlen auch einige wenige Lichtpunkte.!n der zweiten Stadtkurie Kiews unterlag der Urheber der Beilis-Affäre, der berüchtigte S a w e n k o. Er fiel gegen den Kandidaten der Kadetten, Professor I w a n o \v durch, trotzdem alle Hebel für ihn in Bewegung gesetzt wurden. Einen glänzenden Sieg trug die Sache des Fortschritts auch im ,,Herzen Rußlands“', in der uralten Hauptstadt Moskau davon. Hier unterlag des Führer der Oktobristen Alexander (j uts cli k ü w gegen den Kandidaten der Kadetten Professor N o w i k o w. Dem Charakter- und prinzipienlosen Oktobrismus wurde hierdurch das Haupt, die einzige wirklich hervorragende Kraft genommen. Zur Kiewer Knabenmordaffäre K! e w. Immer unerklärlicher und widerspruchsvoller wird die Haltung der Untersuchungsbehörde in der J ii s t s c h i n s ky - Affäre. Seit den Enthüllungen B r a s u 1 - B r u s c h k o w s k i s glaubt in Rußland kein Mensch mehr ernsthaft an die Schuld des armen B e i 1 i s , und selbst die blutrünstigen „Verbändler" und schwarzen Hundertschaften waren eine Zeitlang recht kleinlaut geworden und rechneten mit der Freilassung BeilisL Der Umstand, daß das Justizministerium den Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten, Maschkewitsch, nach Kiew entsandte, um eine „ergänzende Untersuchung“ vorzunelimen und die Angaben Brasuls und K r a s s o \v s k i s nachzuprüfen, schien darauf hinzudeuten, daß die oberste Justizbehörde des Reiches die auf die Feststellung eines „Ritualmordes" abzielende Tätigkeit des früheren Untersuchungsrichters denn doch zu blamabel fand und den in allen juristischen Kreisen des In- und Auslandes als J u s t i z s k a n - d a 1 empfundenen Beilis-Prozeß liquidieren wollte. Nachdem nun Maschkewitsch plötzlich für viele Wochen aus Kiew verschwunden war, erfährt man jetzt, daß er in Petersburg den Professor der Theologie Troitzky und einen bekannten antisemitischen Popen P r a n a i t i s aufgefordert hat, sich gutachtlich zu äußern, ob der Talmud und das kabbalistische Schrifttum des Mittelalters Stellen enthielten, die auf den rituellen Gebrauch christlichen Blutes durch die Juden schließen lassen! Das Gutachten von Prof. Troitzky soll bereits vorliegen und das Vorhandensein derartiger Hinweise entschieden verneinen. Wie die „No wo je Wremja“ zu berichten weiß, setzt jedoch Maschkewitsch die Nachforschungen nach dieser Richtung fort und läßt zu diesem Zwecke — die kabbalistischen Handschriften der kaiserlichen Akademie in Petersburg studieren. Der Ritualmordprozeß soll also zur höheren Ehre der russischen Justiz und zu Nutz und Frommen der „staatserhaltenden" Parteien in der gegenwärtigen Wahlkampagne um jeden Preis weitergeführt werden. Ein englisch-jüdischer Arzt für den roten Halbmond (Von unserem Berichterstatter.) L o ii d o n. Die englischen Juden nehmen an der Bildung sanitärer Korps tür den Krieg hervorragenden Anteil. Lord Rothschild ist der Vorsitzende des englischen Roten Kreuzes. Nunmehr ist ein englisch-jüdischer Arzt, Dr. Eli Coplans, vorigen Freitag mit einer ersten Abteilung des englischen Roten Halbmonds nach der Türkei abgefahren. Auch hat die

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