Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316558--56672-3350624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1362 DIEEaEELT: Nr. 44 die Angriffe in Schutz, die der bekannte hebräische Publizist und Gelehrte Ch. Tschernowitz („Rabh Zair") in seinen palästinensischen Reiseberichten (erschienen in den früheren Nummern des „Haolam") gegen die Anstalt gerichtet hatte. Jakob K a Ii a n setzt seinen Gedichtzyklus „Helvetia" fort und schildert in einer formvollendeten Dichtung von schönem epischen Fluß den Bärengraben der schweizerischen Bundeshauptstadt, das alte Wahrzeichen des reizvollen Bern. — Dr. A\. Glücksohn gibt (in beiden Nummern) eine ausführliche Darstellung der bekannten durch den mutigen Aufsatz von Moritz Gold stein in Fluß gebrachten Kunstwort-Debatte. Dr. S. Bernfeld schreibt über „Napoleon in der jüdischen Geschichte4*. In der politischen Revue in Nr. 20 bespricht die Redaktion neben den Dumawahlcn in Warschau (worüber wir bereits im vorhergehenden berichtet haben) die Lage auf dem Balkan und insbesondere die heikle Situation der jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen Balkanländern. In der gleichen Nummer ist die prächtige sentimentale Truthahn-Geschichte Scholem-Aleichems abgedruckt, die vor einigen Jahren auch in der „Welt" erschienen ist. Von großem Interesse ist die Darstellung, die J. L. in seinen Reiseschilderungen „Vom Hafen des kanaanäischen (mittelländischen) Meeres" von dem Leben der Juden in Saida, dem alten Sidon, gibt. Es folgt ein Brief aus der Türkei, ein Bericht über die jüngste Sitzung des Odessaer Palästinakornitees, ein Interview mit M. Ussischkin über die Dumawahlen in Odessa, endlich die stets reichhaltigen Rubriken Zionismus und P a 1 ä s t i n a. PALÄSTINA-RUNDSCHAU f i jü (Von unserem Berichterstatter.) Selma Ruppin In Jerusalem starb am 15. Oktober Frau Selma, oder wie man sie in Palästina nannte, Frau Sulamith R u p p i n. Ihr Tod erweckte allgemeine Trauer und Teilnahme. Viele Personen versammelten sich im Hofe des Hospitals Schaare Zedek. Die Anglo-Palestine Company, der Bezalel und das Hebräische Gymnasium wurden geschlossen. An dem Leichenbegängnis nahmen außer den Beamten, Lehrern und Schülern der genannten Institute zahlreiche Freunde und Bekannte des Ruppinschen Hauses sowie die Lehrer und Schüler fast aller jüdischen Institute Jerusalems teil. Dr. Ruppin blieb während der Trauerwoche in Jerusalem. In Jaffa fand in den Räumen der Musikschule eine Trauerandacht statt. Nicht nur die Schüler der Musikschule, die an ihrer Lehrerin mit ganzer Seele hingen und für ihre erhoffte Rückkehr aus Jerusalem einen feierlichen Empfang vorbereitet hatten, sondern auch viele Erwachsene weinten um die Verstorbene. IT- Vor zwei Jahren war Sulamith Ruppin daran gegangen, in Jaffa eine Musikschule zu gründen. Es war dies die erste Musikschule nicht bloß in Palästina, sondern überhaupt im Orient. Sie fand in dem Violinlehrer Kopenko und in Kapellmeister Fi a m m e r s c h 1 a g treue Mitarbeiter. Finanziell nahm sich der Zionsfreund Rabbinersohn in Kiew der Schule an. Sobald die Schule in Jaffa dank ihrer Leitung gut funktionierte, entschloß sie sich, auch in Jerusalem die Gründung einer zweiten Musikschule in die Hand zu nehmen, zumal die finanzielle Förderung durch Moskauer Freunde gesichert war. Beide Schulen entwickelten sich befriedigend. Ihr großes Organisationstalent suchte aber nach weiteren Aufgaben. Sie gehörte dem Damenkomitee der Volksküche in Jaffa an und hatte die Absicht, im Anschluß an die Volksküche eine Haushaltungsschule zu schaffen. Leider war es ihr nicht mehr vergönnt, diesen wichtigen Plan zu verwirklichen. Die Woche Die letzten Tage standen im Zeichen intensiver sozialer Tätigkeit. Während die kurzen Telegramme mis Konstantinopel und den europäischen Hauptstädten, die uns die Reutersche und die osmanischen Agenturen vermittelten, erkennen ließen, daß w ir in politischer Beziehung von neuem bewegten Zeiten entgegengehen, haben diese Nachrichten vorläufig keinerlei Stagnation des öffentlichen Lebens verursacht „Bange machen gilt nicht" dieses stolze Wort hat auch in der Türkei seine Berechtigung. Kaum waren die neuen Kriegsdrohungen bekannt geworden, da meldeten sich bereits viele Freiwillige in Jaffa und Jerusalem. In den anderen Teilen des Landes wird sich die begeisterte patriotische Gesinnung des Volkes gewiß ebenfalls kundtun. Die Feiertagswoche verlief in Jaffa, wie alljährlich, in einer Reihe verschiedener Veranstaltungen. Neu war die Abhaltung der ersten Konferenz der Turnvereine. Daß der jüdischen Turnbewegung in Palästina eine große Bedeutung beizumessen ist, wird wohl niemand in Zweifel ziehen. Um so erfreulicher ist es, zu konstatieren, daß allem Anschein nach unser Turnwesen einem großen Aufschwung entgegensieht. Doppelt erfreulich, daß unsere altehrwürdige Hauptstadt Jeruschalajim den ersten Platz in der palästinischen Turnbewegung einnimmt. Bis in die Jeschiboth Jerusalems drang der Ruf nach körperlicher Hebung und Gesundung, der zuerst auf dem zweiten Baseler Kongreß erscholl. Aber auch die Jerusalemer Orthodoxie ist nicht müßig gewesen. Ob die neue Jeschibah in dem Vorort „Giw'ath Scha'ulu, die soeben eingeweiht wurde einem vorhandenen Bedürfnis abhilft, vermag allerdings der Fernstehende nicht zu beurteilen. Daß aber dieser Tage orthodoxe Kreise sich zusammengetan haben, um ihr Organ, die „Moriah", zu erhalten und auszugestalten, wird gewiß die Zustimmung aller billig Denkenden finden. Gerade die orthodoxe „Moriah" unter der Redaktion des begabten J. J. Je Hin hat gezeigt, daß man auch in Palästina eine Parteizeitung herausgeben und dabei die eigene Weltanschauung in würdiger Weise vertreten kann. Währenddessen haben die fortschrittlichen Elemente in Pethach-Tikwah beschlossen, dort eine landwirtschaftliche Schule ins Leben zu rufen, Ueber die Bedeutung dieser Gründung braucht man nicht viel zu reden. Sie entspricht einer Anregung, die der letzte Baseler Kongreß gegeben hat, und es ist nur mit Freuden zu begrüßen, daß die Privatinitiative sich dieser Anregung bemächtigt hat. Hier die einzelnen Berichte: Die Konferenz der palästinischen Turnvereine Am Chol-Hamoed Sukkoth fand (wie bereits gemeldet) in Jaffa die erste Konferenz der palästinischen Turnvereine statt, an der sich 28 Delegierte beteiligten. Erschienen waren Vereinsdelegierte aus Jerusalem, Jaffa, Pethach-Tikwah und Ekron. Es kamen auch Delegierte aus Rischon le-Zion, Ness-Zionah, Rechoboth und S i c h r o n -