Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 44 DiE3^ELT= — 1361 großen und ganzen überwunden. Infolgedessen dürften diesmal Der Artikelschreiber bespricht sodann die jüdischen Wahlauch die Ergebnisse befriedigender ausfallen. Bedeutsam ist erfolge in Warschau und Lod z und gelangt bezüglich des die Wahlkampagne vom jüdisch-nationalen Standpunkt durch Mandats in Warschau zu folgenden Konklusionen: ihre Erziehung der jüdischen Massen zu einheitlicher Ver- „Hoffentlich werden die Warschauer Juden nicht auf halbem ieidigung der Volksinteressen. Wege stehen bleiben. Nach all den Versuchen, die sie unter- Mit dem allgemeinen Charakter der gegenwärtigen nommen haben, das Warschauer Mandat den Polen zur Ver- Dumawahlen befallt sich der „Fraind" in einem Leitartikel fügung zu stellen Versuche, die ihrem feinen Rechtsempfinüber „Die Wahlen in Rußland". Der Artikelschreiber konden und ihrer wahrhaft menschlichen Achtung für fremde statiert, daß die überwiegend oppositionelle Stimmung des Gefühle alle Ehre machen — bleibt ihnen nichts anderes Landes in den Wahlen zum Ausdruck gekommen sei. Alle übrig, als aus der gegenwärtigen Lage die letzten Schluß- Senatserläuterungen" und administrativen Hemmnisse hätten folgerungen zu ziehen und einen Abgeordneten aus ihrer dies nicht zu verhindern vermocht. In den Städten habe selbst eigenen Mitte in die Duma zu entsenden. Wenn sie noch ihre die erste Kurie, die früher Oktobristen und Reaktionäre gc- Anstrengungen fortsetzen wollten, um jeden Preis einen Polen wählt hatte, durchweg für die Opposition gestimmt. Auf dem zu wählen, so würden sie sich nur verächtlich machen . . . Lande habe zwar das neue Mittel der Regierung: die Heran- Wenn die Warschauer Juden ihren ganzen schönen Kampf nicht ziehung der Geistlichkeit zum Wahlkampf, seine Wirkung nicht in eine lächerliche Farce verwandeln wollen, wenn sie vermeiden verfehlt; doch hätte aiiidli dort die Bauernbevölkerung im wollen, daß sich im Bewußtsein der Polen die Erkenntnis allgemeinen oppositionell gestimmt. Als einzige Stütze der festsetzt, die ganze Bewegung unter der jüdischen Bevölkerung reaktionären Regierung sei nur das kleine Häuflein der Großhabe nicht der Wahrung unseres Rechts und unserer Volksgrundbesitzer und Geistlichen verblieben. Das fortschrittliche ehre gegolten, sondern habe es nur darauf abgesehen, den Rußland sei auf dem Marsche, „Herren" zu zeigen, daß wir ihnen ein ansehnliches Geschenk Zu dieser allzu optimistischen Auffassung des demokratimachen können, — wenn die Warschauer Juden das nicht sehen „Fraind" steht die Tatsache im Widerspruch, daß die wollen, dann dürfen sie nur einen j ü d i s c h e n Abgeordneten überwiegende Mehrheit der bisher gewählten Wahlmänner den wählen. Die Wahl eines Polen bei der jetzigen Sachlage würde rechten und nationalistischen Parteien angehört. Allerdings unser Ansehen noch mehr herabsetzen, denn sie würde den läßt sich ein abschließendes Urteil über die Wahlergebnisse Polen klar beweisen, daß wir fürchten, von unserer Macht einstweilen noch nicht fällen. Gebrauch zu machen. Mögen die Warschauer Juden nicht ein- * wenden, es stände ihnen kein besonders geeigneter Kandidat In sehr bemerkenswerten Ausführungen beschäftigt sich zur Verfügung. Ein ganz mittelmäßiger jüdischer Abgeordneter auch unser Odessaer Bruderblatt „Ha ol am" in seiner jüngsten ist uns immer noch lieber als ein judenfeindlicher oder selbst Nummer mit den Dumawahlen in Warschau. Der Artikelschreineutraler, begabter Nichtjude. Suchen doch auch die andern, her beleuchtet zunächst im allgemeinen die tristen Aussichten vvenn s 1 e Volksvertreter brauchen, die befähigten Männer der russischen Juden bei den bevorstehenden Dumawahlen nicllt in unseren Reihen. Ein derartiger Einwand ließe sich und stellt mit Bedauern fest, daß die Erwartungen der Juden allenfalls zu Beginn der Wahlkampagne hören; jetzt aber im Ansiedlungsrayon, wenigstens qualitativ in der vierten dürfen die Warschauer Juden nicht mehr zurückweichen, wenn Duma gut vertreten zu sein, durch die bekannten Verwaltungsihnen unsere nationale Ehre heilig ist. Den 46 jüdischen und Wahlpraktiken der judenfeindlichen Behörden durchkreuzt Wahlmännern haben die Warschauer Juden unsere Fahne anworden sind. - „Die schöne, erhebende Hoffnung," - heißt es vertraut. Mögen die Gewählten über sie wachen, wie €S einem in dem Artikel — „ist zunichte geworden, die die Millionen. selbstbewußten, auf die Wahrung seiner Ehre bedachten Volke russischer Juden an diese Wahlen geknüpft haben, die Hoffgeziemt. * niing-, unter unseren wenigen Abgeordneten einen Mann von Die beiden letzten Nummern des „H a o 1 a m" (Nr. 25 glänzender Begabung und großem Herzen zu sehen, der von der und 26) zeigen dieses vorzüglich geleitete hebräische Wochen- Tribüne des russischen Parlamentes herab der ganzen gebildeten blatt auf gewohnter literarischer und publizistischer Höhe. Welt unseren machtvollen nationalen Protest entgegenschleu- Ueberaus lesenswert ist der Tiefdurchdachte Essay von Pindern wird, die große Anklage, die im Herzen einer niederchas Schiff mann über den „neuen Juden" unserer gedrückten, von jedem niedrigen Gesellen und ehrlosen Wicht Renaissancebewegung. Schiffmann unterscheidet in der Gemit Füßen getretenen Nation glüht und mit Naturgewalt nach schichte des jüdischen Volkes vier Epochen: die des selb- Ausdruck ringt . . . Die Stadtbehörde in Odessa hat das ständigen nationalen Schaffens auf geistigem, wirtschaftihrige getan, um tausenden Juden das Wahlrecht zu rauben Iichem und politischem Gebiete, die noch einen Teil der tal- und die übrigen durch Tausende von Todfeinden zu majorimudischen Zeit mitumfaßt, sodann das Zeitalter der K o m - sieren, so daß Jabotinsky das Feld räumen mußte, da mentare, auf die späterhin das Zeitalter der Nachjede Hoffnung geschwunden war, die durch die Gewaltherrahmungen und Kopien folgte und endlich die Periode des schaft und den offenkundigsten Rechtsraub begünstigten Gegner tiefsten Niederganges, die Zeit der U e b e r s e t z u n g e n. niederzuringen. Und Grusenberg, der gleichfalls in höhe- Erst in der modernen zionistischen Bewegung seien wieder rem Maße als alle andern jüdischen Kandidaten befähigt wäre, die latenten schöpferischen Kräfte der jüdischen Volksseele für unser Recht einzustehen, wurde in Ko vvno aus der Liste hervorgebrochen, und es gilt nun, diese schöpferischen Tender Wahlberechtigten gestrichen, und seine Position ist in denzen im Leben unseres Volkes zu fördern, den Typus des W i 1 n a durch die Bemühungen unserer brutalen Feinde erneuen Juden heranzuzücliten. Demgemäß untersucht Schiffschüttert worden. Wenn nun die Böswilligkeit und niedermann im zweiten Teile seines Aufsatzes die Aufgaben der trächtige Verleumdungssucht ihre Sitze im taurischen Palast modernen nationaljüdischen Erziehung. Er gelangt zu dem wieder einnehmen wird, wenn die zügellose Rotte auf der Schlüsse, daß das Problem der nationalen Erziehung unserer Rechten unseren ehrlichen Namen von neuem tagtäglich in den Jugend in der Diaspora schlechterdings unlösbar ist, un- Kot zerren und die Volksmassen mit Haß und Rachedurst lösbar auch auf dem Boden der von manchen Utopisten ergegen uns erfüllen wird, dann werden wir keinen jüdischen träumten jüdisch-kulturellen Autonomie, also der autonomen Sachwalter haben, der durch die Kraft seiner Rede die wilde nationaljüdischen Schule. — In Nr. 25 nimmt Dr. Bograt- Meute zwingen würde, auf seine Worte zu hören." seh of f das Hebräische Gymnasium in Jaffa eingehend gegen